Beim Suchspiel der Kanadier-Gruppe geht es darum, möglichst schnell zu finden, was die Betreuer möchten. Steine, Stöcke, Blätter - alles wird in Windeseile zusammengetragen.
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Beim Suchspiel der Kanadier-Gruppe geht es darum, möglichst schnell zu finden, was die Betreuer möchten. Steine, Stöcke, Blätter - alles wird in Windeseile zusammengetragen.

Ferienspiele

Bad Camberg: Kanada liegt jetzt in Oberselters

  • Petra Hackert
    VonPetra Hackert
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68 Ferienspielkinder haben gerade eine gute Zeit

Bad Camberg/Selters -Konzentriert sind Mia, Sven, Julia, und Alissa bei der Arbeit. "Was ist das für ein Stein?", fragt Julia die Erwachsenen. Er sieht seltsam aus, ist viel leichter als die anderen. "Ein Kirschkern", lautet die Antwort. "Und das? Ein Feuerstein?", raten die Kinder. Die Kanten sind spitz, das dunkelgrau geformte Stück ist sehr warm. Aber ein Feuerstein ist es nicht. "Er lag nur lange in der Sonne", rät ein Junge. "Das habe ich doch gleich gesagt", meint Julia. Trotzdem ist es ein Brocken, der in die Sammlung kommt. "Wir machen sie sauber, dann wickeln wir sie in ein Tuch, und sie werden abgerieben", erzählt ein Mädchen. Sehr wertvolle Stücke für die Kinder. Sie finden etliche auf der Wiese am Sportplatz. Einige Hundert Meter weiter sind 13 Jungs auch auf der Suche. Sie entdecken Stöcke, Moos, Blätter. . . Manchmal sind die einfachsten Dinge die Schönsten, wie jetzt bei den Ferienspielen auf dem Oberselterser Sportplatz.

Zwei Gruppen sind dort zu finden, die Kanadier und die Amerikaner. Dieses Mal sind die 68 Ferienspielkinder strikt getrennt. Corona. Nur zwei Gruppen sind auf dem Sportplatz, die anderen verteilt. "Jede Gruppe ist jeden Tag an einem anderen Ort. Für jeden Ort gibt es ein Tagesprogramm, in dem Fall verschiedene Länder. Jede Gruppe durchläuft alle Stationen. Die Kinder werden von ihren Eltern an den tagesaktuellen Ort gebracht und von dort wieder abgeholt", erklärt Ralf Schröder vom Leitungsteam. Kanada ist deshalb zurzeit an der Grillhütte auf dem Oberselterser Sportplatz zu finden. Die Karibik liegt in der alten Kita in Erbach, Brasilien am Erbacher Pfarrheim. Unten auf dem Oberselterser Sportplatz ist Amerika. Schließlich braucht man für solch ein großes Land viel Platz. Italien ist am Oberselterser Bürgerhaus. Wie praktisch, denn dort werden die Kinder gleich mit Pizza versorgt. Beim Erbacher Verschönerungsverein liegt jetzt Vietnam. Eine gute Gelegenheit für alle Kinder, etwas dazuzulernen.

Elternbesuchstag fällt aus

Die Corona-Pandemie hat die Ferienspiele in Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde sehr verändert. Es gibt keine Nachtwanderung, das charakteristische Hämmern und Sägen fehlt, denn es werden keine Hütten gebaut. Alles, was sie basteln, nehmen die Kinder mit nach Hause. Sonst wurde es beim großen Elternbesuchstag am Wochenende verkauft. Den gibt es diesmal nicht. Die Sicherheit geht vor.

Die Kinder sind auf Gruppen mit neun bis 13 Kinder verteilt. So treffen sich nicht alle ständig. Gegessen wird getrennt. Wer in einen Innenraum geht, etwa auf die Toilette, setzt die Maske auf. Und alle 72 Stunden wird getestet - entweder per Schnell- oder Bürgertest. Das gilt für alle Kinder, Betreuer und das Leitungsteam.

Dennoch: Für die Jungen und Mädchen ist das eine unbeschwerte Zeit. "Sie genießen es, nicht immer Programm zu haben", erklärt Katharina Rempel. Ein wenig Freiraum zum eigenständigen Sammeln, Basteln, Spielen tut gut. "Ein Mädchen meinte gestern sogar, es wäre so, als ob man sich mit der ganzen Klasse verabredet."

Das kennen die Kinder nämlich - leider - auch schon. Viel Distanz und dass man seine Freunde zu Hause nicht mehr so treffen darf wie früher. So viel wurde eingeschränkt. Deshalb tut es Mia, Sven und Julie gerade so gut, unbeschwert miteinander zu spielen. Bruno (7) hat sich sogar schon ein wenig auf die Italiengruppe vorbereitet. "Ciao, bello" und "Ciao, bella" kann er sagen. Das hat ihm sein Papa beigebracht.

"Wir werden die Länder auf der Landkarte suchen und lernen, was dort alles gemacht wird", erklärt Bruno. Und es wird so gekocht, dass die Kinder einen kleinen kulinarischen Eindruck der Gastländer bekommen. Auch eine gute Idee. Die Spiele sind einfacher geworden. Zum Beispiel das Suchen, wenn alle bestimmte Gegenstände zu den Betreuern bringen sollen. Auffällig: Es ist viel ruhiger auf der großen Wiese, wo sonst die Hütten stehen. "Diese Kinder kennen es gar nicht anders", erklärt Katharina Rempel. Sie sind zum ersten Mal dabei und werden - hoffentlich - dann nächstes Mal das Abenteuer Hüttenbau und den Verkauf dieser selbstgezimmerten Prachtstücke erleben. So manch einer hatte schon eine Ferienspiel-Hütte daheim im Garten und konnte so das Gefühl der freien Zeit wieder aufleben lassen.

Wertvolle Zeit

Diesmal ist alles anders. Die Spiele enden schon morgen. Es gab nur vier Tage und kein Wochenende. Doch diese Zeit war für die Kinder wertvoll. Für die Betreuer auch. "Wir haben uns vorbereitet, die Jugendleitercard gemacht", erzählt Isabell Schröder. Fähigkeiten, die ihnen vielleicht später auch einmal zugute kommen. Einen Mangel an Betreuern hat es hier nicht gegeben. "Vielleicht, weil so viele nicht in den Urlaub fahren konnten", meint sie.

68 Kinder, elf Betreuer - für alle sind diese Ferienspiele trotz Corona eine gute Zeit. Die sechs im Leitungsteam, Ralf Schröder, Patricia Hartmann, Lara Hofmann, Denise Möhn, Karsten Ott und Gemeindereferentin Ulrike Mudrich, haben es geschafft, trotz Pandemiebeschränkungen so viel unbeschwerte Momente wie möglich zu schaffen.

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