Die Pfortenwiesen sind eine grüne Lunge in Bad Camberg. Der Bereich Pfortenwiesen/Frankfurter Straße (unten links im Bild ein Teil der Frankfurter Straße) soll über das hessische Förderprogramm "Lebendige Zentren" sinnvoll weiterentwickelt werden. Vor der Grünfläche liegend ist die Jahnstraße zu erkennen, die weiter nach rechts auf die Bahnhofstraße führt, weiter links angrenzend die Halle der Turngemeinde Camberg.
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Die Pfortenwiesen sind eine grüne Lunge in Bad Camberg. Der Bereich Pfortenwiesen/Frankfurter Straße (unten links im Bild ein Teil der Frankfurter Straße) soll über das hessische Förderprogramm "Lebendige Zentren" sinnvoll weiterentwickelt werden. Vor der Grünfläche liegend ist die Jahnstraße zu erkennen, die weiter nach rechts auf die Bahnhofstraße führt, weiter links angrenzend die Halle der Turngemeinde Camberg.

Gebiet Frankfurter Straße/Pfortenwiesen

Bad Camberg: 22 Millionen Euro fürs lebendige Zentrum

  • vonPetra Hackert
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Die Stadt nutzt das Landesprogramm "Lebendige Zentren", um Fördermittel zu generieren und voranzukommen.

Bad Camberg -"Lebendige Zentren": Unter dieser Überschrift läuft das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) in Bad Camberg. Seit November weiß die Stadt offiziell, dass sie ins Förderprogramm aufgenommen wurde. Früher hieß es "Aktive Kernbereiche in Hessen". Über einen Zeitraum von zehn Jahren soll hier Stadtentwicklung gefördert werden. Die Stadt hat die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) damit beauftragt, das entsprechende Konzept zu erstellen. Mit der DSK haben die Bad Camberger gute Erfahrungen: Sie hatte sich bereits um die dortige Altstadtsanierung gekümmert.

ISEK oder "Lebendige Zentren": Das Förderprogramm betrifft einen abgegrenzten Bereich, in dem Maßnahmen umgesetzt werden. Genau genommen geht es um den Bereich Frankfurter Straße/Pfortenwiesen. Die Stadtverordnetenversammlung hat nun beschlossen, den Geltungsbereich etwas zu erweitern. Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen hat das bereits anerkannt. Die Grünen stimmten gegen die Erweiterung. Der Grund: Sie scheiterten im Parlament mit ihrem Antrag, eine rückwärtige Bebauung der Jahnstraße von vornherein auszuschließen. Das wollten CDU und SPD nicht schon jetzt so festgelegt sehen.

Bürgerbefragung vor einem Jahr

Schon im vergangenen Jahr hatte es eine ganze Reihe von Veranstaltungen gegeben, darunter die Bürger-Information und einen Ortsrundgang mit Bürgern im Juni 2019. Bewohner und Eigentümer wurden befragt. Im September schloss sich ein öffentlicher Bürger-Workshop mit Projektwerkstatt an. Im Dezember folgte die Abgabe der Entwurfsfassung ans Ministerium, welches das ISEK am 1. April anerkannte.

Die Stadtverwaltung hat überschlagen: Werden alle im ISEK gelisteten Einzelmaßnahmen umgesetzt, betragen die Kosten für das Gesamtprojekt "Frankfurter Straße/Pfortenwiesen" bis 2031 insgesamt 21,9 Millionen Euro. Davon fließen rund 14,6 Millionen aus Städtebau-Fördermitteln. Wie bei der Altstadtsanierung ist von einer Drittelfinanzierung auszugehen: Je ein Drittel tragen Bund, Land und Stadt. Die tatsächliche Förderquote wird jährlich festgesetzt, kann also während der Laufzeit des Programms variieren. Die Fördermittel werden jährlich über Programmanträge angemeldet. Die Einzelmaßnahmen dieser Anträge wiederum sind aus dem ISEK herzuleiten.

Grüne begründen ihre Ablehnung

"Wir wollen die Erschließung des östlichen Teils der Jahnstraße nicht", stellte der Fraktionsvorsitzende der Grünen Dieter Oelke fest. Ihm sei klar, dass es Interessenten gebe, die dort bauen wollen. "Wir müssen als Stadtverordnete die Möglichkeit haben, Dinge, die wir nicht wollen, nicht zu beschließen", sagte Oelke. "Wir werden alles ablehnen, wenn die Neubebauung östlich der Jahnstraße nicht gestrichen wird."

