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Ann-Kathrin Boller-Hollingshaus übergibt Sigrid Sauga den Beutel mit den Einkäufen durchs Fenster und hält dabei Abstand.

Corona-Hilfe

Für andere Menschen in Bad Camberg einkaufen gehen

Ann-Kathrin Boller-Hollingshaus gehört zu den "Kaufpaten" in der Kurstadt und hilft der 81-jährigen Sigrid Sauga.

Bad Camberg -Beim Einkauf von Lebensmitteln ist in Zeiten der Corona-Krise besondere Vorsicht geboten. Durch den Kontakt mit anderen Menschen in den Supermärkten steigt das Infektionsrisiko. Deshalb muss der Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden und nach dem Einkauf sollten man seine Hände gründlich waschen sowie desinfizieren. Aber auch wenn diese Maßnahmen strikt befolgt werden, ist eine Ansteckung nicht auszuschließen. Besonders Personen, die der Risikogruppe angehören, sollten daher die Geschäfte möglichst nicht betreten. Doch auch sie brauchen Brot, Aufschnitt, Getränke und Hygieneartikel.

Um die älteren Mitbürger vor den derzeitigen Gefahren beim Einkauf zu schützen, hat die Katholische Pfarrei St. Peter und Paul in Bad Camberg die Aktion "Kaufpaten" ins Leben gerufen. Unterstützt wird die Einrichtung dabei von den evangelischen Kirchengemeinden aus der Kurstadt und aus Niederselters. "Wir führen Menschen der Risikogruppe mit anderen Bürgern zusammen, die dann die Einkäufe für die älteren Personen übernehmen", erklärt Initiatorin Heike Stephan.

Eine der freiwilligen Helferinnen ist Ann-Kathrin Boller-Hollingshaus aus Bad Camberg. Sie kauft ein- bis zweimal pro Woche für die 81-jährige Sigrid Sauga ein. Bevor die Einzelhandelskauffrau sich auf den Weg in den Supermarkt macht lässt sie sich von der Seniorin eine Einkaufsliste per Telefon diktieren. "Sie mag besonders gerne Süßigkeiten und Knabbereien. Diese besorge ich ihr natürlich sehr gerne", sagt Ann-Kathrin Boller-Hollingshaus. Auch Obst, Gemüse, Brot, Wurst und Wein stehen auf dem Einkaufszettel. Während des Telefonats herrscht eine gute Stimmung. Die beiden Damen scherzen und lachen miteinander.

Das Geld vorher

bekommen

Dann geht es für die ehrenamtliche Helferin ins Lebensmittelgeschäft. Obwohl sich die Frauen vorher genauestens über die zu kaufenden Produkte ausgetauscht haben, dauert der Einkauf recht lange. "Die Auswahl im Laden ist so groß, dass ich manchmal einige Zeit suchen muss", erklärt Boller-Hollingshaus. Nach rund einer halben Stunde liegen dann aber alle Waren im Einkaufskorb. An der Kasse bezahlt die 38-jährige Bad Cambergerin mit dem Geld von Sigrid Sauga, das sie vorher von ihr bekommen hat.

Dann geht es weiter zur Wohnung der Rentnerin. Ann-Kathrin Boller-Hollingshaus reicht die Lebensmittel und das Restgeld in großen Tüten durch das Fenster von Sigrid Sauga. Dabei wird die Einhaltung des Mindestabstands genauestens beachtet. "Ich bin dankbar, dass mir jemand in diesen Zeiten hilft", sagt die 81-Jährige, die vor der Corona-Krise ihre Einkäufe nahezu immer selbst erledigt hat. Während des kurzen Aufeinandertreffens am Fenster der Rentnerin tauschen sich die Frauen über alltägliche Themen aus. Auch hier ist die Stimmung ausgelassen. "Wir haben einen guten Draht zueinander", sagt Boller-Hollingshaus.

Sie ist über soziale Medien auf die "Kaufpaten-Aktion" aufmerksam geworden. "Ich habe mich dann im Pfarrbüro gemeldet, weil ich in dieser Ausnahmesituation etwas für anderen Menschen tun wollte", sagt die Einzelhandelskauffrau. Nach wenigen Tagen sei der Kontakt zu Sigrid Sauga über die kirchliche Einrichtung hergestellt worden. "Das war vor etwa drei Wochen. Seitdem gehe ich regelmäßig und sehr gerne für sie einkaufen", sagt Boller-Hollingshaus. Es mache ihr einfach großen Spaß zu helfen.

Viel mehr Helfer

als Hilfesuchende

"Wir haben die Aktion gestartet, da auch ältere Personen Hilfe bekommen sollen, die nicht durch Verwandte oder Freunde versorgt werden können", berichtet Initiatorin Heike Stephan. "Es soll in diesen Zeiten niemand allein gelassen werden." Die Aufgabe der Pfarrbüros ist es lediglich, die Paare zusammenzuführen. Alle weiteren Schritte besprechen die jeweiligen Duos dann untereinander. "Wir versuchen, möglichst Leute aus dem selben Ort zusammenzubringen, damit die Fahrtwege nicht so weit sind", sagt Stephan. Bisher werde die "Kaufpaten-Aktion" in allen Dörfern der Kommunen Bad Camberg und Selters sowie in Weilrod-Hasselbach durchgeführt, da das Katholische Pfarramt Hasselbach auch zur Pfarrei St. Peter und Paul gehört. Seit Ende März haben sich mehr als 100 potenzielle Helfer gemeldet. "Das übersteigt die Zahl der Hilfesuchenden um ein Vielfaches", sagt Stephan.

Unterstützung erhalten die kirchlichen Einrichtungen von der Stadt- sowie Gemeindeverwaltung in Bad Camberg und Selters. "Sie haben beispielsweise Flyer gedruckt und in den sozialen Medien für die Aktion geworben", berichtet Stephan. Es sei einfach toll, dass sich so viele Organisation an dem Projekt beteiligen. Heike Stephan hofft, dass die Beziehungen zwischen den "Kaufpaten" und den Hilfesuchenden nach der Corona-Krise weiter bestand haben werden. Man könne sich auch in normalen Zeiten gegenseitig unterstützen und so für ein gutes soziales Miteinander sorgen. tobias ketter

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