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200 kreative Kinder zeigen, was sie können

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Von: Petra Hackert

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In Windeseile entstehen die bunten Hütten auf dem Gelände der Pfortenwiesen.
In Windeseile entstehen die bunten Hütten auf dem Gelände der Pfortenwiesen. © Petra Hackert

Nach zwei Jahren Corona-Pause gibt es wieder die Ferienspiele auf den Pfortenwiesen, auch 20 Jungen und Mädchen aus der Ukraine sind dabei.

Bad Camberg -Die Normalität ist wieder zurück. Bei den Bad Camberger Ferienspielen auf den Pfortenwiesen scheint das gerade so. Mehr als 200 Kinder von sechs bis zehn Jahren sind bei der Sache. Schon am Eingang ist das rhythmische Klopfen zu hören, das signalisiert: Sie bauen ihre Hütten. Die entstehen in Windeseile, werden bunt bemalt und ständig mit etwas Neuem bereichert. Eine gute Idee hatten zum Beispiel die Neunjährigen: "Wir bauen eine Bank dazu", berichtet Lena. Das findet sie richtig gut. Weil sie nicht zum ersten Mal bei den Bad Camberger Ferienspielen ist, hat sie ihren Schulkameradinnen Sara und Lara so viel davon erzählt, dass sich die beiden schon jetzt auf Dinge freuen, die sie erleben werden.

Die drei gehören zum Feuerteam - den Gruppennamen haben sie sich ausgesucht. Und was ist bei den Ferienspielen so gut? "Das Singen am Morgen und am Abend", meint Sara. Die große Runde im Zirkuszelt hat sie beeindruckt. Das Zelt hat das DRK vor einigen Jahren angeschafft. Das Beste daran: Es ist eine Überdachung, die vor Sonne und Hitze schützt, aber auch für eine gemütlich-heimelige Atmosphäre sorgt, sei es bei den Spielen oder den gemeinsamen Runden.

Fast immer hat Volker Mors die Atzel dabei. Während der Ferienspiele scheint die Puppe mit seiner Hand verwachsen. Manche Kinder sprechen sogar direkt die Atzel an, wenn sie etwas fragen wollen. Elster, so nennen Nicht-Camberger diesen Vogel, und die Legende kennt in der Kurstadt jedes Kind (wofür natürlich auch die Ferienspiele sorgen). Die Atzeln machten Krach im Gebück (Gebüsch), als die Walsdorfer Raubritter die Camberger im Mittelalter überfallen wollten. Die schlafenden Wächter erwachten, die Stadt war gerettet.

Corona-Pause hat für Einschnitte gesorgt

Hellwach sind die Kinder auf dem Ferienspielgelände jetzt jeden Tag. Und sehr aufmerksam. Denn auch wenn alles scheint wie gewohnt: Einiges hat das Coronavirus schon verändert. "Uns fehlen zwei Betreuerjahre", sagt Volker Mors, der gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Peter und Ben (Ben'tagon) Schmidt die Lagerleitung innehat. Die drei machen das schon seit Jahren und erleben, wie jugendliche Betreuer heranreifen, ihre eigene Ferienspielzeit verlängern und wieder einsteigen. Oft für zwei, drei Jahre. So arbeitet man Hand in Hand.

Die zwei Jahre Coronapause haben hier für einen Einschnitt gesorgt, der sich bei der Arbeit bemerkbar macht. Die drei rotieren gerade, und nicht nur sie. Aktuell gibt es 36 Betreuer, also zum Glück nach wie vor eine hohe Zahl.

Etwas verändert hat sich das Verhalten der Kinder. "Sie sagen immer Bescheid, wenn keine Seife mehr da ist", erzählt Peter Mors. Sie haben gelernt, wie wichtig die Hygiene ist. Eine neue Routine im Leben. Doch beim Hämmern, Sägen, Zusammenbauen arbeiten sie ganz unbeschwert und fühlen sich gut beschützt. Raphael (9) erklärt das so: "Wir haben hier ein Sani-Zelt. Wenn etwas ist, können wir da hin." Mit Enthusiasmus ist er beim Hüttenbauen. "Ich finde es cool, dass man da noch richtig arbeitet und nicht so viele Maschinen hat. Wir nehmen keine Bohrmaschine, sondern den Hammer", erklärt er. "Und wir machen eigene Erfindungen", ergänzt Lena. Wie die eigene Bank, die sie so bauen, wie sie sich das vorstellen.

Routinen sind wichtig, und Essen schmeckt

Wichtig sind die Routinen. Dazu gehören nicht nur die großen Runden mit dem gemeinsamen Singen am Morgen und am Abend, sondern auch das Essen. Das siebenköpfige Küchenteam hat sich neu aufgestellt. Konsumentin Lena erzählt: "Es gibt so lustige Namen für das Essen wie ,Quer durch die Manege' oder ,Sonne und Wolken' für den Nachtisch." Den lieben alle Kinder, und so bildet sich sofort eine Schlange, als Volker Mors über das "Blauwagen-Mikrofon" (der blaue Bauwagen ist die Nachrichten- und Orga-Zentrale) an die Teamleiter appelliert, auch die restlichen noch fehlenden Kinder in Listen einzutragen. "Wer nicht drin steht, bekommt keinen Nachtisch." Das ist eine harte Drohung. Aber: "Natürlich haben wir für alle etwas", schmunzelt er.

Das gemeinsame Tun ist auch eine gute Gelegenheit für 20 Jungen und Mädchen aus der Ukraine, Kontakte zu Knüpfen. Beim Spielen, Bauen, Essen, Ideen entwickeln, geht das ganz unbeschwert. "Sie sind über den Helferkreis zu uns gekommen", sagt Volker Mors. Auch das ist gut organisiert. "Es gibt sogar einen Betreuer, der Russisch spricht." Das hilft. Niemand wird alleine gelassen. Sein Bruder Peter ergänzt: "Die Zusammenarbeit ist angenehm. Die Eltern sind so dankbar, die Kinder fügen sich ganz schnell ein." Und nicht nur das. Viele von ihnen können endlich wieder mal entspannt und befreit auflachen, weil Ferien sind und sie die gemeinsame Zeit mit den anderen Kindern genießen.

Was sie alles gelernt und gebaut haben, das werden die Kinder übrigens beim großen Abschlussfest am Freitag, 5. August, ab 16 Uhr auf den Pfortenwiesen präsentieren. Danach ist eine Party mit Dia-Show angesagt. Der Elterntag an diesem Tag beginnt bereits um 14 Uhr.

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