Denn: Der Bereich Pfortenwiesen solle als Multifunktionsfläche für die Bad Camberger erhalten bleiben. Eine rückwärtige Bebauung führe zu erheblichen Konflikten. "Eine Wohnbebauung wäre durch benachbarte Lärm-Emissionen der TG-Halle, des Sportplatzes, der Ferienspiele, der Kerb und des Freizeit- und Erholungsbades nicht vereinbar. Außerdem würde die Funktion der Pfortenwiesen als Erholungsgebiet und grüne Lunge beschnitten", sagte Oelke.

"Hier wurde unter großer Mitarbeit der Bevölkerung ein Maßnahmenkatalog erarbeitet mit Dingen, die umgesetzt werden können, nicht müssen", hielt SPD-Fraktionschef Jürgen Eufinger dem entgegen. "Wir müssen zeitnah mit der Umsetzung beginnen, um in die Förderphase zu kommen. Das Ganze ist zum jetzigen Zeitpunkt als bunter Blumenstrauß zu sehen, wobei die Stadtverordnetenversammlung im einzelnen noch beschließen wird, was sie will." Daher werde seine Fraktion den Änderungsantrag der Grünen nicht mittragen. "Das ist keine Entscheidung dafür, dass eine Teil- oder Neubebauung stattfinden wird. Wir werden ohnehin noch einen Bebauungsplan beschließen."

"Das ist keine Priorisierung. Es gibt weiterhin die Planungshoheit und auch das Satzungsrecht der Stadtverordnetenversammlung", sagte auch CDU-Fraktionsvorsitzender Daniel Rühl. "Wir beschließen hier keinen Maßnahmenkatalog, der umgesetzt wird, sondern wir wollen im Verfahren weiterkommen. Da habe ich keine Bauchschmerzen. Wir sollten nicht wegen Einzelfragen das komplette Verfahren blockieren."

Bad Camberger haben vor einem Jahr vielfältige Anregungen eingebracht

Vor fast genau einem Jahr haben Bad Camberger Bürger in einem Workshop ihre Vorstellungen zu den vier Themenfeldern Aufenthaltsqualität, Grünflächen, Gesundes Klima, Mobilität, Verkehr und Barrierefreiheit, Wohnen und Wohnumfeld sowie Einzelhandel und Versorgung geäußert. Das Stadtbauamt hat die Anregungen zusammengefasst und dokumentiert. Eine Vielzahl von Ideen wurde so zusammengetragen.

Ein Vorschlag beschäftigte sich mit der Errichtung eines Hallenbades mit Außenbecken, das auch als Freibad genutzt werden kann. Der Erhalt des Freibads am jetzigen Standort war für die Mehrheit der Anwesenden von herausragender Bedeutung (behindertengerecht und ohne Pkw erreichbar).

Die Einrichtung eines Campingplatzes zwischen Mühlweg und Würges wurde angeregt.

Die verkehrliche Belastung der Bahnhofstraße - Frankfurter Straße - Limburger Straße war ebenfalls ein Thema. Angeregt wurden eine Durchgrünung dieser Hauptverkehrsachsen und die Umwidmung der Frankfurter Straße zur Einbahnstraße, gebenenfalls mit Radweg, Ruhezonen, Biergarten.

Als notwendig betrachtet wurde die Umsetzung der B-8-Umgehung, außerdem wurde ein Rad- und Fußweg entlang des Emsbachs gewünscht.

Die Pfortenwiesen böten großes städtebauliches Entwicklungspotential, insbesondere für Freizeitangebote, meinten die Bürger. Sport - Spiel - Spazieren - Senioren, so die Schlagworte. Angeregt wurde die Schaffung von generationenübergreifenden Angeboten, die Integration von Sportgeräten, die Wiederherstellung eines Skaterplatzes und die Schaffung eines kleinen Hartgummi-Fußballplatzes.

Der als Schandfleck empfundene Bayrische Hof könnte zurückgebaut und als multifunktionaler öffentlicher Bau genutzt werden, so als multifunktionaler Kulturraum, als moderner Glasbau für Ausstellungen, Kunst, historisches Museum, kleine Filmbühne, Theater, als Gastraum im ehemaligen Schulgarten, dem öffentlichen Bereich.

Neben der Errichtung einer begrünten Tiefgarage am Grünen Platz, der so tatsächlich grün werden könne, wurde die Aufwertung der Wegeverbindung zwischen Grünem Platz und Kurpark angeregt. (Von Petra Hackert)

Die Ideen und Vorschläge aus der Bürgerschaft reichen noch um einiges weiter. Wer sich intensiver damit beschäftigen möchte: Die Bad Camberger Stadtverwaltung hat sie detaillierter zusammengefasst auf der Website https://bad-camberg-aktivekerne.de (Ergebnisse des Bürger-Workshops).

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