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Die Geschäftsführer von "Forest Adventures" Tobias Spindler und Dirk Schröder zeigen mit Bauleiter Till Kremer den Baufortschritt. Stadtmarketing-Leiterin Sabine Rubröder und der Bad Camberger Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) versprechen sich vom Baumwipfelpfad positive Impulse für die Kurstadt.

Eröffnung 2022 geplant

Bad Camberg: Ein Spaziergang zwischen den Bäumen

  • vonPetra Hackert
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"Forest Adventures" investiert drei Millionen Euro für den Baumwipfelpfad. 2022 soll er eröffnet werden.

Bad Camberg – Es soll hoch hinauf gehen bis zu 30 Meter, doch bei 24 Metern sei in den Bäumen der schönste Bereich. Das sagt Tobias Spindler, und er weiß, wovon er spricht. Er und Dirk Schröder sind die Geschäftsführer von Forest Adventures, die gerade in Bad Camberg den Baumwipfelpfad planen und umsetzen. Das Unternehmen betreibt vier Kletterwälder in Wetter, Gießen, Friedrichsdorf und Viernheim, außerdem einen Hochseilgarten auf dem Harkortberg. Der Bad Camberger Baumwipfelpfad ergänzt das Portfolio. Er ist so gedacht, dass die Besucher gemütlich in Höhe der Bäume spazieren können, dies über eine Strecke von 800 Metern.

Wer vom Parkplatz an der Landstraße 3031 in den Wald geht oder joggt (das tun gerade viele) gelangt rasch zu den ersten Gebäuden, die schon in die Höhe ragen. Die Lodge sieht stattlich aus. Alles in Holz gearbeitet. In einer Höhe von zehn Metern wird sich einmal der Kassenbereich befinden. Der Speisesaal ist gut vorstellbar. Ein Teil liegt hinter Glas, ein weiterer im Freien - hier könnte sich eine stattliche Anzahl von Besuchern aufhalten, ein kleines Picknick machen und dann weiter gehen mitten hinein in die Baumwipfel.

Sich wohl fühlen, erleben und lernen

Das ist ein Ziel, sagen Spindler und Schröder: Die Menschen sollen kommen, um sich hier wohl zu fühlen, etwas zu erleben und zu lernen. Deshalb, die Erfahrung haben sie gemacht, soll es auch keine teure Gastronomie geben, sondern eine schlichte Bewirtschaftung plus die Möglichkeit, sich selbst etwas mitzubringen. Sie denken familienorientiert.

"Wann kommt denn der Bad Camberger Kletterwald?" Diese Frage kursiert in Abständen immer wieder in Bad Camberg. Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) bestätigt: "Die Leute wollen wissen, wann es soweit ist." Dies werde immer wieder gefragt, kritische Stimmen seien verstummt. Die gab es am Anfang. Tobias Spindler erklärt: Mit viel Enthusiasmus sei man ans Werk gegangen, habe Ideen entwickelt, noch ohne in die konkrete Topographie zu gehen. Dazu gehörte auch der Gedanke an eine 800 Meter lange Seilrutsche. Nur: "Die hätte den Waldkindergarten gestört, ohne dass wir damals wussten, dass es ihn gibt."

Das hat sich mittlerweile geändert. Man hat sich kennengelernt, kleine Gruppen kommen immer wieder, um die Holzkonstruktionen zu sehen, die nun entstehen. Die Seilrutsche ist nicht geplant. Auch der Kletterwald wird erst später folgen. Erster Schritt ist der Baumwipfelpfad. Der könnte Anfang 2022 so weit sein.

Die Statik ist eine Herausforderung

Dass gut Ding Weile haben will, erweist sich hier: "Wir planen sehr nah mit der Natur und an den Bäumen", erklärt Dirk Schröder. Ziel sei, die Eingriffe so schonend wie möglich zu halten. Deshalb werde auch nicht einfach ein Turm auf einen Weg gestellt. Das wäre baulich am einfachsten. Man habe sehr lange überlegt, was sinnvoll sei - und die Statik habe sich als Herausforderung erwiesen.

Gleichzeitig erhalte die Stadt Bad Camberg mit diesem Projekt ein Alleinstellungsmerkmal: Etwas ähnliches gebe es im weiten Umkreis nicht.

Drei Millionen Euro investiert Forest Adventures nach eigenen Angaben in das Bad Camberger Projekt. Es soll nachhaltig sein. So wird im Bad Camberger Wald die Werkstatt entstehen, die später noch betrieben werden soll, um Reparaturen und Unterhaltungsmaßnahmen für den Standort und die anderen Kletterwälder des Unternehmens zu leisten. "Wir wollen das hier langfristig betreiben und erweitern, es ist eine lebendige Sache", erklärt Dirk Schröder.

Das Projekt solle sukzessive ausgebaut werden. Sehr wichtig seien die didaktischen Stationen. Darauf legten sie viel Wert, sagen die beiden Geschäftsführer. Spindler: "Nicht die Höhe oder die Länge bestimmen die Qualität eines Baumwipfelpfades, sondern die Didaktik." Sprich: Das, was man dabei lernt. So sind auch Schulklassen, sogar Kindergartengruppen eine Zielgruppe. Sie sollen an dieser Stelle viel erleben können. Und natürlich geht es auch darum, Besucher aus einem weiteren Umkreis mit dieser Attraktion nach Bad Camberg zu holen. Bürgermeister Jens-Peter Vogel stellt es sich so vor: "Wer den Baumwipfelpfad besucht, kann das mit einem Besuch der Bad Camberger Altstadt verbinden." Eine Win-Win-Situation, wenn alles läuft, wie man es sich erhofft.

Es geht hoch hinaus, und die Arbeiten an den Gebäuden sind fortgeschritten.

Doch jetzt wird erst einmal noch Vorarbeit geleistet. Bauleiter Till Kremer greift zum Telefon. Der Niederselterser muss etwas abklären. Derweil zeigen Spindler und Schröder die Pläne, die jetzt im Wald umgesetzt werden: Das Hauptgebäude ist schon sehr weit fortgeschritten, vier Türme und 56 schlankere Stützen werden folgen. Stützen, die 1,20 Meter auf 1,20 Meter messen und nach vier Richtungen abgespannt werden. "Minimalinvasiv mitten in den Kronen", sagt Tobias Spindler.

Was könnte es noch geben? "Ein Kneipp-Becken in den Bäumen", schlägt Stadtmarketing-Leiterin Sabine Rubröder vor. Das wäre wohl noch ein Alleinstellungsmerkmal für Bad Camberg. Gar nicht so abwegig, meinen die beiden Chefs von Forest Adventures. Sie haben sogar schon daran gedacht. Aber das wäre dann auch erst einer der nächsten Schritte. (Von Petra Hackert)

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