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Bad Camberg: So wirkten die Erlenbader Schwestern in Erbach

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Von: Petra Hackert

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In der Marienkapelle auf dem Erbacher Friedhof hat Tobias Scheinkönig die Gedenktafel an das Wirken der Erlenbader Schwestern anbringen lassen.
In der Marienkapelle auf dem Erbacher Friedhof hat Tobias Scheinkönig die Gedenktafel an das Wirken der Erlenbader Schwestern anbringen lassen. © Petra Hackert

Gedenktafel erinnert an die Geschichte der Fanziskanerinnen

Erbach -Kleine Tafeln weisen auf Notlagen, Gebete und die Hoffnung auf Hilfe hin. Die Marienkapelle auf dem Erbacher Friedhof ist ein Ort der Besinnung und der Erinnerung. Deshalb gibt es jetzt eine weitere Gedenktafel: Nach dem Wegzug der Caritas Sozialstation von Erbach nach Bad Camberg wurde sie auf Initiative von Tobias Scheinkönig in Erinnerung an die Franziskanerinnen angebracht, die Jahrzehnte in Erbach gearbeitet haben: die Erlenbader Schwestern.

„Es soll nicht vergessen werden, dass die Caritas Sozialstation ursprünglich eine Gründung der Pfarrcaritas Erbach aus dem Jahr 1936 ist, und das sie bis 1975 von Erlenbader Schwestern geleitet wurde“, sagt Scheinkönig. Der Erbacher hat sich intensiv mit der Geschichte der Sozialstation und des Kindergartens befasst, dabei auch Hintergrundinformationen für die Chronik zur 1250-Jahr-Feier zusammengetragen.

Die letzten Erlenbader Schwestern sind Älteren noch in Erinnerung. „Zuletzt lebten in den Räumen am Kindergarten Schwester Hadwig und Schwester Eutropia im Ruhestand. Sie kümmerten sich um den Blumenschmuck für die Erbacher Kirche und die Muttergotteskapelle auf dem Friedhof“, weiß Scheinkönig. 1993 starb Schwester Eutropia mit fast 90 Jahren. Das Kloster kündigte den Gestellungsvertrag. Schwester Hadwig wurde als Letzte am 2. April 1993 verabschiedet. Sie starb im Jahr 2000 im Mutterhaus in Erlenbad.

Eine kleine Zeitreise: Über die Eröffnung der Schwesternstation Erbach/Oberselters schreibt Pfarrer Schott: „Nach langem Bemühen gelang es trotz der schwierigen Zeitverhältnisse am 6. Juli 1936, eine Krankenpflegestation zu errichten, deren Unterhaltung von der Pfarrkaritas bestritten werden sollte.

Am 6. Juli trafen zwei Franziskanerinnen aus dem Mutterkloster Erlenbad (Baden) hier ein und bezogen in der Herrngartenstraße ihre Wohnung, die für ,zwei ruhige Leute‘ gemietet worden war. Als Oberin kam Schwester Olga, bisher in Wiesbaden-Dotzheim stationiert, als zweite Schwester Beatina, die aber, da sie in der Krankenpflege noch nicht ganz ausgebildet war, einige Wochen später durch Schwester Modestina abgelöst wurde.

Am 12. Juli wurden die Schwestern durch Caritasdirektor Lamay von Limburg in der Kirche in einer Abendandacht mit Predigt eingeführt.“

Ärger mit den Nationalsozialisten

Zuerst wohnten die Schwestern einige Zeit im Pfarrhaus, fanden dann bei Josef und Katharina Hollingshausen, heute Herrngartenstraße 8, ein Zuhause. „Das war nicht einfach. Die Vermieter zogen sich dadurch den Unmut der örtlichen Nazionalsozialisten zu“, sagt Scheinkönig. Doch nicht alle dachten so. Die Einrichtungsgegenstände für die Wohnung wurden teilweise aus einem Nachlass ersteigert, teilweise handelte es sich um Geschenke.

Gleich am ersten Tag begannen die Schwestern mit der Krankenpflege in Erbach und in Oberselters. Meist waren zwei Schwestern im Krankendienst. Doch die Arbeit wurde immer umfangreicher. Man machte sich Gedanken über eine Erleichterung und hatte die zündende Idee: Beide Kirchengemeinden sammelten Ende der 50er Jahre und stellen den Schwestern 1960 einen Volkswagen zur Verfügung. Die Zivilgemeinden Erbach und Oberselters übernahmen die Versicherung, die Steuer und einen Teil der Betriebskosten. So waren die beiden Schwestern erheblich mobiler und konnten ihre Aufgaben leichter erfüllen.

Der Kreis und der Landeswohlfahrtsverband beteiligten sich 1960 durch kleinere Zuschüsse an den Kosten der Schwesternstation, berichtet Scheinkönig. „Die Pfarr-Caritas von Erbach und Oberselters sorgte ab 1936 für die finanzielle Grundlage der Schwesternstation beziehungsweise finanzielle Unterstützung einzelner Schwestern.“ Sie wohnten in der Zeit von 1948 bis 1970 im Hause der Geschwister Klassert, Am Dornbach 12, und von Dezember 1970 bis 1993 im Gebäude der Kirchengemeinde (Am Kindergarten 7). Zur Zentralstation für ambulante Pflege- und Hilfsdienste berichtet Christian Müller in der Chronik zur 1250-Jahr-Feier, dass sie als erste dieser Art in Hessen am 1. Oktober 1973 in Erbach vom dem Bezirkscaritasverband Limburg eröffnet wurde. „Die erste Leiterin, die Erlenbader Schwester Immolata Wiemer O.S.F., wirkte dort bis Ende 1975. Ihr folgten in der Leitung Sr. Helga Weidemann SAC von den Pallotinnerinnen (1976), Notburga Zirkel (1977-1980), Barbara Blöink (1981-1986), Andreas Ahlbach (1988-1994), Daniela Olapade (1996-2017), Loreen Hempfling und im Jahr 2018 Yvonne Stockhausen und seit 2020 Simone Busch. Heute werden die Kranken aus den Orten der Gesamtgemeinde Bad Camberg, der Gesamtgemeinde Selters und in Weilrod-Hasselbach betreut.“

Krankenpflege und Kindergarten

Außer der Krankenpflege widmeten sich die Erlenbader Schwestern auch den Kindern. Denn während der Zeit des Nationalsozialismus unterhielt die NSV im damals neugebauten Backsteinbau am alten Sportplatz von 1936 bis 1945 einen Kindergarten. Nach Kriegsende veranlasste Bürgermeister Josef Peuser die Übergabe in die Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde. Erste Kindergartenschwester war Schwester Liliosa. Es folgte Schwester Antonika, die 1948 von Schwester Hadwig abgelöst wurde. Bis zum 31. Juli 1988 leitete sie den Erbacher Kindergarten.

Ein aktueller Einschnitt, auch Anlass für die Gedenktafel in der Friedhofskapelle, ist der Umzug der Sozialstation. Seit April ist sie in Bad Camberg, sehr zentral in der Limburger Straße 39, zu finden. Und: Seit dem 1. April heißt sie „St. Christophorus“. Ein Name, mit dem sich Tobias Scheinkönig nicht so recht anfreunden möchte: „Viele Erbacher wundern sich darüber, warum man, obwohl die Station eine Gründung der Gemeinde St. Mauritius Erbach war den heiligen Christopherus, den Kirchenpatron von Niederselters als Namensgeber gewählt hat.“

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