Anne Zegelman stellte ihren Roman ?glueckskind? in der Bücherei in Niederbrechen vor. Die musikalische Begleitung übernahm Michael Forst.
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Anne Zegelman stellte ihren Roman ?glueckskind? in der Bücherei in Niederbrechen vor. Die musikalische Begleitung übernahm Michael Forst.

Niederbrechener Bücherei

Autorin Anne Zegelman schildert in ihrem Roman das Leben dreier Generationen

Eine literarische Rundreise über drei Generationen einer Familie, von den 50er Jahren bis heute, war in der Niederbrechener Bücherei zu erleben. Dort las die Autorin Anne Zegelman aus ihrem Roman „glueckskind“ vor.

Martha, Tessa, Marie und die wilden Kerle. Drei Generationen, drei Frauen und ein Männergeschmack? Es waren die amourösen Momente, die Augenblicke, wo es funkt und knistert, die Anne Zegelman für ihren Auftritt in der Katholischen Bücherei in Niederbrechen ausgewählt hatte. Als ehemalige Mitarbeiterin dieser Zeitung ist ihr Brechen ein Begriff. Für die musikalische Begleitung sorgte mit Michael Forst ein weiterer Kollege.

Groß war die Neugierde auf das „glueckskind“ genannte Buch. Die Schreibweise mit „ue“ war kein Rechtschreibfehler, sondern Absicht: „Ich hatte eine amerikanische Schriftart ausgewählt, da gab es schlicht kein ü“, erklärte die Autorin die ungewöhnliche Wahl. Als Bonus hebt sich der Titel nun von allen den anderen „Glückskindern“ ab. Denn so heißen nicht gerade wenige Romane. Jedenfalls wurde das „glueckskind“ in Niederbrechen mit offenen Armen empfangen, ständig schleppten Freiwillige weitere Stühle heran. Vor allem Frauen hatten den Weg in die Bücherei gefunden. „Man sagt auch, dass mein Buch ein Frauenbuch ist“, kommentierte die Autorin mit einem wissenden Lächeln die Zusammensetzung des Publikums.

Ernste Gesichter, schweißnasse Teilnehmer und scheuernde Schuhe: Mit einer sehr plastisch geschilderten Fronleichnamsprozession in einem kleinen Dorf der fünfziger Jahre begann die Lesung. Die Schilderung war so detailgetreu, dass eine ältere Zuschauerin erstaunt nachfragte: „Sie können da selbst noch nicht dabei gewesen sein, oder?“ Was ein Kompliment war, denn offensichtlich hatte das sehr katholische Niederbrechen früher ähnliche Prozessionen erlebt.

Ob aber, wie im Roman, jemals ein Zuschauer dort auf die Idee gekommen war, die Prozession durch das plötzliche Ausrollen einer tschechischen Nationalflagge zu stoppen, ist nicht bekannt. Unten auf der Straße schaute die junge Martha nach oben und entdeckte Jakob, den ersten „wilden Kerl“ der Lesung. In bester Rebellenpose stand er oben im Fenster und rauchte. In dem Moment war es um sie geschehen, aber das Eheglück währte nicht lange. Was mit der Geburt der Tochter Theresa zusammenhing. Denn Martha ging in der Mutterrolle voll auf, für Sex fehlte ihr die Lust. Nach ein paar erfolglosen Versuchen wandte sich Jakob der käuflichen Liebe zu. Gewalt, Alkoholismus und getrennte Betten folgten. Nach außen hin wahrten die beiden aber den Schein und gingen sonntags händchenhaltend zur Kirche.

„Was macht für sie als Journalistin den Reiz des Romanschreibens aus?“, wollte eine Teilnehmer wissen. Es sei die Freiheit, Grenzen hinter sich zu lassen, antwortete Anne Zegelman sinngemäß. Und es ist wahrscheinlich dieser Drang nach (kreativer) Freiheit, den die Autorin mit ihren Romanfiguren teilt. Theresa lebt diesen Freiheitsdrang am radikalsten aus, verlässt mit 18 das Elternhaus für eine Kommune und hat dort eine kurze Liebelei mit dem gutaussehenden Michel, in den sie sich auf der Stelle verliebt. Schließlich trampt sie zehn Jahre als Hippie durch die Welt. Eine Reise, die über Drogenkonsum bis hin zu wahllosem Sex alle Klischees bedient. So weiß Theresas Tochter, Marie, nicht, wer ihr Vater ist. „Wahrscheinlich wusste meine Mutter es selbst nicht“, vermutet sie. Und auch sie erlebt mit dem Amerikaner Jonah ihre stürmische Romanze.

„Wie es nun weitergeht und was es mit dem Namen ’glueckskind’ auf sich hat, dazu müsst Ihr das Buch lesen“, hieß es schließlich zum Schluss des Auftritts. Ein Erlebnis, das Michael Forst mit seinen selbst geschriebenen Liedern passend abgerundet hatte.

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