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Gastronomie bangt vor einem erneuten Lockdown

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Von: Rolf Goeckel, Tobias Ketter, Mariam Nasiripour

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Fitnessstudios und Gastronomen zittern vor einem erneuten Lockdown.
Fitnessstudios und Gastronomen zittern vor einem erneuten Lockdown. © Friso Gentsch/dpa (Symbolbild)

Fitnessstudios und Gastronomen zittern vor einem erneuten Lockdown.Die betroffenen Branchen hoffen, dass aktuelle Regeln beibehalten werden.

Limburg-Weilburg – Große Sorge vor einem weiteren Lockdown: Vor der Bund-Länder-Runde zur Corona-Lage am heutigen Donnerstag haben wir bei Handel, Gastronomie und Fitnessstudios im Landkreis Limburg-Weilburg nachgefragte, wie derzeit die Stimmung ist und welche Sorgen sie wegen der steigenden Inzidenzen auch in der Region haben.

"Ein neuer Lockdown wäre für den Handel eine Katastrophe", sagt der Vorsitzende des Limburger City Rings Horst O. Hoppe mit Blick auf die erzwungenen Geschäftsschließungen kurz vor Weihnachten 2020. "Damals sind uns 70 Prozent der Umsätze weggebrochen, das konnten wir auch nicht wieder aufholen." Hoppe rechnet allerdings nicht damit, dass die künftige Bundesregierung oder die Ministerpräsidentenkonferenz einen erneuten Lockdown beschließen wird. Ungeimpfte müssten nach seiner Einschätzung allerdings mit weiteren Einschränkungen rechnen.

Die derzeitigen Regelungen für den Handel seien gut umsetzbar, so dass sich das Geschäft in den vergangenen Monaten deutlich erholt habe. "Die Gastronomie hat sich gut entwickelt, der Handel hinkt noch etwas hinterher", lautet die Beobachtung des City Ring-Vorsitzenden. Geschäftsschließungen habe es infolge der Pandemie erfreulicherweise nicht gegeben. Während die kleineren Geschäfte in der Altstadt vom wieder anziehenden Tourismus profitieren konnten, stünden auch die Filialen beispielsweise in der WERKStadt wirtschaftlich inzwischen insgesamt gut da.

Gastronomie zittert vor Lockdown: langsame Erholung von Corona und gedrückte Stimmung

Die Stimmung in der Gastronomie sei gedrückt, sagt Armin Güth, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Limburg. Das schlage sich auch in den Gästezahlen nieder. Schuld daran seien die hohen Inzidenzen und die Unsicherheit in der Bevölkerung. Aber auch die 3 G+-Regel sei für den Rückgang der Gästezahlen verantwortlich, so Güth. An die 2 G-Regel hätten sich die Menschen bereits gewöhnt.

Aber die 3 G+-Regel führe zu Schwierigkeiten. "Wenn in einer Gruppe zwei Personen nicht geimpft sind und sie dann einen teuren PCR-Test benötigen, um essen gehen zu können, dann überlegt es sich die Gruppe, ob sie ins Restaurant geht oder nicht", berichtet Güth von aktuellen Erfahrungen in seiner Branche.

Man habe zwar damit gerechnet, dass die Inzidenz im Winter steigen werde, aber dass sie so früh so hoch ausschlägt, hätte niemand erwartet. In den Städten, wo die Menschen das Shoppen oder die Freizeitgestaltung mit einem Restaurantbesuch verbinden, sehe es gut aus. Auf dem Land biete sich aber ein ganz anders Bild.

Weihnachtsfeiern auf der Kippe: In der Gastronomie feiern wird zum Corona-Problem

Er habe von Kollegen gehört, die bereits jetzt mit Absagen von Weihnachtsfeiern zu kämpfen hätten, sagt Güth. In vielen Firmen sei eine erhebliche Zahl der Mitarbeiter nicht geimpft, also verlegen sie ihre Weihnachtsfeier in andere Räumlichkeiten und wollen dann nur das Catering des Lokals buchen. Aber es gebe gastronomische Betriebe, die für ein Catering nicht ausgestattet seien und deswegen den Auftrag an einen Kollegen verlieren. Andere Firmen würden die Zahl der Mitarbeiter, die zur Weihnachtsfeier geladen waren, reduzieren, weil einige Mitarbeiter eben nicht geimpft seien.

Die Lösung wäre, so Armin Güth, dass auch die geforderten PCR-Tests kostenfrei zur Verfügung stehen. Das sei die beste Lösung, zumindest für die Gastronomie, die wieder zu kämpfen habe. Zusätzlich wünscht sich der heimische Dehoga-Vorsitzende eine hohe Impfquote, um dem Virus Herr zu werden. Er verstehe es, dass sich manche Menschen nicht impfen lassen möchten, aber die Impfung sei der Weg raus aus den Einschränkungen. Güth hofft auch darauf, dass die geschäftsführende Regierung und die zukünftige Ampelkoalition ihr Versprechen einhalten und keinen Lockdown verhängen werden.

Ein erneuter Corona-Lockdown wäre für Fitnessstudios ein "Totalschaden"

Im Limburger Fitnessstudio "Fit Seven Eleven" gilt derzeit die 3 G+-Regel. Geimpfte und genese Sportler sowie ungeimpfte Personen mit einem negativen PCR-Test dürfen dort trainieren. "Die Regel ist angemessen, wobei durchaus auch die Anwendung der 2 G-Regel sinnvoll wäre, da sowieso niemand Geld für einen PCR-Test ausgibt, um ins Fitnessstudio gehen zu dürfen", teilt die Verwaltung von "Fit Seven Eleven" mit. Ein weiterer Lockdown würde für das Studio einen "Totalschaden" bedeuten. Die Verantwortlichen hoffen deshalb, dass die aktuellen Verordnungen über den Winter hinweg beibehalten werden. Die Hoffnung auf einen milderen Pandemie-Verlauf im kommenden Jahr sei groß.

Den Angaben der Verwaltung zufolge werde das Limburger Fitnessstudio aktuell gut besucht. "Die Kursangebote werden zwar weniger oft in Anspruch genommen, aber dafür nutzen die Gäste oft alleine oder zu zweit unsere Geräte."

Auch im Studio "Fit & Fun Folda" in Niederselters gilt die 3 G+-Regel. "Beim Umherlaufen müssen Schutzmasken getragen werden. An den Geräten können die Sportler diese aber abnehmen", sagt Geschäftsführer Benedikt Folda. Auch er hält die Regelung für notwendig und sinnvoll. Ein weiterer Lockdown sei zwar nicht existenzbedrohend, aber sicher nicht die richtige Maßnahme. "Ich kann mir kaum vorstellen, dass es zur erneuten Schließung kommen wird". Die Nachfrage sei weiterhin hoch. Dies liege laut Folda auch daran, dass die Menschen mittlerweile verstanden haben, dass Sport dem Immunsystem zugute komme und so Infektionsgefahren generell geringer seien. "Wir haben glücklicherweise wenige Kunden in der Pandemie-Zeit verloren", sagt er. (Rolf Goeckel/ Tobias Ketter/ Mariam Nasiripour)

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