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Fit bleiben - 200 Jahre Kneipp

Bad Camberg: Auf dem Weg zur Gesundheit

  • Petra Hackert
    VonPetra Hackert
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Die fünf Säulen der Kneipp'schen Lehre kennenlernen - Kneipp-Rundgang mit Antje Martin

Bad Camberg -Andreas ist zur Reha in Bad Camberg. Er hat sich vorgenommen, so viel wie möglich mit nach Hause zu nehmen. Dazu gehören die Erfahrungen, die er machen kann, weil es vielfältige Angebote gibt. Auch Einheimische nutzen die Führungen, um etwas dazuzulernen. Das Gute: Sie sind kostenfrei. Die Termine veröffentlichen wir regelmäßig in dieser Zeitung. Außerdem sind sie über die Kurverwaltung zu erfahren.

Zwei Frauen haben es in der Zeitung gelesen. Deshalb sind sie jetzt beim Kneipp-Rundgang am Nachmittag, haben morgens schon die Stadtführung absolviert und sind hellauf begeistert. Wenn es klappt, wollen sie am nächsten Tag noch Yoga anschließen. "Die Angebote sind so vielfältig und die Referenten kompetent", meint Andreas.

Die Kneipp'sche Schlafpille

Er hat auch gleich eine Frage: "Gibt es eine Kneipp-Anwendung, die hilfreich ist, wenn man nachts nicht schlafen kann?" Kalt duschen, um den Körper tagsüber in Schwung zu bringen - das macht er schon. "Aber für die Nacht, ist das nicht zu belebend?" Antje Martin runzelt die Stirn. Die Kneipp-Gesundheitspädagogin ist seiner Meinung. Es regt an. Auf der anderen Seite: Wassertreten zum Beispiel, das morgens so belebend ist, kann abends durchaus eine entspannende Wirkung entfalten. Die kalte Dusche würde sie allerdings auch weglassen.

Ihr Rat: "Man kann einen Waschlappen anfeuchten und sich damit im Uhrzeigersinn kreisend um den Nabel abreiben." Der Bauch wird kälter, man konzentriert sich auf die Bewegung. "Oft ist das so: Noch bevor man merkt, dass der Bauch wieder warm wird, ist man schon eingeschlafen." Die Waschung nennt man auch "die Kneipp'sche Schlafpille". Analog zum "Kneipp'schen Bohnenkaffee". Damit ist das kalte Armbad als natürlicher Wachmacher gemeint.

Ihren Tipp wollen mehrere Teilnehmer ausprobieren. Allerdings: Nicht alles wirkt bei allen gleich oder gleich gut. Man muss selbst herausfinden, was dem eigenen Wohlbefinden dient. Das wollen die 16 Frauen und Männer gerade tun, die sich deshalb zum Kneipp-Rundgang angemeldet haben.

Den Weg mit den Info-Stelen gibt es immer im Kurpark. Man kann ihn auch alleine absolvieren. Die fünf Säulen der Kneipp-Therapie Wasser, Bewegung, Ernährung, Pflanzenkunde und Lebensordnung werden dort genau erklärt. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, vieles an Ort und Stelle auszuprobieren.

Die Gruppe startet im Kräutergarten. Gretel Kilian und ihr Team erklären ihn ganz genau bei ihrer speziellen Führung. Für Antje Martin ist es nur eine von mehreren Stationen. Deshalb nur ganz kurz: Sie deutet auf die Ringelblumen, die so sonnengelb leuchten, aus denen sie selbst Salbe herstellt, und die eine schöne Dekoration für einen leckeren Salat sind. Und: "Die Blüten kann man auch essen."

Viele stecken ihre Nase in die duftenden Gewürze und Kräuter. Es gibt genug Gelegenheit, etwas zu lernen, bevor die nächste Säule, das Wasser, an der Reihe ist. Also der Bohnenkaffee - im übertragenen Sinne. Rebecca und ihr Sohn Maximilian testen die belebende Wirkung das Armbads. Die nächsten spazieren schon im Storchenschritt durch das Kneipp-Tretbecken. Jeder kann alles testen, bevor es weiter geht zum nächsten Thema, der Bewegung.

Antje Martin hat ein paar leichte Klopfbewegung aus dem Qi Gong ausgewählt, mit denen der eigenen Körper aktiviert wird. Arme schwingen, Teilnehmer lachen - alles geht ganz leicht, während sie beim Bewegungsparcours sehen, was man noch alles machen kann. Nicht heute.

Erst einmal geht es weiter über die Wiese zum Themenschwerpunkt Ordnungstherapie. Eine ganz wichtige Säule, denn sie dient dazu, die innere Ruhe zu finden, Stress abzubauen, das Leben zu strukturieren.

Einen kleinen Anti-Stress-Tipp gibt es sofort: Antje Martin hält ein Nasenloch zu, atmet ein. Luft anhalten, das andere Nasenloch schließen, durch die Nase ausatmen. Das alles mehrmals. Einige Teilnehmer, die mitmachen, schließen dabei sogar die Augen.

Gut gegen Kopfschmerzen

Doris stellt am Ende fest: "Meine Nase ist viel freier." - "Und es ist gut gegen Kopfschmerzen", ergänzt die Kneipp-Gesundheitspädagogin. Die Übung hat sie aus dem Yoga beigesteuert. Ein weiterer kleiner Tipp also auf dem Weg durch den Kurpark.

Ein Stück werden alle noch barfuß über die Wiese laufen, während es genug Gelegenheit gibt, Fragen zu stellen und sich auszutauschen. Einige wissen schon von Haus aus viel über den "Wasserdoktor" Sebastian Kneipp, der vor 200 Jahren geboren wurde, und dessen Lehren heute noch aktuell sind. Dies deshalb, weil er die Gesundheit und die Vorbeugung in den Mittelpunkt stellte, mit gesundem Menschenverstand testete, was er selbst gelernt hatte, und das weitergab, wovon er überzeugt war. Echte Kneippianer machen das noch heute so.

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