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"Auch in Bethlehem wurde viel improvisiert"

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Abstand halten und Maske tragen: Auch Gottesdienste wie hier im Limburger Dom bleiben derzeit von den Corona-Regelungen der Länder nicht unberührt.
Abstand halten und Maske tragen: Auch Gottesdienste wie hier im Limburger Dom bleiben derzeit von den Corona-Regelungen der Länder nicht unberührt. © Anette in Concas

Was im Bistum Limburg in den Kirchen unter Corona erlaubt ist und was nicht.

Seit dem 4. Dezember gelten in Hessen und Rheinland-Pfalz neue Corona-Regeln. Sie betreffen auch das kirchliche Leben im Bistum Limburg und stiften bei nicht wenigen Gläubigen Verwirrung. Im Interview erklärt Domkapitular Georg Franz die neuen Regelungen. Er ist Personaldezernent und leitet seit Beginn der Pandemie den Arbeitsstab Corona im Bistum Limburg.

Herr Franz, was müssen Gläubige tun, wenn Sie einen Gottesdienst oder eine kirchliche Veranstaltung besuchen wollen?

Gottesdiensten gilt im Bistum Limburg flächendeckend die sogenannte 3 G-Regelung. Beim Besuch eines Gottesdienstes muss also ein Impfnachweis, ein gültiger Genesenennachweis oder ein Testnachweis, der nicht älter als 24 Stunden sein darf, vorgelegt werden. Gerade das Vorlegen eines Testnachweises mag eine gewisse Hürde darstellen. Es ist aber angesichts der aktuellen pandemischen Lage zumutbar. Es gibt allen Besucherinnen und Besuchern von Gottesdiensten eine erhöhte Sicherheit. Damit sind die Bedingungen für Gottesdienste übrigens nach wie vor nicht so einschränkend wie für allgemeine Veranstaltungen im öffentlichen Leben.

Wie sieht es bei Kindern und Jugendlichen aus?

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren können ohne Nachweis am Gottesdienst teilnehmen, da sie entweder schon geimpft oder über die regelmäßige Schultestung getestet sind. Für allgemeine kirchliche Veranstaltungen gilt die 2 G-Regel. Teilnehmen können demnach nur Geimpfte und Genesene.

Müssen sich die Gläubigen für den Gottesdienst anmelden und müssen die Kontaktdaten erfasst werden?

Die Pflicht zur Erfassung von Kontaktdaten zu einer eventuellen Nachverfolgung besteht nur in Rheinland-Pfalz. In der Regel - und insbesondere auf Weihnachten hin - gibt es in den Pfarreien ein Anmeldeverfahren für die einzelnen Gottesdienste. Lediglich bei Gottesdiensten an Werktagen wird auf eine vorherige Anmeldung verzichtet. Dafür erkundigt man sich am besten in der jeweiligen Pfarrei beziehungsweise auf deren Homepage.

Welche Möglichkeiten gibt es für Menschen, die nicht geimpft, genesen oder getestet sind, an Gottesdiensten teilzunehmen?

Wer nicht nachweisen kann oder will, dass er genesen, geimpft oder getestet ist, den verweisen wir auf ein Mitfeiern von Fernseh- oder Streaminggottesdiensten. Das Bistum bietet seit Beginn der Pandemie an jedem Sonntag und an Feiertagen einen Gottesdienst an, der live auf Youtube und Facebook gestreamt wird. Das Angebot wird sehr gut wahrgenommen. Am Heiligen Abend wird Bischof Georg um 17 Uhr eine Christmette für die Community, die sich mit der Zeit gebildet hat, feiern.

Wie werden die Regelungen in den Pfarreien überprüft?

Die Pfarreien müssen, wie auch sonst derzeit im öffentlichen Leben, vor dem Betreten der Kirche prüfen, ob 3 G erfüllt wird. Es braucht hier Geduld und das Verständnis der Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher. In den Pfarreien gibt es viele ehrenamtliche Ordnerinnen und Ordner, die seit langem diesen Dienst leisten. Ohne diese Ordnerdienste kann im Zweifelsfall kein Gottesdienst gefeiert werden.

Darf in Gottesdiensten gesungen werden?

In den Kirchen gilt Maskenpflicht und Abstandsgebot. Es darf gesungen werden. Bei der musikalischen Gestaltung eines Gottesdienstes ist darauf zu achten, den Gemeindegesang nicht zu sehr auszuweiten. Drei Strophen "Stille Nacht" sind aber schon möglich.

Müssen in der Kirche Masken getragen werden? Was ist mit den Kindern?

Kinder unter sechs Jahren brauchen in Gottesdiensten keine Maske zu tragen. Für alle anderen gilt durchgängig die Maskenpflicht. Lediglich die, die in der Liturgie eine Aufgabe haben, nehmen für die Ausübung ihres Dienstes die Maske ab, zum Beispiel, wenn eine Lektorin aus der Bibel vorliest oder ein Kantor vorsingt.

Wie wird Weihnachten in diesem Jahr im Bistum Limburg gefeiert? Wie bereiten sich die vielen Pfarreien des Bistums darauf vor?

Weihnachten wird gefeiert und findet statt. Das ist wichtig. Sicher müssen wir uns alle mit den derzeitigen Gegebenheiten arrangieren. Aber auch das lässt uns Weihnachten auf verschiedene Weise feiern. Für die Pfarreien ist es derzeit nicht leicht, die passendsten Formen zu finden und anzubieten. Abstand muss immer eingehalten werden. Davon gibt es keine Ausnahme. Insofern erhöhen manche Pfarreien die Anzahl der Gottesdienste; andere werden kürzere Gottesdienste im Freien anbieten. Ein Stück Improvisation gehört auch dazu. Aber da sind wir letztlich schon bei der Krippe in Bethlehem: Da wurde auch ziemlich viel improvisiert - und es ging. Es kommt darauf an, was wir alle selbst daraus machen.

Gemeinden entscheiden

über 2 G oder 3 G

Für die evangelischen Gemeinden in den Dekanaten Runkel und Weilburg gelten natürlich auch die Vorgaben des Landes Hessen. Dazu kommen die Empfehlungen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Die Gemeinden können dabei selbst entscheiden, ob sie auf 2 G oder 3 G setzen. Zuständig sind dafür die jeweiligen Kirchenvorstände. In den Gottesdiensten sollten zudem generell von den Besucherinnen und Besuchern medizinische Masken getragen und Sicherheitsabstände eingehalten werden, so der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung. "Wir hoffen sehr, dass mit diesen Regelungen auch die Weihnachtsgottesdienste gefeiert werden können. Auch darauf bereiten sich die Gemeinden mit ihren Hygienekonzepten vor. Aber alle wissen auch, dass die Pandemie möglicherweise weitere Einschränkungen nötig machen kann", erklärt Jung. Deshalb werden vielerorts auch andere Formate vorbereitet. Viele seien in der Lage, auch zum Beispiel die digitalen Möglichkeiten zu nutzen und Gottesdienste auch ins Netz zu übertragen. Zugleich kündigt der Kirchenpräsident an, dass die evangelische Kirche wie schon im ergangenen Jahr wieder spezielle Materialien anbieten werde, die genutzt werden können, um "Weihnachten im kleinen Kreis zu Hause zu feiern". red

Domkapitular Georg Franz
Domkapitular Georg Franz © Bistum Limburg

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