Madita, Malina, Elisa und Thea (von links) drehen am Barren, was das Zeug hält.
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Madita, Malina, Elisa und Thea (von links) drehen am Barren, was das Zeug hält.

Tagesausflüge statt stationäres Programm

50 Kinder fliegen aus - jeden Tag

  • Petra Hackert
    VonPetra Hackert
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Diese Bad Camberger Ferienspiele sind ganz anders. Aber nicht minder abenteuerlich, meinen die Jungen und Mädchen.

Bad Camberg -Mehr als 200 Kinder auf den Pfortenwiesen, die hämmern, sägen, Hütten bauen - das ist normalerweise der zentrale Eindruck bei den Bad Camberger Ferienspielen. Diesmal nicht. Leitungsteam und Betreuer der Aktion des Jugendrotkreuz für alle Erst- bis Viertklässler hatten sich wochenlang Gedanken gemacht. Nachdem das gesamte Programm im vergangenen Jahr der Pandemie zum Opfer gefallen war, stand schnell fest: Noch ein Sommer ohne Ferienspiele, das geht gar nicht. Sie fanden eine Lösung: Die Kinder fliegen aus. Jeden Tag sind sie mit ihrem Ferienprogramm an einem anderen Ort. Diesmal nur montags bis freitags innerhalb zweier Wochen. Einen großen Elterntag gibt es nicht. Dafür jede Menge neue Eindrücke und viele gehobenen Daumen, wenn man die Kinder fragt, wie ihnen das gefällt.

Das sagen die Kinder

zum neuen Programm

"Die Ferienspiele sind top", sagt Marlon (9). Er freut sich riesig auf die Wasser-Achterbahn im Fort Fun. Die Karl-May-Festspiele in Elspe haben Emilia (9) beeindruckt. Außerdem macht es ihr die größte Freude, "dass wir mit so vielen Kindern etwas unternehmen". Matthias (9) pflichtet bei. "Das ist klasse, hier mit Freunden zu spielen. Zu Hause wären wir gar nicht an so vielen Orten." Und gleichzeitig gut geschützt.

Dafür sorgen das Leitungsteam, Volker und Peter Mors sowie Ben Schmidt, elf Betreuer sowie Andreas Ruppel und Sandra Benetazzo in der Küche. Auch das ist diesmal anders. Da sich die Konzepte immer wieder änderten, lief alles am Ende um einiges spontaner. "Wir haben uns ganz kurzfristig gemeldet", berichten Lilly, Amelie und Pauline. Sie sind als Betreuerinnen dabei. Dies auch, weil sie selbst schon Ferienspielkinder waren. Ganz so einfach war das diesmal nicht. Alle haben die Inzidenzen im Auge behalten. "Es sind weniger als sonst, aber ein ganz starkes Team", sagt Volker Mors mit Blick auf die Betreuer.

Mors ist nicht nur im Leitungsteam, sondern auch der DRK-Vorsitzende. Ehrenamtlich im Roten Kreuz aktiv zu sein - das ist eine Familientradition. Sie verfügen über die nötige Ausstattung und Ausbildung und können die Kinder alle drei Tage auf das Coronavirus testen - was sie auch tun, denn Sicherheit wird ganz groß geschrieben. Im Freien müssen die Kinder keine Masken tragen, im Bus auch nicht mehr. Dennoch hatten sie es anfangs gemacht. Mittlerweile ist die Gruppe, die gemeinsam mit den Betreuern in zwei Bussen unterwegs ist, aufeinander eingespielt. Weil man jeden Tag die gleichen Spielkameraden trifft, senkt das auch die Gefahren.

"Es ist unglaublich, wieder mit so vielen zu spielen", sagt Elisa (9). "Die besten Freunde treffen" steht ganz oben auf ihrer Liste, wenn sie überlegt, was ihr hier am meisten gefällt. Es war so schwer, sich gar nicht mehr, teilweise in der Schule, oft nur auf Abstand zu sehen. Jetzt gibt es plötzlich Zeit zum Spielen, Erleben, Aufatmen. Wie beim großen Wandertag nach Eisenbach.

"Wir waren vier Stunden unterwegs", berichtet Maja (7) am Ziel. Das stimmt, denn es war eine gemütliche Tour, trotz kleiner Regenfälle. Es ging ein wenig durch den Wald, unterwegs wurde schon gespielt. Das große Lager im Eisenbacher Mehrgenerationenpark war schließlich der Hit. DRK-Leute sind gut organisiert, und so wurde der große Grill aufgebaut, eine Essensausgabe eingerichtet, die Hütte auf dem Platz genutzt und nach Herzenslust gespielt. "Das ist fast wie sonst", meint ein Mädchen. Stimmt. Die einen bauen Sandburgen, die anderen drehen am Barren ihre Runden. Sogar die Seilrutsche ist umlagert. Wer Fußball spielt, kann sich ebenfalls austoben.

Ganz andere Planung

als gewohnt

Für Leitungsteam und Betreuer ist das Ganze anstrengender als gewohnt. "Sonst haben wir abends im ,Blauwagen' den nächsten Tag vorbereitet", sagt Volker Mors. Das lief jetzt anders, vieles musste schon weit früher abgestimmt werden. Es gilt verstärkt, Termine einzuhalten. Und sie sind froh, dass ihr kleiner Bus den großen begleitet. So mussten sie keinem Kind absagen.

Die Zahlen: Ursprünglich wollten sie mit 80 Kindern je Ferienwoche fahren, also insgesamt 160. Das erwies sich als fast nicht zu schaffen. Dann überlegten sie, eine kleinere Gruppe zu organisieren, mit 46 Kindern (Busgröße) 14 Tage lang zu fahren. Kaum stand die Warteliste, waren schon vier Kinder drauf. Dabei blieb es allerdings, und so genügte es, den großen mit dem kleinen Bus zu ergänzen, alle mitzunehmen, außerdem immer genügend Wasser für unterwegs - man kann ja nie wissen.

Die reisenden Ferienkinder aus Bad Camberg waren bisher hochzufrieden, und die Betreuer sind es auch. Volker Mors, der das Symbol der Bad Camberger Ferienspiele, die Atzel (Elster) als Handpuppe mit sich führt, weiß das. Es trifft auch auf ihn selbst zu. "Die Arbeit mit Kindern, das ist meine Welt", stellt er fest. Er macht es einfach gern.

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