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Ambulante Pflegedienste

Das sind die perfekten Mitarbeiterinnen des Pflegestützpunktes

Jede Menge Pflegeheime und Tagespflegeeinrichtungen, aber zu wenig Kurzzeitpflegeplätze. Zwar gibt es im Landkreis 43 ambulante Pflegedienste, aber in einigen Gemeinden ist es schon schwer, den passenden Dienst zu finden. Und wie sieht es aus mit den Pflegekräften? In einer Serie widmen wir uns dem Thema Pflege in allen Facetten. Im zweiten Teil geht es um den Pflegestützpunkt des Kreises; die beiden Mitarbeiterinnen können alle Fragen beantworten.

Zur Not machen sie sich auch mal auf die Suche nach dem passenden Pflegedienst. „Wir nehmen die Menschen so lange an die Hand, bis es läuft“, sagt Conny Tritschler. Denn dafür sind sie und ihre Kollegin Nadine Pérez da: „Der Pflegestützpunkt hilft bei Fragen rund um Pflege und Versorgung“ heißt es auf dem Flyer. Aber die beiden Mitarbeiterinnen des Stützpunktes machen noch viel mehr: Sie helfen beim Antragstellen, vermitteln Hilfen und überzeugen ihre Klienten zur Not auch, dass sie die Hilfen ruhig annehmen können.

„Und die Zahl der Klienten, die das Rundum-Paket brauchen, nimmt zu“, sagt Nadine Pérez. Die gesellschaftlichen Strukturen hätten sich verändert, wo früher Angehörige oder Nachbarn halfen, ist heute vielleicht niemand mehr in der Nähe. Und es hat sich herumgesprochen, dass es inzwischen eine Institution gibt, die hilft. Seit Juni 2011 gibt es den Pflegestützpunkt, Träger sind die Pflege- und Krankenkassen sowie der Landkreis Limburg-Weilburg. „Wir sind neutral, kostenfrei und mobil“, sagt Tritschler. Und sehr begehrt. Rund 1700 Beratungen haben sie und ihre Kollegin im vergangenen Jahr verzeichnet.

Das Hauptthema sind die Pflegedienste. Insgesamt 43 seien im Landkreis aktiv. „Bislang muss noch niemand ohne Pflegedienst klarkommen“, sagt Nadine Pérez. Aber die Suche werde schwieriger, „das Personal fehlt“, inzwischen gebe es einige Pflegedienste, die keine neuen Klienten mehr annehmen. In Villmar gebe es bereits Versorgungslücken – aber noch könnten sie von Pflegediensten im näheren Umkreis geschlossen werden.

Nur an den hauswirtschaftlichen Hilfen fehlt es schon jetzt. Es gebe einfach zu wenig Unternehmen, die auch mal Mitarbeiter zum Putzen, Kochen oder Einkaufen schicken – denn auch darauf haben Menschen mit einem höheren Pflegegrad einen Anspruch. „Das Geld liegt oft brach“, sagt Tritschler, weil viele Menschen immer noch nicht wissen, dass sie Anspruch auf einen Pflegegrad und die damit verbundenen Leistungen haben, weil sie nicht wissen, wie sie an die Leitungen kommen – und manchmal auch, weil sie sich scheuen, Hilfen anzunehmen.

Genaues Maß finden 

„Viele Menschen wollen am liebsten alles noch alleine machen“, sagt Pérez. Es sei nicht immer leicht, das genaue Maß an Hilfen zu finden. „Es darf nicht zu viel und nicht zu wenig sein.“ Und manchmal falle es auch schwer, jemand Fremden ins Haus zu lassen – womöglich noch den Haustürschlüssel abzugeben. „Da ist dann auch Überzeugungskraft gefragt.“

Denn der Erhalt der Selbstständigkeit solle immer das vorrangige Ziel sein. „Ambulant vor stationär“ ist die Vorgabe. Die Menschen sollten selbstbestimmt und frei sein“, sagt Tritschler. Bis etwas passiert. Und auch dann, wenn noch niemand damit rechnet, dass das unabhängige Leben vorbei sein könnte, sind die Expertinnen des Pflegestützpunktes die richtigen Ansprechpartnerinnen. Sie arbeiten mit den Sozialdiensten der Kliniken zusammen, den Sozialverbänden, den meisten Pflegediensten und Einrichtungen, haben Listen parat und wissen genau, welche Hilfen es gibt. Und was man tun muss, um das zu bekommen, was weiterhilft und einem zusteht.

Conny Tritschler und Nadine Pérez erklären ihren Klienten, was auf sie zukommt, wenn der medizinische Dienst der Krankenkassen kommt, um den Pflegebedarf einzuschätzen. Sie schauen – wenn gewünscht – über die Gutachten des MDK und unterstützen ihre Klienten dabei, wenn sie Widerspruch gegen die Einstufung einlegen wollen – „wenn der Widerspruch begründet ist“. Und sie überlegen, welche Hilfsmittel die Menschen brauchen, „was braucht der Haushalt, um funktionieren zu können?“

Möglichst lange zu Hause 

Meist kommen die Angehörigen zum Pflegestützpunkt, um sich Rat zu holen, manchmal kommen die Pflegebedürftigen selbst. Und manchmal meldet sich der Sozialdienst einer Klinik. Dann fahren Conny Tritschler oder Nadine Pérez raus und bieten ihre Hilfe an – so wie neulich zu dem Ehepaar, das offenbar nicht mehr gut alleine zurechtkam. Jetzt haben beide einen Pflegegrad und Anspruch auf Unterstützung. „Jetzt suchen wir passgenaue Hilfe“, sagt Tritschler. Jemanden, der stundenweise kommt, um zu erledigen, was im Haushalt liegenbleibt, jemanden, der auch mal hilft, die Kompressionsstrümpfe anzuziehen. Jemanden, der die Hilfe genau so anbietet, wie sie gebraucht wird. Damit das Ehepaar es sich nicht wieder anders überlegt. Damit es so lange wie möglich zu Hause bleiben kann.

Und wenn das auch mit Unterstützung nicht mehr funktionieren sollte, können Tritschler und Pérez ebenfalls helfen: Sie kennen die Alten- und Pflegeheime in der Region, schauen auch mal auf das Pflegeportal auf der Internetseite des Landkreises, wo alle freien Heim- und Kurzzeitpflegeplätzen verzeichnet sind. Und sie können den Pflegelotsen bedienen – das Internetportal, mit dem sich die Heime und die Preise vergleichen lassen.

Ein Blick in den Pflegelotsen lohnt sich auf jeden Fall: Da ist zum Beispiel zu sehen, dass die Heimkosten sehr unterschiedlich sein können, um bis zu 1000 Euro, auch wenn die Versorgung und die Lage auf den ersten Blick gleich zu sein scheinen. Aber für die Wahl des passenden Heims haben die beiden Expertinnen noch einen anderen Tipp: Einfach mal hingehen und sich in den Aufenthaltsraum setzen. In der nächsten Folge geht es um die Frage, wie altengerecht unsere Gesellschaft ist.

Mehr erfahren:

Weitere Informationen über die Arbeit des Pflegestützpunkts gibt es bei Conny Tritschler, u (0 64 31) 29 63 75, Nadine Pérez, u (0 64 31) 29 63 76, oder auch per E-Mail an pflegestuetzpunkt@limburg-weilburg.de.

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