Zum Neujahrsempfang schalteten sich mehr als 40 Interessierte zu. Hier ein Ausschnitt.
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Zum Neujahrsempfang schalteten sich mehr als 40 Interessierte zu. Hier ein Ausschnitt.

Online-Neujahrsempfang

Bad Camberg: "Der Klimaschutz beschäftigt uns sehr"

Umweltministerin Hinz: Pandemie darf ökologische Themen nicht ins Abseits drängen

Bad Camberg -Mit mehr als 40 Teilnehmern war der Online-Neujahrsempfang des Grünen-Ortsverbandes ein voller Erfolg. "So viele traditionelle Veranstaltungen fallen aus, da ist es doch toll, dass es diese neue Form des Zusammenseins gibt", begrüßte die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen) die Anwesenden, bevor sie kurz auf Probleme des Corona-Jahres zurückblickte.

Die Pandemie hätte auch die Arbeit des Hessischen Umweltministeriums beeinflusst, berichtete Hinz. So musste beispielsweise im Frühjahr sichergestellt sein, dass Lebensmittel sonntags in die Märkte kommen, damit die Regale montags voll sind. Ab Herbst stand mit Hinblick auf das Immissionsschutzgesetz die Genehmigung des Biontech-Werks in Marburg ganz oben auf der Agenda.

Klar müsse aber sein, dass die Pandemie nicht andere ökologische Herausforderungen ins Abseits dränge. "Der Klimaschutz beschäftigt uns sehr", betonte die Ministerin und hob hervor, dass bereits 120 der 140 Maßnahmen aus dem Klimaschutzplan realisiert oder in Arbeit seien.

Bad Camberg gehöre ja zu den landesweit 270 Klimakommunen und das örtliche Klimabündnis unterstütze die Stadt aktiv dabei, den Energieverbrauch und die Treibgasimmissionen zu reduzieren. "Vernetzung, Austausch und die Förderung von Maßnahmen in den Kommunen ist uns sehr wichtig", so Hinz. Deshalb wurde das Corona-Sondervermögen vom Land aufgestockt. "In 2021/22 gibt es eine 100-Prozent-Förderung, um die schwierige finanzielle Lage der Kommunen zu entlasten".

Weiterer Dürresommer wäre Katastrophe

Die Politikerin hofft, dass Bad Camberg zusammen mit dem Umweltreferenten neue Projekte überlegt und beantragt. Als Beispiele nannte sie den Ausbau von Photovoltaik oder der Radwege sowie die Schaffung eines kommunalen Verleihsystems für Fahr- und Lastenräder. Besonders am Herzen liegt der Ministerin der effektive und nachhaltige Umgang mit Trink- und Grundwasser. Seit dem vergangenen Jahr würden kommunale Wasserkonzepte gefördert, um wassersparende Potenziale zu erschließen. Die verstärkte Nutzung von Brauchwasser oder die Entsiegelung von Flächen, damit Regenwasser abfließen kann, sind nur zwei Möglichkeiten. "Obwohl es gefühlt seit Wochen in Hessen regnet, ist der Grundwasserspiegel noch unterdurchschnittlich", so Hinz. Wenn sich der Pegel bis April nicht normalisiere und es wieder einen Dürresommer gebe, könne dies zu einer Katastrophe für die Landwirtschaft und den Wald führen. Weil der sparsame und schonende Umgang mit Böden für den Biotop- und Klimaschutz von Bedeutung ist, wünscht sich die Ministerin, dass die Kommunen Bodenschutzprojekte auflegen. Selbstverständlich müsse die Landwirtschaft dabei mitgenommen werden und Kompensation erhalten, wenn sie ein Stück Feld hergebe. Auch Bad Camberg solle prüfen, wie gut und schützenswert gewisse Böden sind, wo entsiegelt, wo bebaut werden soll und wo sich ein möglicher Tausch anbietet.

Mit einem Hinweis auf den Aktionsplan "Starkes Land - gutes Leben" schloss Priska Hinz ihren Vortrag. Ziel sei es, gleichwertige Lebensverhältnisse in der Stadt und auf dem Land zu schaffen. Auf der Online-Plattform www.land-hat-zukunft.hessen.de seien Förderinstrumente und Beispiele dargestellt.

"100-Prozent-Förderung für Klimakommunen ist schön und gut", so ein Teilnehmer in der anschließenden Fragerunde. "Aber überall wird gekürzt und Bad Camberg hat Schwierigkeiten, einen ausgeglichenen Haushalt einzubringen. Muss die Gemeinde Maßnahmen vorfinanzieren?" "Auf gar keinen Fall", betonte Priska Hinz. "Sonst gibt es nämlich keine Förderung." Im Haushalt müsse das Projekt sowohl in den Ausgaben als auch in den Einnahmen dargestellt werden, und die Umsetzung dürfe nicht begonnen haben, wenn der Förderantrag gestellt werde.

Mobiles Arbeiten

"In dem Film zum Aktionsplan für den ländlichen Raum ist von mobilem Arbeiten die Rede. Was kann ich mir darunter vorstellen", fragte Sabine Heuser-Eltgen. Anders als beim Homeoffice ginge es um Variabilität, erläuterte die Ministerin. Mit einem Laptop oder Tablet hätte der Arbeitnehmer die Freiheit, zu arbeiten, wo er wolle: zu Hause, auf seinem normalen Arbeitsplatz oder im Co-Working-Space.

Manfred Lindner freute sich, dass Bad Camberg in der Ökomodellregion dabei ist. "Können wir jetzt schon was machen?", fragte er. Priska Hinz schlug vor, regionale Lebensmittel in die Küchen der städtischen Kitas zu bringen und für Wochenmärkte regionale Beschicker zu suchen.

Andrea Gattinger vom Gladbacher Hof in Villmar bedauerte, dass die für dieses Frühjahr geplanten Öko-Feldtage wegen der Pandemie abgesagt sind. Priska Hinz versprach, das diese dreitägige Großveranstaltung in Villmar lediglich auf 2022 verschoben worden sei und betonte: "Die Finanzierung ist gesichert".

Ein großes Thema in Bad Camberg sei die Feldrandhygiene, warf Lindner ein. Es gäbe einige übereifrige Landwirte, die kommunale Fläche einebneten und mulchten. "Tatsächlich gibt es immer noch Bauern, die besser beraten und geschult werden müssen", beklagte Hinz. Doch die Kommune habe das Recht, hier einzuschreiten und Strafen zu verhängen. Die Landwirtschaft sei schließlich darauf angewiesen, dass es Feldränder gebe, in denen es kreucht und fleucht und blüht.

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