+
Gestapelte Baumstämme finden sich im gesamten Waldgebiet auf dem Mensfelder Kopf. Foto: Tobias Ketter

Mensfelder Kopf

Anwohner kritisieren Abholzung - Bürgermeisterin weist Vorwürfe zurück

Bei den Baumfällungen auf dem Mensfelder Kopf gehen die Meinungen auseinander: Während Anwohner sich die Haare raufen, verteidigen Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer und der Revierförster die Maßnahme.

Mensfelden - Besucher des Mensfelder Kopfs können derzeit viele gefällte Bäume am Straßenrand entdecken. Bis zu 20 Meter lange Stämme liegen im gesamten Waldgebiet an den Wegen, die zu dem beliebten Ausflugsort führen. Einzelne Bürger der Gemeinde sind deshalb sehr verärgert: Laut den Anwohnern habe man unverhältnismäßig viele Bäume gefällt. Die großen Exemplare seien komplett gesund gewesen. Windbruch habe es nicht gegeben. Aufgrund der Baumfällarbeiten finde man nun sehr große Schneisen in dem Mensfelder Wald. "Es sieht aus wie nach einem Bombenangriff. Die Maschinen, die eingesetzt wurden, waren zu groß. Alles wurde zerstört", sagt ein wütender Bürger des Dorfes. Bereits im vergangenen Jahr habe es großflächige Abholzungen gegeben. Die dadurch entstandenen Flurschäden seien bis heute nicht beseitigt worden. Die Anwohner werfen den Gemeindevertretern vor, dass die Fremdfirmen, die die Bäume abholzen, nicht kontrolliert wurden. Deshalb könne man nun erhebliche Schäden erkennen, die nicht mehr zu reparieren seien.

Nachhaltig bewirtschaftet

Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer (parteilos) und der ansässige Revierförster verteidigen die Maßnahmen im Mensfelder Wald: Alle Standards des Zertifizierungssystems für nachhaltige Waldbewirtschaftung (PEFC) seien eingehalten worden. Auch die Anweisungen von Hessen-Forst zu den mechanisierten Betriebsarbeiten habe man beachtet. Die Naturschutzrichtlinien seien nicht verletzt worden. Die Gemeinde habe unter anderem darauf geachtet, dass die Baumfällarbeiten nicht während der Brutzeiten von Vögeln durchgeführt wurden. "Die Pflegemaßnahmen finden sich in der zehnjährigen Forsteinrichtungsplanung für den Gemeindewald Hünfelden. Die Maßnahmen sind auch im Wirtschaftsplan 2019 abgebildet und wurden von der Gemeindevertretung genehmigt", erklärt die Bürgermeisterin.

Laut Scheu-Menzer haben die Arbeiten auf dem Mensfelder Kopf einen wichtigen Nutzen, denn durch die Abholzungen fördere man sehr gut veranlagte Eichen mit Wertholzgarantie. Der Kronenausbau dieser Bäume könne durch die Maßnahmen garantiert werden. Um die Kronen dieser Eichen nicht zu gefährden, sei es nötig gewesen, die Bäume in der unmittelbaren Umgebung zu beseitigen.

Auch die großen Schneisen, die in den Wald geschlagen wurden, seien sinnvoll. Man benötige die sogenannten Rückegassen, um die Minimierung von Bodenschäden zu garantieren. Außerdem seien die Holzerntearbeiten mehrfach unterbrochen worden, um die Rückgassen zu schonen. Der gesamte Mensfelder Wald sei mit diesen Gassen durchzogen. "Das entspricht guter forstlicher Praxis und wird in allen Bundesländern und von allen Zertifizierungssystemen so gefordert", erklärt die Bürgermeisterin.

30 Festmeter je Hektar

"Die Eingriffsstärke bewegt sich mit etwa 30 Festmeter je Hektar im Rahmen aller Planungen und ist als sehr angemessen zu bezeichnen", berichtet Scheu-Menzer. Die Arbeiten in dem Waldstück seien von eigenem Personal sowie von dem Unternehmen "Schmidt - Landwirtschaft, Forst, Garten" und der "Firma Hölper" aus Bad Camberg durchgeführt worden. "Das Stammholz wurde ausschließlich an Firmen in Deutschland verkauft. Sämtliches Kronenholz geht an die einheimischen Kunden, welche ihre Bestellungen bei der Gemeinde im Herbst 2018 abgegeben haben" sagt die Bürgermeisterin.

VON TOBIAS KETTER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare