Christel (81) und Rudolf Brück (92) nutzen die behindertengerechte Rampe zur Kreuzkapelle.
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Christel (81) und Rudolf Brück (92) nutzen die behindertengerechte Rampe zur Kreuzkapelle.

Ehrenamtliches Engagement

Bad Camberg: Ohne Hindernisse zum Ort der Besinnung

  • vonPetra Hackert
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Viele fleißige Helfer tragen dazu bei, dass andere die Kreuzkapelle genießen können - Unter anderem hat Rudolf Brück für die behindertengerechte Rampe gesorgt

Bad Camberg -Der Weg hinauf zur Kreuzkapelle führt von der Stadt mitten in die Natur und wird von Wanderern, Radfahrern, Einheimischen und Besuchern gerne genutzt. Christel und Rudolf Brück sind auch immer wieder oben und genießen die Aussicht über Bad Camberg, die sanften Hügel des Taunus und das Innere der kleinen Kapelle.

Früher war Rudolf Brück dort regelmäßig sonntags beim Kapellendienst anzutreffen - als Teil des Betreuerteams, das von 14 bis 17 Uhr Interessierten erklärt, was sie an dieser Kapelle haben. Falls sie das nicht schon wissen. Diese Aktivitäten haben die Brücks zwar eingestellt, doch die Kapelle ist immer noch ein wichtiges Ziel ihrer Ausflüge, nicht nur sonntags, und jetzt anders. Beide sind auf den Elektroroller angewiesen. Ohne dieses behindertengerechte Gefährt würden sie diesen Weg nicht mehr schaffen.

Sie sind früh aufgestanden, genießen die Morgenluft und die Sonnenstrahlen des Frühlings. Ein angenehmer Tag. Von der Stadt hinauf zur Kapelle - sie haben keine Sorge, dass der Akku nicht reichen könnte. "Wir waren damit schon in Idstein", verrät die 81-Jährige verschmitzt. Dann hatten sie sich aber sicherheitshalber abholen lassen. Jetzt wissen sie: Auch der Rückweg wird kein Problem sein.

Leicht zu installieren

Die beiden sind mit Bernd Schlösser verabredet, der noch immer zum Betreuerteam gehört. Er weiß außerdem, was die Brücks noch mit dem Weg zur Kapelle verbindet. Das ist nämlich der behindertengerechte Zugang.

Maschinen-Brück: Der Firmenname ist eingefleischten Bad Cambergern natürlich immer noch ein Begriff. So nutzte der Firmenchef vor vielen, vielen Jahren seine Möglich- und Fähigkeiten, um einem Freund zu helfen. Und vielen anderen. Der war nämlich seinerzeit schon auf den Rollstuhl angewiesen. Rudolf Brück hatte damals überlegt: Was könnte er tun, um den Zugang zu verbessern?

Die Lösung waren drei Rampen, "die nichts gekostet haben", wie er heute sagt. Stimmt: Die Kirchengemeinde haben sie nichts gekostet, er nutzte seine Firma und seinen Entwurf, um sie passgerecht herzustellen.

Viele Jahre später: Bernd Schlösser legt die Rampen aus. Christel und Rudolf Brück wollen hinauffahren, um zu zeigen, wie gut das geht. Bernd Schlösser sagt: "Die Aluminiumrampen sind so stabil und gleichzeitig so leicht, das kann jeder schnell installieren." Stimmt. In kürzester Zeit ist alles aufgebaut. Beide können in die Kapelle, der sie seit vielen Jahren so verbunden sind. Demonstration geglückt, auch jetzt noch. Sie hatten sich bereit erklärt, das alles zu demonstrieren, weil sie anderen den Tipp geben möchten: Jeder, der oben angekommen ist, muss nicht vor der Tür stehenbleiben. Zu den Öffnungszeiten helfen die ehrenamtlichen Betreuer gerne beim Einstieg.

Seit dem 1. Mai steht die Kapelle wieder offen. Von außen ist die Kreuzesform des Grundrisses zu erkennen. Wer hinein möchte, sieht das Glockenseil, das noch mit einem funktionstüchtigen Geläut verbunden ist. Der helle Altar und die Fenster, die Figuren, die Reliefdarstellungen der Leidensgeschichte Christi ("Camberger sieben Fußfälle") - zu allem wissen die Ehrenamtlichen etwas zu bRudolften. Vielleicht nur so viel: Über den Verbleib der ursprünglichen Glocke ist nichts bekannt. Die jetzige wurde 1960 von der Firma Rincker in Sinn für die katholische Kapelle in Kroppach im Westerwald gegossen. Nach Abriss der Kapelle bewahrte die Glockengießerei sie auf.

Davon hörten die Mitglieder der "Interessengemeinschaft Turmuhr St. Peter und Paul" im Verein Historisches Camberg. Das Bad Camberger Ehepaar Kraft kaufte die Glocke und stiftete sie der Kreuzkapelle, die Interessengemeinschaft sorgte für Glockenjoch, Läuteseil - was nötig war. Beim Kreuzkapellenfest 2015 hielt sie feierlich Einzug. Der Name Elisabeth erinnert an die Heilige Elisabeth von Thüringen ebenso wie an die Heilige Elisabeth von Schönau im Taunus. Mit der Glocke zog die Elisabeth-Figur ins Innere der Kapelle ein. Bis 1948 war sie eine der Nebenfiguren des Katharinen-Altars in St. Peter und Paul gewesen.

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