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Die Fragen der 50 Anwesenden wurden von Moderator Marten Cornel Fuchs und Judith Breunig gesammelt und beantwortet.

Großpfarrei Heilig Geist

Die Angst vor dem Kontrollverlust

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Wie gestaltet sich das örtliche Gemeindeleben in der künftigen Großpfarrei Heilig Geist Goldener Grund/Lahn? Darum ging es bei einem Treffen in Runkel. Vor allem aus Villmar kamen Bedenken.

Wenn am 9. und 10. November des kommenden Jahres im Bezirk Limburg die Pfarrgemeinderäte neu gewählt werden, haben auch die Katholiken in der Pfarrei neuen Typs Villmar-Brechen die Wahl. Welche Auswirkungen dies für die Gläubigen in den neun bisherigen Ortskirchen hat, erläuterte Judith Breunig vom Bistum Limburg am Mittwochabend im Runkeler Pfarrheim. Dazu eingeladen hatte der Pastoralausschuss.

Pfarrer ohne Vetorecht

Die bisher unabhängigen Kirchorte Runkel, Arfurt, Villmar, Langhecke, Aumenau, Nieder- und Oberbrechen, Werschau und Kirberg gehen am 1. Januar 2019 in der neuen Großpfarrei „Heilig Geist Goldener Grund/Lahn“ auf. Jede bisherige Pfarrgemeinde wird, abhängig von ihrer Größe, ein bis drei Vertreter in den neuen Pfarrgemeinderat entsenden. Dieser wird künftig zusammen mit dem Pfarrer über das gesamte Pfarreigebiet bestimmen. Der Pfarrer habe bei Beschlüssen aber kein Vetorecht, sagte Breunig. Es wird zudem Ortsausschüsse geben, die nicht mehr die Kompetenzen des früheren Pfarrgemeinderats haben, aber weiterhin das örtliche Gemeindeleben nach Absprache mit dem Pfarrgemeinderat mitgestalten können.

Für die Ortsauschüsse gibt es keine Wahlen. Mitmachen kann jeder, der sich meldet. Die Mitgliederlisten müssten nach der ersten Sitzung dem Bistum zur Kenntnis gegeben werden. Sie kenne aber bisher keinen Fall, dass jemandem die Teilnahme verweigert worden sei, versicherte Breunig.

Bis zur Wahl neuer Gremien fungiert der bisherige Pastoralausschuss als Pfarrgemeinderat, die örtlichen Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräte in den Kirchorten bilden die Ortsausschüsse. Der neue Pfarrgemeinderat werde den Ortsausschüssen Orientierung geben, in welchem Rahmen sie sich bewegen könnten, so die Bistumsvertreterin.

Anwesende Mitglieder der örtlichen Gremien machen sich allerdings Sorgen, dass sie die bei Festen und Sammlungen erwirtschafteten Gelder künftig nicht mehr nach eigenem Ermessen ausgeben können und sich der Pfarrgemeinderat negativ in die Gemeindearbeit vor Ort einmischen könnte. Vor allem in Villmar gibt es die Sorge, dass der Pfarrgemeinderat Villmarer Initiativen boykottieren könnte, nachdem es zwischen den Villmarern und den Vertretern anderer Orte in heftige Meinungsverschiedenheiten über die Neustrukturierung gab. Breunig sieht das nicht so negativ. Zwar gebe es keine örtlichen Konten mehr. Doch würden zweckgebundene Spenden für einen Ort nach wie vor auf einem getrennten Konto eingezahlt und für diesen Ort verwendet.

Dr. Bernold Feuerstein aus Villmar meinte, das sei wichtig, denn viele Gemeindemitglieder würden sich lieber hinter die Theke stellen, wenn der Gewinn eines Festes auch an den von ihnen bestimmten Zweck gehe. Es gab Stimmen, die meinten, es werde auf jeden Fall schwerer als bisher an „sein“ Geld zu kommen, wenn man für alles einen Antrag stellen müsse.

„Sie müssen keine Antrag stellen, wenn es nur um den Kauf von ein paar Glühbirnen geht“, versuchte Breunig zu beschwichtigen. Die Bistumsvertreterin glaubt auch nicht, dass jemandem untersagt wird, ein Fest oder einen thematischen Gottesdienst auf die Beine zu stellen. „Der Pfarrgemeinderat kann auch Ehrenamtliche nicht dazu zwingen, ein Fest zu organisieren“, stellte Breunig klar. Der neue Pfarrgemeinderat könne zwar beschließen, einen Gottesdienst zu einem bestimmten Thema zu veranstalten, werde sich aber bestimmt nicht einmischen, wie vor Ort die Tischdekoration eines Festes auszusehen hat.

„Rosinen herauspicken“

Über die Bildung von Ortsausschüssen werde vor Ort entschieden. Wenn es in einem Ort zu wenige Interessenten gebe, sei dieses Gremium aber nicht verpflichtend. Ein Ortsausschuss müsse auch nicht alle Themenfelder abdecken, sondern könne sich die „Rosinen“ herauspicken. Der Vorteil einer Großgemeinde sei, dass nicht mehr jeder Ort alles machen müsse. Der eine könne sich um Jugend-, der andere um Seniorenarbeit kümmern, je nach örtlicher Altersstruktur.

Wichtig sei, dass in der neuen Pfarrei insgesamt alle Themen „von der Wiege bis zur Bahre“ abgedeckt sind. Die Neuorganisation habe auch den Vorteil, dass das Pfarrbüro regelmäßiger besetzt sei und der Pfarrer, von Verwaltungsaufgaben entlastet, sich wieder mehr um die Seelsorge kümmern könne.

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