Die erste von zehn Brücken wird derzeit gebaut. Deshalb muss die L 3030 gesperrt werden.
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Die erste von zehn Brücken der Umgehungsstraße von Bad Camberg wird derzeit gebaut.

Großbauprojekt

Umgehungsstraße von Bad Camberg: Millionenprojekt schränkt Verkehr ein

  • Tobias Ketter
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Um Bad Camberg wird derzeit eine Umgehungsstraße gebaut. Das Großprojekt soll 90 Millionen Euro kosten und hat einige Auswirkungen auf den Verkehr.

Erbach – Seit einigen Monaten wird die Ortsumgehung von Bad Camberg gebaut. Die erste von insgesamt zehn Brücken, die dafür errichtet werden, entsteht derzeit im Stadtteil Erbach. Sie führt über die Landesstraße 3030, welche von vielen Autofahrern genutzt wird, um von der B8 auf die A3 zu gelangen. Zuletzt wurde der Verkehr aufgrund einer reduzierten Fahrbahnbreite an Ort und Stelle mit Baustellenampeln geregelt. In der kommenden Woche müssen die Verkehrsteilnehmer allerdings einen Umweg in Kauf nehmen, denn der Streckenabschnitt wird voll gesperrt.

„Diese Sperrung ist notwendig, um an der Brücke fünf Fertigteilträger einzubauen. Auf den Trägern wird dann der Überbau der Brücke weiter aufgebaut“, sagt Sonja Lecher, Sprecherin von Hessen Mobil. Dazu gehöre das Betonieren der Brücken-Tafel, das Herstellen der Brückenkappen an den beiden Seitenrändern sowie die Ausstattung der Brücke mit der Fahrbahn, den Markierungen und den Geländern.

Die Sperrung gilt von Montag, 18. Oktober, bis voraussichtlich Freitag, 22. Oktober. Der Verkehr wird währenddessen über die B8 sowie über die L3031 und die L3013 umgeleitet. Im Anschluss an die Vollsperrung kann die Landesstraße 3030 im Baustellenbereich wieder befahren werden. „Durch die weiterhin reduzierte Fahrbahnbreite wird der Verkehr dann erneut mit Baustellenampeln geregelt und am Baufeld vorbeigeleitet“, berichtet Lecher.

Umgehungsstraße in Bad Camberg: Erste Brücke soll im Frühjahr 2022 fertig werden

Die Brücke über die L3030 soll im Frühjahr 2022 fertig werden. Vor dem Ende der Bauarbeiten wird die Landesstraße dann nochmals gesperrt, da die volle Fahrbahnbreite wieder hergestellt werden muss. Diese Sperrung werde laut Lecher rund zwei Wochen andauern. Die Kosten für den Brückenbau belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Euro.

Das gesamte Projekt „Ortsumgehung Bad Camberg“ soll den Angaben von Hessen Mobil zufolge etwa 90 Millionen Euro kosten und in sieben Jahren beendet werden. Aktuell liege man gut im Zeitplan, sagt Sonja Lecher. Die Umgehungsstraße wird künftig auf 6,6 Kilometern westlich an Bad Camberg und den beiden Stadtteilen Erbach und Würges vorbeiführen. „Durch diese weiträumige Streckenführung wird die Lärmbelastung für die Ortschaften so weit minimiert, dass keine Lärmschutzmaßnahmen notwendig sind“, erklärt die Sprecherin. Die Umgehung wird unter anderem auch die Emsbach und die Landesstraße 3031 überqueren. Dafür müssen weitere Brücken gebaut werden. Außerdem unterquert die neue Straße künftig die bei Bad Camberg verlaufende Bahnlinie.

Seit Mitte Februar laufen die Bauarbeiten für das Großprojekt nahe der Kurstadt. In den vergangenen Monaten ist bereits einiges passiert. „Zunächst ist für den Bau der Brücke über die L3030 der parallel zur Bahntrasse verlaufende Wirtschaftsweg verlegt worden, um Platz für das neue Brückenwiderlager zu schaffen“, sagt Lecher. Ab Anfang März habe man dann die L3030 für den Bau der neuen Brücke vorbereitet, die dortigen Kanal- und Gasleitungen verlegt sowie die Fahrbahnhöhe der Landesstraße abgesenkt. „Anschließend wurde mit den Bohrungen und Gründungsarbeiten für die Trägerbohlwand der elf Meter langen Brücke über die L3030 begonnen“, so die Sprecherin. Danach sei der Unterbau der Brücke errichtet worden.

Bad Camberg: Durch Umgehungsstraße verlorener Wald soll ersetzt werden

Parallel zu den Bauarbeiten an der neuen Brücke in Erbach laufen derzeit die weiteren Planungsarbeiten für die Ortsumgehung. „Die technischen Planungen für die weiteren Brückenbauwerke werden erarbeitet und sind zum Teil bereits abgeschlossen“, teilt Hessen Mobil mit. Darüber hinaus schreite die Ausführungsplanung für den Streckenbau, einschließlich der Straßenentwässerung, weiter voran.

„Des Weiteren laufen auf der späteren Trasse archäologische Grabungen. Zudem finden aktuell routinemäßige Kampfmittelsondierungen an verschiedenen Stellen der Ortsumgehung statt“, sagt Sonja Lecher. Die Erkundungsbohrungen für die Straßenbrücken seien bereits abgeschlossen. Mit diesen Bohrungen werde die Bodenbeschaffenheit für die Tragfähigkeit untersucht.

Bereits vor dem Beginn der Bauphase wurden übrigens einige Ausgleichsmaßnahmen für den Naturschutz durchgeführt. So wurden unter anderem Flächen mit Feldgehölzen bepflanzt, die dem Erhalt der Turteltauben-Population dienen. Außerdem setzte man Bäume auf ehemalige Ackerflächen und statte diese mit Brut-Röhren aus, die vom Steinkauz genutzt werden sollen. „Zudem sind auf insgesamt 20.150 Quadratmetern bereits Ersatzaufforstungen umgesetzt worden“, sagt Lecher. Bei diesen Aufforstungen werde durch den Bau der Ortsumgehung verlorengehender Wald ersetzt. (Tobias Ketter)

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