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Auf sicheren Wegen unterwegs

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Von: Mathias Geiss

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Die Teilnehmer der ersten Fahrt nach der Freischaltung des "Schülerradroutenplaners" vor der Taunusschule. Deren Teilnehmer sind am blauen Trikot zu erkennen. Bürgermeister, Landrat und Beteiligte stehen dahinter.
Die Teilnehmer der ersten Fahrt nach der Freischaltung des "Schülerradroutenplaners" vor der Taunusschule. Deren Teilnehmer sind am blauen Trikot zu erkennen. Bürgermeister, Landrat und Beteiligte stehen dahinter. © mg

Schülerradroutenplaner freigeschaltet

Limburg-Weilburg -Auf 10 bis 15 Prozent schätzt der Stellvertretende Schulleiter Heiko Last den Anteil der Schüler, die allmorgendlich mit dem Fahrrad nach Bad Camberg in die Taunusschule fahren. Keine Frage, da ist noch Luft nach oben. Dabei sind die Voraussetzungen in der Schule mit gymnasialer Oberstufe eigentlich recht gut. Zwar moniert Last - zu Recht - die in die Jahre gekommenen Fahrradständer, "Vorderrad-Klemmen", sagt er. Da passen schon nicht mehr alle Reifengrößen rein, und manche Felge musste schon darunter leiden.

Aber dennoch: Die Voraussetzungen für Radler sind wie gesagt dort ziemlich günstig. "Wir sind eine ,Bike-School'", erzählt Schulleiter Frank Wellstein. Es gibt eine Fahrradwerkstatt und sogar Ersatzfahrräder für den Notfall. Das sollen sogar noch mehr werden, doch derzeit haben die Fahrrad-Hersteller coronabedingt noch Lieferschwierigkeiten. Dennoch sind sich die Beiden einig: Das kann mit dem Anteil der Radler noch besser werden. "Über das Mobilitätsmanagement unterhalten wir uns ganz oft", sagt Wellstein.

Ein kleiner Baustein, damit es besser wird, wurde jetzt realisiert - und der betrifft nicht nur die Taunusschule, sondern den ganzen Landkreis. Der Schülerradroutenplaner wurde offiziell von Landrat Michael Köberle (CDU) und Dr. Klaus Dapp, Referatsleiter Nahmobilität im zuständigen Hessischen Ministerium, sowie Projektpartnern freigeschaltet.

Die Handhabung ist ganz einfach - vergleichbar mit herkömmlichen Routenplanern. Man geht auf www.schuelerradrouten.de, gibt Startadresse und Schule ein und bekommt die beste Strecke angezeigt - mit Zeit, Kilometern und auch Höhenunterschieden, was ja im Landkreis Limburg-Weilburg nicht ganz unwichtig ist.

Ganz vorne dran ist der Landkreis hessenweit allerdings nicht. Seit 2018 wurden die Routenplaner in den Kreisen eingeführt - als kostenloses Geschenk des Landes. Limburg-Weilburg kam als 13. an die Reihe, die Nachbarkreise wie Rheingau-Taunus, Lahn-Dill oder auch Main-Taunus waren schon dran.

Weg von den

"Eltern-Taxis"

Der Unterschied zu den üblichen Routenplanern ist ganz einfach und sinnvoll: Die Strecken wurden von den Experten vorher abgefahren und nach unsicheren Stellen untersucht. "Aufmerksamkeitspunkte" nennt man das. Da ist dann schon mal kleiner Umweg drin, damit die Kinder und Jugendlichen auch ungefährdet zur Schule kommen. "Das sind Routen, die auch sicher sind", sagt Köberle. Denn was nicht unwichtig ist: Man müsse auch die Eltern überzeugen, dass ihre Sprösslinge sicher unterwegs sind, um wegzukommen von den "Eltern-Taxis", sagt Heiko Last. "Wir schaffen damit eine gute Grundlage für mehr Vertrauen in das Fahrrad als Verkehrsmittel zur Schule - auch auf Elternseite", sagt denn auch Heike Mühlhans, Geschäftsführerin der "ivm", das ist das mit dem Projekt betraute "Integrierte Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt Rhein-Main.

Und Bad Cambergs Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) fügt einen wichtigen Punkt hinzu: "Was man in jungen Jahren nicht lernt, macht man als Erwachsener auch nicht mehr." Radfahren diene der Umwelt und entspanne die Verkehrssituation. Auch er sei zu Terminen in der Stadt meist mit dem Rad unterwegs. Dass das oft viel schneller ist, musste Hünfeldens Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer bei dem Pressetermin am eigenen Leib erfahren. Als nämlich ein etwa sieben Kilometer langer Abschnitt testweise von den Beteiligten mit dem Rad zurückgelegt wurde, war sie nach gerade überstandener Corona-Infektionen nicht mit den Rad dabei. Sie kam mit dem Auto am ersten Streckenpunkt deutlich später als die Radfahrer an.

Die Routenvorschläge wurden in Beiräten mit Vertretern von Schulen, Politik, Verwaltung und Polizei abgestimmt. Und ganz wichtig: Sie sind nicht statisch. Wenn sich irgendwo eine bessere Wegstrecke auftut, kann sie eine andere ersetzen. Hessenweit sind so derzeit etwa insgesamt 7800 Kilometer an Routen eingezeichnet, im Landkreis Limburg-Weilburg sind es nach Angaben von Michelle Ries, zuständige Projektleiterin des beauftragten Fachbüros "Sweco", knapp 500 Kilometer für die Standorte der 18 weiterführenden Schulen. Es gab auch vertiefende Projekttage mit den Betroffenen: "Wir haben diejenigen eingebunden, die die Wege und den Routenplaner benutzen", so Köberle. Es sei gerade in seinem Landkreis aber nicht immer einfach gewesen, die passenden Routen zu finden.

Mit einfachen Mitteln etwas verändern

Ein bisschen Fingerzeig für die Kommunen soll der Routenplaner allerdings auch sein. Denn die Strecken führen auch auf Straßen, wo mit einfachen Mitteln etwas getan werden könnte. Hier ein Streifen für die Radfahrer, da vielleicht ein störender Stellplatz weg. Das könnte schon helfen. mathias geiss

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