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Das war im April: Aktive Naturschützer legen in Würges eine Totholz-Hecke an und befestigen sie

Zu sehr aufgeräumt?

Ärger um die verschwundene Würgeser Totholz-Hecke

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Für manche ist es „nur ein Haufen Holz“, für die anderen eine Arbeit für den Naturschutz, die nötig ist. Fest steht: Die Würgeser Totholz-Hecke am Steinweg ist weg. Gründlich beseitigt. Zu sehr aufgeräumt?

14 Erwachsene, vier Jugendliche der Apfelbaumfreunde, des Nabu, des Imkervereins Bad Camberg, der Initiative Blühendes Bad Camberg und der Würgeser Rotmilane waren aktiv. „Wir haben den ganzen Vormittag Äste zugeschnitten, Pfähle in den Boden geschlagen, einen Flechtzaun als Begrenzung der Totholz-Hecke angelegt und den Zwischenraum fachmännisch mit ausgewählten Baumstammstücken und Geäst in verschiedenen Verfallsstadien und Größen aufgefüllt“, sagt Manfred Lindner. Ziel: Eine Hecke, die Insekten anlockt. Zum Beispiel die große, blauschwarze Holzbiene nistet dort. Sie ist selten. Manche Menschen lassen mittlerweile einige tote Holzstämme im Garten, damit dieses Insekt nisten kann.

Das war im April. In Würges hielt das Werk der Hände Arbeit bis November. Die gesamte Totholz-Hecke ist weg. „Sauber aufgeräumt“, wie Manfred Lindner sagt. Die Aktiven, besonders die jungen Naturschützer, ärgern sich. Alles absichtlich entfernt? „Mitnichten“, bekundet Stadtbauamtsleiterin Bärberl Stillger auf Anfrage dieser Zeitung. Im Gegenteil. „Dem Herrn Schmidt vom Bauhof sind fast die Augen herausgefallen, als er das jetzt gesehen hat.“ Gerd Schmidt stand ein wenig unter Beschuss, denn die Naturschützer vermuteten System hinter der ganzen Angelegenheit. Schließlich war – ebenfalls in Würges – eine Blühwiese mitten im August gemäht worden. Extra angelegt als Nahrung für die Bienen, dann mitten in der Blüte futsch. Auch die neuangelegte Blühfläche vor dem Bahnhof der Kurstadt konnte nicht richtig gedeihen. Der falsche Schotter wurde verwendet, sagt Lindner. Dann werde teilweise brutal zurückgeschnitten, wo es nicht nötig sei. Was einmal weg ist, kann nicht wiedergeholt werden. Frustrierend für die Naturschützer. Dumm gelaufen?

In manchen Fällen schon, wie das Gespräch zwischen Bürgermeister, Stadtbauamtsleiterin, Bauhof-Mitarbeiter und Manfred Lindner jetzt zeigte. Zwei Stunden haben sich die vier zusammengesetzt und auseinanderklabüstert, wo der Schuh drückt. „Die Sache mit der Totholz-Hecke ist ein Missverständnis“, sagt Bärbel Stillger. Es habe mehrere Totholzhaufen gegeben, die tatsächlich entfernt werden sollten, so die Anweisung. Das eingegrenzte und befestigte Karree auf keinen Fall. Missverstanden.

Etliche Missverständnisse

Die Wiese, die im Sommer viel zu früh gemäht wurde – da scheint „Job and Work“ initiativ gewesen zu sein. Das Mähen war beabsichtigt nur der Zeitpunkt der falsche, was seinerzeit übrigens auch Grund für den Anruf einer enttäuschten Würgeserin am NNP-Lesertelefon war. In anderen Fällen sind es manchmal Landwirte, die mähen oder abschneiden. „Früher musste alles schön gerade und sauber sein“, erklärt Bärbel Stillger. Das Bewusstsein habe sich geändert. Jetzt sieht man manches anders – gerade unter Naturschutz-Gesichtspunkten. Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD), übrigens selbst einer von denen, die die Totholz-Hecke angelegt hatten, unterstellt keine böse Absicht. „Aber es gab eine Reihe von Missverständnissen.“ Die Stadt reagiert: Das Bauamt wird zu einem „Runden Tisch“ mit allen Beteiligten einladen. Dies auch deshalb, weil weitere Projekte geplant sind. Etliche Privatleute haben bereits Blühwiesen angelegt, ein separater Bereich im Kurpark soll dazu werden, der Bereich vor dem Bahnhof eine Aufwertung erfahren. Übrigens: Der Schotter war zwar tatsächlich zu grob, doch hauptsächlich habe die Sommerhitze verhindert, dass es so grünte und blühte wie gewollt, erläutert die Stadtbauamtsleiterin. Dennoch: Auch in der Ausführung habe man für die Zukunft daraus gelernt.

Neuer Versuch

Neues muss sich erst einspielen. In diesem Fall gilt auch: „Wenn ich eine Blühwiese anlege, dann muss ich nicht dauernd mähen“, sagt Manfred Lindner. Zeit, die die städtischen Mitarbeiter sinnvoller nutzen könnten. Und: Die Totholz-Hecke soll wiederkehren. Im nächsten Frühjahr, wenn wieder ausreichend Gehölzschnitt vorhanden ist, wollen die Aktiven wieder ran.

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