Ein ganz besonderes Jubiläum: Kantor Michael Harry Poths ist seit 50 Jahren Organist.
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Ein ganz besonderes Jubiläum: Kantor Michael Harry Poths ist seit 50 Jahren Organist.

Erlös für die Opfer der Flutkatastrophe

Bad Camberg: Klangpracht in der Kirche St. Peter und Paul

Kantor Michael Poths spielt das erste Orgelkonzert mit Besuchern seit Monaten

Bad Camberg -Seit 50 Jahren ist Kantor Michael Harry Poths nun schon "im Dienst der Königin". Gemeint ist natürlich die oft als Königin der Instrumente bezeichnete Orgel. Nachdem er, der im Januar die Organistenstelle in St. Peter und Paul von Heinrich Thuy übernommen hat, im Laufe des Jahres schon einige Konzerte online veranstaltet hat, durfte man am Sonntagnachmittag zum ersten Mal seit langem wieder die gewaltigen Klangfähigkeiten der großen Klais/Förster und Nikolaus-Orgel in der Kirche selbst bewundern. Das Konzert widmete er den Opfern der Flutkatastrophe, denen auch die Eintrittsspenden zugute kommen werden.

Mal dezent, dann mit voller Wucht

Mit Klangpracht sparte Poths bei diesem Konzert wahrlich nicht. Vergleichsweise dezent begann er mit dem lebhaft-freudigen Präludium C-Dur von Dietrich Buxtehude, dessen vorwärts eilender Charakter mit sehr frei wirkenden virtuosen Einschüben eine passende Einstimmung zu den folgenden Darbietungen war. Es folgten in freundlichem D-Dur das Präludium und die bei aller Intensität gut durchhörbare Fuge BWV 532 sowie anschließend eine kunstvolle Choralbearbeitung zu "Kommst du nun, Jesu, vom Himmel herunter" BWV 625 von Johann Sebastian Bach.

Spätromantisch und vielfältig

Bei den anschließenden spätromantischen Werken konnte der Organist die vielfältigen Möglichkeiten dieses Instruments eindrucksvoll demonstrieren. Opulent registriert begann der 1. Satz aus der Sonate Nr. 11, d-Moll, op.148 von Josef Gabriel Rheinberger. Unterbrochen von ruhigeren Passagen steigerte sich die aufgewühlte Stimmung des Stückes bis zu enormer Lautstärke. Einen Kontrast bildete der zweite Satz mit deutlich kantablerem Charakter in Schalmeien ähnlichen Klängen gehalten. Raumfüllend und voller Dramatik erklangen dann Entrée und Finale aus der Sonate F-Dur, op. 89, Nr. 7 von Alexandre Guilmant. Mächtige Basslinien zu bewegten Oberstimmen vermittelten ein geradezu körperliches Empfinden der Musik. Ein Schüler dieses großen französischen Meisters war Henri Mulet, dessen bekanntestes Werk die "Esquisses Byzantines" sind. Die zehn Sätze erinnern musikalisch an die römisch-byzantinische Basilika Sacré Coeur in Paris. In "Nef" - das bedeutet "Kirchenschiff" - könnte man sich den Gang durch diese Basilika vorstellen mit Betrachtung von Altären und Heiligendarstellungen, Innehalten für Meditation und Gebet aber auch den Eindruck der Allmacht Gottes. Ausdrucksstark interpretierte Michael Poths dieses komplexe Werk. Einen schwungvollen Rausschmeißer bildete dann die "Sortie" in B-Dur von Louis James Alfred Lefébure-Wély. Das für den Auszug nach dem Gottesdienst konzipierte Stück ist typisch für diesen Komponisten, der gern französische Orgelromantik mit Einflüssen aus Operette, Volksmusik oder Cancan verband.

Ein klein wenig Kirmesatmosphäre

Pfiffig und durchaus mit musikalischem Augenzwinkern registriert, kam das humorvolle Stück ein bisschen wie ein Kirmesmarsch daher. Man fühlte sich unwillkürlich an die großen Musikautomaten erinnert, die man auch heute noch auf Jahrmärkten, besonders in Holland hören kann. Begeisterter Beifall bewog Michael Poths zu einer weiteren launigen Zugabe, nämlich der "Toccata Jazzica" des zeitgenössischen Mannheimer Organisten Johannes Matthias Michel. Derart beschwingt entließ er die Hörer in den Sommerabend. Erfreulich war der Betrag von 376 Euro, der für die Flutopfer zusammenkam und nun über die Caritas dorthin gelangen wird.

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