Ricarda Brück (links) und die ehrenamtliche Hospizbegleiterin Petra Jährig kümmern sich um Menschen in ihrer letzten Lebensphase und deren Angehörigen.
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Ricarda Brück (links) und die ehrenamtliche Hospizbegleiterin Petra Jährig kümmern sich um Menschen in ihrer letzten Lebensphase und deren Angehörigen.

Sterbende begleiten

Bad Camberg: Für ein Lebensende in Ruhe und Würde

Ehrenamtliche der Hospizhilfe nehmen sich Zeit für schwerkranke und sterbende Menschen

Goldener Grund -Wenn nichts mehr zu machen ist, ist noch viel zu tun. Nach dieser Maxime hat sich die Hospizhilfe Goldener Grund zur Aufgabe gemacht, schwerkranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörigen zu beraten, zu begleiten und zu unterstützen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter nehmen sich Zeit. Ohne zu bewerten hören sie aufmerksam zu und versuchen, den Betroffenen ein wenig von ihrer Sorgenlast abzunehmen.

Wenn vom Tod die Rede ist, denken die meisten Menschen an das Lebensende betagter Senioren. Aber das Schicksal fragt nicht nach abgeleisteten Lebensjahren. Unheilbare Erkrankungen können in jedem Alter auftreten. Sobald die Schulmedizin am Ende ist, brauchen Betroffene und ihre Angehörigen oft Hilfe und Begleitung. Viele Sterbenskranke wünschen sich, die verbleibende Lebenszeit in vertrauter Umgebung verbringen zu können. Ihren letzten Weg wollen sie von Zuhause aus beschreiten.

In Ruhe und mit Würde Abschied zu nehmen, ist nicht nur für Betroffene, sondern auch für deren nahe stehenden Personen von unschätzbarem Wert. Oft möchten die Angehörigen zwar den Wünschen ihrer sterbenden Familienmitglieder gerecht werden, doch fällt es ihnen schwer, mit der Krisensituation umzugehen. Hier kann die Hospizhilfe behilflich sein.

Qualifizierungskurs besuchen

Die Hospizhilfe Goldener Grund e.V. wurde 2018 ins Leben gerufen. Den Impuls dazu gab eine Palliativmedizinerin aus Oberursel, deren schwerstkranke Mutter im Süden des hiesigen Landkreises lebte. Auf der Suche nach hospizlicher Begleitung für die alte Dame stellte die Ärztin fest, dass ein solches Angebot in der näheren Umgebung fehlt. Über Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche gelang es, Leute für die Idee zur Gründung eines ambulanten Hospizdienstes zu begeistern und die Bürgermeister von Bad Camberg, Selters, Brechen und Hünfelden als Unterstützer mit ins Boot zu holen.

"Ich hatte in der Zeitung von einer Informationsveranstaltung der neu gegründeten Hospizhilfe gelesen und fand das eine sehr gute Sache", sagt Petra Jährig aus Niederselters. So sei sie 2018 in den Verein eingetreten, doch erstmal nur, um die Initiative mit ihrem Mitgliedsbeitrag zu unterstützen. Als Petra Jährig sich im Folgejahr mit einer lebensbedrohlichen Krebserkrankung im eigenen familiären Umfeld konfrontiert sah, nahm sie das Angebot der Hospizhilfe zu einem Qualifizierungskurs "Sterbebegleitung" gerne an. Nach 100 Stunden Ausbildung plus 20 Stunden Praktikum im Zeitraum zwischen August 2019 und März 2020 war es dann soweit: Zusammen mit 14 weiteren Absolventen konnte sie den ehrenamtlichen Dienst als Hospizbegleiterin antreten.

Begleitung von dementiell Erkrankten

Ein neuer Qualifizierungskurs hat gerade begonnen. In dem Lehrgang geht es um die Helferpersönlichkeit, die praktische Hospizarbeit, den Umgang mit Sterbenden und Angehörigen, die palliativen Möglichkeiten oder den Umgang mit Trauer. Auch die Chancen und Grenzen von Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung werden behandelt. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausbildung ist die Sterbebegleitung von dementiell Erkrankten.

Schnittstelle zwischen Hospizbegleitern und Menschen, die diese Hilfe in Anspruch nehmen möchten, ist Ricarda Brück. Die gelernte Kinderkrankenschwester war jahrelang in der pädiatrischen Onkologie tätig, so dass ihr Sterben und Tod nicht fremd sind. "Ich fand es immer wichtig, den Eltern in dieser schwierigen Situation beizustehen", sagt sie. Für die Angehörigen sei es eine große Hilfe, jemanden an der Seite zu haben, der dies schon öfter erlebt hat. Wenn eine telefonische Anfrage bei der Hospizhilfe eingeht, lässt sich Ricarda Brück in aller Ruhe die Situation erklären und fragt nach, was genau benötigt wird. Als nächstes macht sich die 34-jährige Koordinatorin bei einem persönlichen Gespräch vor Ort ein Bild von dem Betroffenen und den Angehörigen. So kann sie abschätzen, wer aus dem Team der Ehrenamtlichen für die Begleitung infrage kommt.

Petra Jährig beispielsweise kümmert sich seit einigen Wochen um einen schwer an Demenz erkrankten Herrn, der zwar noch recht beweglich ist, durch die Krankheit aber seine Sprache verloren hat. "Dies ist zwar keine typische hospizliche Begleitung, aber Demenz hat ja auch viel mit Abschied und Verlust zu tun", sagt sie. Insbesondere für die Ehefrau des Kranken sei es sehr wertvoll, eine Gesprächspartnerin zu haben. "Solche Begleitungen können wir natürlich nur leisten, wenn die Kapazität dafür da ist", wirft Ricarda Brück ein. Wie häufig die Ehrenamtlichen ins Haus kommen, ist individuell verschieden. Wenn sich abzeichnet, dass ein Mensch stirbt, wird die Betreuung engmaschiger und dann kann es auch sein, dass zwei Hospizbegleiter abwechselnd zum Einsatz kommen, um die Angehörigen zu entlasten.

Ricarda Brück wünscht sich, das über dem Sterben liegende gesellschaftliche Tabu zu brechen. "Schauen Sie vorbei, beschäftigen Sie sich mit dem Thema. Es gibt nichts Schlimmeres als Ungewissheit", rät sie. Denn nur wenn man über das Sterben spricht, verliere der Tod seinen Schrecken.

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