in Schild im Vorgarten macht Besucher auf eine freie Ferienwohnung aufmerksam.
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Fake-Inserate für Ferienwohnung: Wurde ein Ehepaar aus Elz Opfer einer Betrugsmasche? (Symbolbild)

Gefälschte Internetseite

Fake-Inserate für Ferienwohnungen – weitere Familie abgezockt

  • VonPetra Hackert
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Wochenlang versuchten Kerstin und Dirk Brauer, auf die Website zu kommen, über die sie Anfang des Jahres eine Ferienwohnung gemietet hatten - vorgeblich bei einem Bad Camberger Unternehmen. Die Polizei ermittelt wegen Betrugs.

Bad Camberg – Kerstin und Dirk Brauer sind sauer - und enttäuscht. Das Ehepaar aus Elz hatte Anfang des Jahres eine Ferienwohnung über die Website ferienpartner.co gebucht und bezahlt - wie sie dachten, bei einem Bad Camberger Unternehmen. Wochenlang war die Seite im Internet nicht mehr erreichbar, wohl aber eine ähnliche, in der eine Berliner Firma als Ansprechpartner geführt wurde.

Im E-Mail-Verkehr versicherte ihr Kontakt "aus Bad Camberg", es handele sich um Wartungsarbeiten, die Seite werde wieder online gehen. Gleichzeitig ermittelte die Polizei aber schon wegen dieser Betrugsmasche - sowohl in der Kurstadt als auch in Berlin. Gestern war die Seite mit der Bad Camberger Adresse wieder zu finden.

Betrugsmasche aus Bad Camberg: Die Abzocke mit der Reiselust

Das ist den Brauers passiert: Sie wollten gerne in den Urlaub fahren - aber pandemiegerecht. Also kamen sie Anfang des Jahres auf die Idee, wenn Hotels, Gaststätten, Kontakte gefährlich sind und ein Auslandsaufenthalt nicht infrage kommt, eine Ferienwohnung in Deutschland zu buchen. Über die Website ferienpartner.co stießen sie auf schöne Reiseziele in Deutschland und Dänemark. Die Mecklenburger Seenplatte, die Müritz - vieles schien attraktiv. Sie entschieden sich für die Sächsische Schweiz und buchten ein Ferienhaus in Rosenthal-Bielatal. "Das alles wirkte sehr seriös", sagt Kerstin Brauer.

Frank Busse, ihr Ansprechpartner im E-Mail-Verkehr, sah auch kein Problem darin, Tochter und Hund mit unterzubringen. Sogar für den Fall, dass es pandemiebedingte Risiken geben sollte, sorgte er von sich aus vor. "Wir hatten gefragt, wie es bei einem Reiserücktritt ist, wenn wir wegen der Pandemie nicht fahren können", berichtet Brauer. Man habe selbst ein Interesse daran, sich abzusichern, hieß es. Auch für den Fall, dass das eigene Unternehmen in die Insolvenz geraten solle. Frank Busse übermittelte einen Sicherungsschein der R+V Versicherung. Schließlich die Finanzierung: 900 Euro sollte das Ferienhaus kosten. "Wenn wir innerhalb einer Woche bezahlen, nur noch 810 Euro", sagt Kerstin Brauer. Der Mietvertrag, die Anreisebedingungen, der Kontakt, das Gütesiegel - alles schien ihr hieb- und stichfest. Deshalb buchten die Brauers kurzentschlossen, überwiesen das Geld und freuten sich auf ihre Reise.

Die Website wirkt seriös und war gestern wieder online. Unter der angegebenen Adresse in der Bad Camberger Gisbert-Lieber-Straße ist ein Wohnhaus zu finden. Ferienwohnungen werden dort nicht vermietet, erfuhren Betroffene an Ort und Stelle

Betrug über angebliche Internetseite in Bad Camberg: "Ferienhäuser? Die gibt's hier nicht"

Dann wochenlang Funkstille. Auf erste Nachfragen habe es noch den Hinweis gegeben, die Website werde gewartet, es könnte auch Probleme mit der E-Mail-Adresse geben. Antworten auf Fragen endeten. So machten sie sich auf den Weg nach Bad Camberg in die Gisbert-Lieber-Straße 33. "Beim ersten Mal haben wir rot-weiß-schwarze Aufkleber auf den Briefkästen gesehen. So ähnlich waren die Farben auf der Website. Wir dachten, das sind die Firmenkennzeichen und sind wieder heim gefahren." Aber: Ein Anruf bei der R+V Versicherung ergab, dass der Sicherungsschein gefälscht war. Sie fuhren noch einmal nach Bad Camberg und erstatteten Mitte März Anzeige bei der Limburger Polizei.

In der Gisbert-Lieber-Straße war ihr Anliegen schon bekannt: "Eine sehr nette Frau kam aus dem Haus und fragte, ,schon wieder wegen dieser Ferienhausfirma?'" Es seien viele Leute dagewesen, auch die Polizei. Nur: Es handelt sich um ein Wohnhaus. Eine Firma gibt es dort nicht. Die Brauers haben versucht, ihr Geld über die Bank zurückzubekommen. Das Recall-Verfahren kostete zehn Euro - zurückgekommen ist bis jetzt noch nichts. "Als wir jetzt den Zeitungsbericht in der NNP über den Betrug gelesen haben, sind wir aus allen Wolken gefallen", sagt Kerstin Brauer.

Noch mehr heimische Geschädigte?

Weil die Polizei übermittelt hatte, es habe keine Geschädigten in dieser Gegend gegeben, und weil sie nicht weiß, ob die Ermittlungen zum gewünschten Erfolg führen. Wie die Pressestelle der Polizei in Wiesbaden nun bestätigt, gibt es auch in Limburg mindestens ein Ermittlungsverfahren. Dass die Homepage erneut online ist, könnte helfen, den Dingen auf den Grund zu gehen, vielleicht. Der neue Kontakt heißt wieder Frank, diesmal wird Feldmann als Nachname angegeben. "Ansonsten sieht alles aus wie vorher", sagen die Brauers. Auch die Adresse ist geblieben, wieder die Gisbert-Lieber-Straße 33 in Bad Camberg. (Petra Hackert)

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