Glückwunsch: Bidhan Roy ist einer von "Hessens Helden 2021".
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Glückwunsch: Bidhan Roy ist einer von "Hessens Helden 2021".

"Hessens Helden 2021"

Bad Camberg: Er hat Armut hautnah erlebt

  • VonRobin Klöppel
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Auch Ministerpräsident Bouffier spricht voller Ehrfurcht von Bidhan Roy

Bad Camberg -Der Wahl-Bad Camberger Bidhan Roy ist vom Sender hr4 als einer von "Hessens Helden 2021" ausgezeichnet worden. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) als Schirmherr sprach dem 81-Jährigen großen Dank aus. "Nicht nur für das, was Sie in Hessen bewegt haben, sondern auch, weil Sie ein herausragendes Vorbild für unsere Gesellschaft sind", sagte Bouffier. HR-Programmchef Martin Lauer ergänzte: "Wir wünschen uns, dass sich viele andere Hessinnen und Hessen ein Beispiel an Ihrem außergewöhnlichen Einsatz für das Gute nehmen. Denn nur so wird aus unserer Gesellschaft eine Gemeinschaft".

Der aus Indien stammende Bidhan Roy war mit nur wenig Geld in der Tasche als Student nach Deutschland gekommen, weil er sich nicht vom Vermögen seines in England als Arzt lebenden Vaters abhängig machen wollte. Roy studierte Maschinenbau und Betriebswirtschaft in Köln und Dortmund, war international als Betriebsleiter mehrere Unternehmen tätig und fand nicht weit von seiner letzten Arbeitsstelle im Rhein-Main-Gebiet weg mit seiner ebenfalls sehr engagierten deutschen Frau Gisela in Bad Camberg eine neue Heimat.

Warum er sich seit Jahrzehnten für arme und behinderte Menschen in Indien engagiert? "Ich bin ja da aufgewachsen, habe die Armut hautnah erlebt und wollte einfach helfen." Als Roy später als erfolgreicher Manager in sein Ursprungsland als Besucher zurückkehrte, sei er von vielen angesprochen worden, ob er sie nicht unterstützen könne. Aus eigenen Mitteln ermöglichte Roy den ersten Kindern in seiner 20 000 Einwohner zählenden Heimatstadt Jemo in Westbengalen einen Schulbesuch.

"In Indien zahlen die Eltern kein Schulgeld, aber arme Menschen können sich die Schuluniformen und Bücher nicht leisten. Darum können viele Kinder keine Schule besuchen, doch gerade Bildung ist der Schlüssel für ein besseres Leben", erläutert der 81-Jährige. Darum gründete er in Jemo bereits 1964 mit Hilfe seines Großvaters ein Hilfszentrum.

Übernahme einer Patenschaft

Zunächst an seiner ehemaligen Arbeitsstätte Passau in Bayern und später in Bad Camberg wurden dann Vereine aufgebaut, die Spendengelder zur Unterstützung des Hilfszentrums sammeln sollten. Noch heute ist Bidhan Roy Vorsitzender der Gandhi-Kinderhilfe Bad Camberg und kehrte erst kurz vor der HR-Ehrung von einem Besuch des Hilfszentrums in Jemo zurück. Dort werden aktuell 119 Kinder, Waisen und Halbwaisen sowie 50 Behinderte betreut. 70 Kinder von außen aus armen Familien kommen täglich ins Zentrum, um hier die Schule zu besuchen. Im Zentrum gibt es auch eine Nähschule, an der aktuell 60 Frauen ausgebildet werden, um künftig mit ihren neu erlernten Fähigkeiten den eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Darüber hinaus gibt es im Zentrum eine Krankenstation, bei der sich arme Menschen aus Jemo montags bis samstags kostenfrei von ausgebildeten Ärzten behandeln lassen können.

Roy würde sich freuen, wenn weitere Menschen aus Bad Camberg und Umgebung die Gandhi-Kinderhilfe durch die Übernahme einer Patenschaft in Höhe von 20 Euro pro Kind und Monat für ein im Zentrum lebendes Waisenkind oder sechs Euro für ein schulisch betreutes Kind übernehmen würden. "Wenn jemand nur weniger zahlen kann, freuen wir uns natürlich auch über seinen Beitrag", so der Bad Camberger. Es werden auch immer interessierte Deutsche gesucht, die ein paar Wochen oder Monate im Hilfszentrum mitarbeiten möchten und so lange kostenlos in Jemo leben können. Nur die Flüge müssen von den Helfern selbst bezahlt werden.

Nähere Infos auf www.gandhi-Kinderhilfe.de. Bidhan Roy ist für Rückfragen unter (0 64 34) 54 71 erreichbar.

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