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Ellen Kreis setzt ihr Lastenrad ein, um Transporte im näheren Umfeld zu leisten.

Bad Camberger arbeiten am Landeswettbewerb

Alles anders: Ab in die Mitte im Coronajahr

Das Motto "Zusammen handeln" zeigt die Wertschätzung für Gewerbe und EinzelhandelAb in die Mitte: Zum elften Mal gehört Bad Camberg im Coronajahr zu den Preisträgern des Landeswettbewerbs. Seit 2003 ist die Kurstadt ununterbrochen dabei, denn auch ohne Prämierung haben die Aktiven ihr Programm jedes Jahr verwirklicht. Diesmal ist alles anders. "Zusammen handeln", heißt es in der Zeit der Pandemie, und nicht alles ist auf den ersten Blick sichtbar.

Bad Camberg -Die Kernstadt und die Stadtteile leben von Aktivitäten, den Festen, den Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen. Gerade bei "Ab in die Mitte" war das so. Seit Anbeginn der Landes-Offensive engagiert sich die Kurstadt, mal mit, mal ohne Landesförderung. Jedes Jahr haben die Aktiven neue Impulse gesetzt. Kein Jahr ohne den Wettbewerb - das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Keine andere Kommune hat sich so häufig an "Ab in die Mitte" beteiligt. Und jetzt ist wieder alles anders.

Die Aktivitäten haben sich verändert. Die Amthof-Galerie lädt alle dazu ein, die Kernstadt und die Stadtteile künstlerisch festzuhalten. Die Ergebnisse sollten im November und Dezember in einer gemeinsamen Ausstellung präsentiert werden. Das wird sich nun durch den Lockdown verändern. Es bleibt eine Mitmach-Aktion im besten Sinne, wie es sie auch vor und ohne Corona hätte geben können. Gleiches gilt für den Schaufenster-Wettbewerb mit dem Rätselspruch. Das Baumackerfest hatte "Wir für Bad Camberg" unter Coronabedingungen mit maximal 80 Gästen verwirklicht. Anderes ist nicht so greifbar. Nicht für alle sichtbar, nur für Internet-Nutzer. Und doch nicht weniger effektiv.

Interesse für Bad Camberg wecken

Sabine Rubröder, verantwortlich für das Stadtmarketing der Stadt Bad Camberg, und Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) haben die Aktivitäten auf der städtischen Homepage zusammengefasst und aktualisiert. Eines fällt sofort ins Auge: Zum Motto des Corona-Sonderwettbewerbs "Zusammen handeln" passen die Bestrebungen, zwei Online-Verkaufsplattformen zu einer Plattform für die Gesamtstadt zusammenzufassen. Oder die Idee einer gemeinsamen Präsentation von Unternehmen auf der Seite Schaufenster-Bad-Camberg.de. Seit zwei Jahren steht dieses Online-Schaufenster allen Bad Camberger Gewerbetreibenden zur Verfügung, um sich online zu präsentieren. "Mit der Coronakrise haben wir es weiterentwickelt, und es wird sicher auch nach ihr noch weiter geführt", sagt Sabine Rubröder. "Ziel ist es, die potenziellen Kunden, die online recherchieren, auf die Angebote der heimischen Geschäfte aufmerksam zu machen und deren Kundschaft in die lokalen Geschäfte zu lenken." Einer, der es schon regelmäßig nutzt, ist Daniel Ott. Er betreibt in der Kurstadt die Bücherbank mit dem Schwerpunkt regionaler Angebote, den Ticket-Vorverkaufsservice und die Geschäftsstelle der Nassauischen Neuen Presse. "Das ist eine gute Gelegenheit, um sich zu präsentieren", sagt der Geschäftsmann, der unter anderem seinen Bücher-Lieferservice dort eingestellt hat. Je mehr Bad Camberger Unternehmen sich beteiligen, desto besser wird der lokale Überblick. Und er hat festgestellt: Gerade in der Zeit der Pandemie hat sich das Verhalten der Kunden stark verändert.

Der Lockdown macht "kaufe lokal" bewusst

"Als im Frühjahr der Lockdown kam, ist der Gedanke ,kaufe lokal' viel stärker geworden. Wir hatten auf einmal viel mehr Bestellungen." Man habe die enorme Solidarität der Menschen vor Ort gespürt, die plötzlich die Online-Medien nutzten, um die lokale Geschäftswelt zu stärken. Durchaus auch mit dem Gedanken verbunden, die eigene Infrastruktur nicht vor die Hunde gehen zu lassen. Ott: "Amazon veranstaltet keine Lesungen, holt keinen Autor in die Grundschule, macht keine Modenschauen, Musikabende oder stellt Gutscheine für heimische Aktivitäten zur Verfügung." Dieser Gedanke sei plötzlich sehr stark geworden. Der Zuspruch, den man sonst bei Märkten und Festen habe, wo die Gelegenheit bestehe, sich zu präsentiere, habe sich dorthin verlagert.

Erste Erfahrungen hat auch Ellen Kreis gemacht. Sie stellt hin und wieder eine neue Info ins Bad Camberger Online-Schaufenster. Außerdem sind sie und ihr Einkaufsservice - bevorzugt per Fahrrad - gerade in der Coronazeit stärker ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Noch macht sie das Ganze nebenberuflich, ein möglicher Schritt in die Selbstständigkeit. Alles, was innerhalb eines Radius von fünf Kilometern leistbar ist, funktioniert in der Regel per Rad. Für größere Entfernungen nutzt sie dann doch das Auto. Ihr Schwerpunkt: Dienstleistungen, Alltagsbetreuung, "Hilfe für Menschen, egal ob Kinde oder für ältere", sagt sie selbst und stellt für alle, die entlastet werden möchten, ihr Lastenrad zur Verfügung. Darüber hinaus bietet Ellen Kreis dem Einzelhandel und der Gastronomie ihren emissionsfreien Lieferservice an. Aktuell bestehen Kooperationen mit dem Café Kardamom und dem Bioladen.

Daniel Ott: Lokales Gewerbe macht Kommunen lebenswert.

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