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BI-Sprecher Peter Reuter warnt den Landkreis: "Wir lassen uns von euch nicht verarschen".

Fremdenfeindliche Parolen

"Türken brauchen in Deutschland keine eigenen Hallen" - Demo gegen Eventhalle sorgt für große Aufregung

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An die 400 Teilnehmer kamen am Samstag, um gegen eine Eventhalle für türkische Hochzeiten zu demonstrieren. Da wurden auch fremdenfeindliche Stimmen laut.

Update, 12. März:  Die Demonstrationen gegen die Eventhalle in Würges schlagen hohe Wellen im Internet. Es wird darüber diskutiert, ob die neue Halle wirklich notwendig ist und um Integration im Allgemeinen. Einige Menschen sind der Meinung, dass einfach bestehende Hallen genutzt werden sollen.  Viele sind auch geschockt über die Aussagen einiger Mitglieder der Bürgerinitiative. Die Aussagen werden teils als fremdenfeindlich angesehen von Usern in den sozialen Medien.

Kritik an türkischer Eventhalle in Würges artet in Fremdenfeindlichkeit aus 

Erstmeldung vom 12. März: Bad Camberg - Ein Teil der Würgeser Bürgerschaft möchte unbedingt die Schaffung einer Eventhalle für türkische Hochzeiten in einer leerstehenden Lagerhalle nahe des Gemeindezentrums verhindern. Dort trafen sich am Samstagnachmittag an die 400 Menschen, um auf Einladung der Bürgerinitiative (BI) für ein lebenswertes Würges gegen die Planungen zu demonstrieren.

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Peter Reuter (links) warnte: „Die Würgeser sind keine Deppen, mit denen man alles machen kann“. Foto: Klöppel

Türkische Hochzeiten in Würges: Bürger haben Angst

Wie aufgebrachte Bürger gegenüber dieser Zeitung erklärten, befürchten sie ständigen nächtlichen Lärm und erhebliche Verschmutzungen in ihrem Wohnumfeld und auf dem nahen Kinderspielplatz durch die in der Halle geplanten mindestens 45 Veranstaltungen im Jahr. Einige sagten, sie seien nicht „rechts“, weil sie nur gegen die türkische Eventhalle protestierten. Im Gemeindezentrum selbst seien aber nicht so viele Veranstaltungen, so dass die Beeinträchtigungen dadurch noch akzeptabel seien. Andere meinten, sie würden auch gegen die Eventhalle kämpfen, wenn es sich um einen deutschen Investor handeln würde.

Eine Frau sagte aber auch, dass Türken in Deutschland keine eigenen Hallen bräuchten. Sie sollten sich gefälligst integrieren und Räumlichkeiten für ihre Feiern nutzen, die bereits vorhanden seien. Eine andere Frau regte sich auf, dass, wenn Deutsche mal ihre Tradition leben und beispielsweise in Bad Camberg ihre Kerb feiern wollten, sie sich ständig einschränken sollten. Da solle dann nach 22 Uhr keine Musik mehr gespielt werden. Türken dürften in Deutschland dagegen alles, und die Wahrheit dürfe man hier nicht mehr aussprechen, meinte sie. Peter Reuter, Sprecher der Bürgerinitiative gegen die türkische Eventhalle, sagte, dass die Zusammenkunft dazu dienen solle, dem Landkreis als Genehmigungsbehörde des Projektes zu zeigen, dass die Würgeser keine Deppen seien, mit denen man so was machen könne. Dem türkischen Investor rief er zu: „Gib’ auf. Du hast gegen uns keine Chance.“ Klage läuft

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Wenn die Halle genehmigt werde und dort Events stattfinden sollten, könne man auch mal mit mehreren hundert Leuten die Straße blockieren. Dann sollten die Gäste mal sehen, ob sie da durchkämen. Reuter sagte, so weit wolle es die Gruppe aber nicht kommen lassen. Sie werde sich die nächsten Tage mit zwei Rechtsanwälten treffen, um sich beraten zu lassen. Es laufe ja auch vor dem Landesverwaltungsgericht in Kassel eine Klage des Hallenbesitzers gegen die von der Stadt Bad Camberg beschlossene Veränderungssperre. Denn laut Kläger seien die Projektunterlagen beim Kreis eingereicht worden, bevor die Veränderungssperre in Kraft getreten sei.

Hochzeiten in türkischer Eventhalle: Projekt noch nicht genehmigt

Reuter berichtete, dass es vonseiten des Landkreises noch keine neuen Informationen gebe, wie groß die aktuelle Chance auf eine Genehmigung des Projektes gesehen werde. Vertreter der BI wollen sich aber noch mal mit dem neuen Ersten Kreisbeigeordneten Jörg Sauer (SPD) treffen, nachdem sie beim bisherigen Amtsinhaber Helmut Jung (SPD) nicht weitergekommen seien. Reuter sagte aber, dass der Kreis sich keinen Gefallen damit tun würde, etwas zuzulassen, was die Würgeser niemals akzeptieren würden und was die Wohnqualität in Dorf dauerhaft erheblich einschränke. Reuter vermutet, dass es am Ende nicht bei 45 Veranstaltungen im Jahr bleiben werde, da der Betreiber der Eventhalle eine hohe Miete zahlen müsse und natürlich trotzdem Gewinn machen wolle. Ebenfalls zweifelt Reuter an, dass es bei höchsten 400 Gästen pro Feier bleiben werde. Wer solle das kontrollieren, meint er. Auch die Zusage, dass die Fahrzeuge nicht durchs Wohngebiet, sondern über die B 8 abfahren würden, will er nicht glauben. Reuter vermutet, dass dann nachts, wenn die Würgeser schlafen wollten, Autos laut hupend durchs Wohngebiet fahren würden. „Man muss den anderen Leuten doch zeigen, dass man ein Auto mit 300 PS hat“, schimpfte Reuter.

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Im Sommer würden die Hochzeitsgäste, wie er vermutet, auch nicht in der Halle bleiben. Dann werde sich rausgestellt und laut unterhalten. Es würden Essensreste auf die Straße geschmissen und damit die Ratten angelockt. Bürger befürchten auch, dass die Nutzer der Halle ihnen in die Vorgärten pinkeln werden. Andere denken, Türken hätten eine ganz andere Mentalität und würden prinzipiell lauter als Deutsche feiern. Würgeser befürchten auch, dass durch die lauten türkischen Hochzeiten fast jedes Wochenende Veranstaltungen der Würgeser im Gemeindezentrum und im Pfarrheim nicht mehr möglich seien. Reuter denkt, dass beim Kreis auf Zeit gespielt werde, bis der Widerstand der Ortsbewohner bröckele. Doch diesmal seien schon 100 mehr Leute als beim letzten Treffen vor einem Monat da gewesen. „Wir lassen uns von keinem verarschen“, machte Peter Reuter deutlich.

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