Die Jungen und Mädchen der "Kinderoase" zeigen, wie der Barfußpfad funktioniert.
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Die Jungen und Mädchen der "Kinderoase" zeigen, wie der Barfußpfad funktioniert.

Fit bleiben - 200 Jahre Kneipp

Bad Camberg: Je abgehärteter die Füße, desto besser

  • Petra Hackert
    VonPetra Hackert
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Warum Fußgesundheit so wichtig und ein echtes Kneipp-Thema ist

Bad Camberg -Viel zu viele Pflanzen überwuchern die Steine. Das kann so nicht bleiben. Der Barfußpfad ist kaum noch zu sehen. So legen die Kinder Hand an, bevor die Füße dran sind. Fein säuberlich wird Grünzeug gerupft, so wie es sein soll. Dann geht's los. Viktoria (6) zieht als erste ihre Schuhe aus und läuft über die Steine. Wilhelm (4) folgt ganz schnell, Emilia sehr, sehr vorsichtig. Die Zweijährige lernt gerade von den Großen - und von Kneipp-Erzieherin Antje Martin, zu der sie herüberschaut.

Bewegung ist eine der fünf Säulen der Kneipp-Therapie. Doch hier kommt gerade noch etwas anderes ins Spiel. Schon vor mehr als 150 Jahren wusste Sebastian Kneipp seinen Schülern zu vermitteln, warum Fußgesundheit so wichtig ist: "Je abgehärteter die Füße, umso besser ist man daran; denn sie werden dann im selben Maß blutreich und warm sein. Je weichlicher die Füße sind, umso schlimmer ist man daran, weil Blut und Wärme in gleichem Verhältnis abgehen, wie man die Füße verweichlicht."

Deshalb gibt es auch die Verbindung zwischen Fuß und Hals: Kalte, nasse Füße können zu Halsschmerzen führen. Die Schleimhäute leiden, weil man nicht richtig aufgepasst hat.

In der Kneipp-Kita "Kinderoase" wird sehr gut aufgepasst. Eine Maßnahme ist das Tautreten am Morgen. Die Kleinen stürmen los und haben ruckzuck feuchte Stellen auf der Wiese gefunden. Aber: "Eure Füße müssen warm sein, bevor es los geht", erklärt Kneipp-Erzieherin Antje Martin. Das haben die Jungen und Mädchen schon oft gehört. Sie kennen das Wechselspiel. Die Wiese fühlt sich so gut an. Auch der Barfußpfad. Da wollen sie viel länger weitermachen, auch wenn sich die Füßge gar nicht mehr so warm anfühlen. Antje Martin greift zu: "Deine sind kalt. Zieh' Dir Strümpfe und Schuhe an", rät sie dem Kind.

Andere trainieren auf dem Barfußpfad weiter. "Die Tannenzapfen piksen so", erklärt Viktoria. Sie hatten sie selbst gesammelt und mit eingebaut. Die schweren Holzscheiben und -balken hatten Erwachsene beigesteuert, auch die Steinplatten und die großen, runden Steine. Die kleineren Steine sind ebenfalls nicht scharfkantig, aber unangenehm. "Das ist nicht so schön, da drüber zu laufen", stellt Willi fest.

Ach ja: Kinder haben ein anderes Kälteempfinden. Deshalb obliegt es den Erwachsenen, einzugreifen, wenn es nicht mehr geht. Jedem tut der Barfußpfad gut. Manche kennen und nutzen ihn auch im Kurpark. "Der beste Weg zur Gesundheit ist der Fußweg", sagte schon Sebastian Kneipp. Und so rät auch die Kneipp-Erzieherin, den Kneipp-Weg im Kurpark zu nutzen, sich den Kräutergarten anzuschauen, sich mit allen Sinnen auf das Gute einzulassen.

Heilsam ist das auch. Das wissen die Mädchen und Jungen, die schnell einen Insektenstich behandeln können. Sie zeigen, wie es geht: Ein Blatt des Spitzwegerich wird kurz in den Mund genommen und darauf gekaut. Die grobe, grüne Masse kommt auf den wunden Punkt - in diesem Fall die rote, juckende Stelle. "Das Kraut wirkt entzündungshemmend", verspricht Antje Martin. Und: Der kühlende Effekt hilft sofort.

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