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Ihr erster öffentlichkeitswirksamer Auftritt für die Stabsstelle Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung der Stadt Bad Camberg: Sabine Rubröder brachte beim Herbstmarkt 2018 den Gerstensaft zum Fließen. Rechts im Bild Bürgermeister Jens-Peter Vogel, von links der Zauberer Massimo und Stadtverordnetenvorsteher Heinz Schaus.

Ende einer Stabsstelle

Bad Camberg: Statt Stadtmarketing wieder Kurdirektor?

  • vonPetra Hackert
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Sabine Rubröder verlässt die Kurstadt zum Jahresende

Noch hat die Stadt Bad Camberg eine Beauftragte für Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung, dafür keinen Kurdirektor mehr. Künftig wird das wohl wieder anders sein. Sabine Rubröder hat ihren Vertrag zu Ende Dezember gekündigt. Die Villmarerin möchte in ihre alte Beschäftigung, freiberufliches Marketing, zurückwechseln. Ist das Bad Camberger Stadtmarketing gescheitert? Sowohl Rubröder als auch Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) sehen das nicht so. "Sie hat Impulse gegeben", sagt der Rathaus-Chef. Nur ist es etwas anderes, frei zu arbeiten und selbstständig schnelle Entscheidungen zu treffen, oder sich innerhalb einer Verwaltung abzustimmen.

Verkaufsoffene Sonntage schaffen

Gleich am Anfang ihrer Tätigkeit im September 2018 betätigte sich die 53-Jährige als Problemlöserin: Ein Konzept für den Herbstmarkt musste her, mit dem es gelang, die Durchführung des verkaufsoffenen Sonntages genehmigungsfähig zu gestalten. Sabine Rubröder setzte weiter darauf, die Stadt Bad Camberg als Magnet zur Bindung aller Interessengruppen zu etablieren und deren Bekanntheitsgrad zu steigern. "Bürger, Vereine, Gewerbetreibende, Kurgäste, Touristen, potenzielle Neubürger sowie ansiedlungswillige Gewerbetreibende sollten hier eine Anlaufstelle finden", betont sie.

Die Inhaberin der Stabsstelle Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung im Bad Camberger Rathaus hat eng mit der Kurverwaltung zusammengearbeitet. Für ein Übergangsjahr war Bodo Schäfer noch Kurdirektor. Mit dessen Pensionierung sollte es diese Position nicht mehr geben, das gemeinsame Jahr den Wechsel in neue Strukturen erleichtern, denn die Bad Camberger hatten in Sachen Kur schon einiges ausprobiert. Viele denken noch gerne an "den" Kurdirektor schlechthin, Helmut Plescher, zurück. Er hatte Bad Camberg geprägt. Es folgte der Versuch einer eigenständigen Kur-GmbH, der scheiterte. Die letzten Jahre bestimmte Bodo Schäfer die Kur im ältesten hessischen Kneippheilbad. 48 Jahre war der Runkeler im Verwaltungsberuf tätig, davon 42 Jahre in Diensten der Stadt, davon 22 Jahre in der Bad Camberger Kur.

Zwei Welten sind aufeinandergeprallt: Der Kurdirektor als Verwaltungs-Job mit einem werbewirksamen Anteil bei Messen, Märkten, Veranstaltungen und das Stadtmarketing samt Wirtschaftsförderung mit einer studierten Betriebswirtin und Nicht-Verwaltungsfrau. Sie wollte besonders im Bereich Digitales und Vernetzung neue Wege beschreiten - bis zur Pandemie.

Jetzt ist alles im zweiten Lockdown. Die Anstrengungen der heimischen Wirtschaft, den Folgen des Virus gegenüberzutreten, sind alles andere als einfach und gerade wieder ausgebremst. Wie können Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung unter diesen Bedingungen noch funktionieren?

Ein Bindeglied ist die Initiative "Lokal shoppen und genießen". Sabine Rubröder nennt hier auch die Online-Sichtbarkeit der Gastronomen, Einzelhändler und Dienstleister: "Uns ist es gelungen, den Unternehmen eine Plattform zu bieten, auf der sie auch in der Phase eines Lockdowns mit den Kunden in Kontakt bleiben und spezielle Angebote, Aktionen oder Lieferservices offerieren können. Die Besucherstatistik zeigt, dass die Nachfrage gerade in den schwierigen Phasen der Corona-Pandemie auffallend gestiegen ist."

Das große Ziel: Bad Camberg 4.0

Als mittel- bis langfristiges Ziel hatte sie sich das Projekt "Bad Camberg 4.0" gesetzt. Dabei handelt es sich um eine Online-Plattform, die sowohl den Kurbetrieb als auch den touristischen Bereich, Kultur, Vereine, einen Veranstaltungskalender, einen Mängelmelder sowie die digitalen Services der Verwaltung und vieles mehr bündeln sollte. "Dieses Projekt ist angestoßen", sagt Rubröder. Bis zum Jahresende wolle sie es so weit wie möglich vorantreiben. Ein Leerstands- und Einzelhandelskonzept sowie Bad Camberg als Marke für den Kurbereich, den Einzelhandel, die Gastronomie und Dienstleister zu positionieren sei im Maßnahmenkatalog des Förderprogramms "Lebendige Zentren" verankert und somit ebenfalls in die Wege geleitet.

Sabine Rubröder hat die Entscheidung getroffen, wieder selbstständig zu arbeiten. Die Stadt Bad Camberg wird aller Voraussicht nach zur Position eines Kurdirektors (oder einer Kurdirektorin) zurückkehren. "Meiner Ansicht nach wäre es günstig, beides zu vernetzen", sagt Bürgermeister Vogel. Viele Aufgaben greifen tatsächlich ineinander. Auch Bodo Schäfer hatte in seiner Arbeit, unter anderem beim Bewerben von Veranstaltungen wie dem Höfefest oder der Präsenz bei Messen und Veranstaltungen im Sinne der Kneipp-Kur, einen Beitrag zum Stadtmarketing geleistet. Den Gedanken des Bürgermeisters, beides zu verbinden, wolle der Magistrat so nicht mittragen, sagt Jens-Peter Vogel. Aller Voraussicht nach werde es in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres - falls der Stellenplan im Haushaltsentwurf der Stadt so genehmigt werde - wieder eine Kurdirektor-Position geben. Der Weggang der Stadtmarketing-Beauftragten zum Jahresende sei pandemiebedingt wohl der richtige Zeitpunkt. "In der ersten Jahreshälfte 2021 wird es sicher wenige Veranstaltungen zu fördern geben", sagt der Bürgermeister.

Im Bereich Wirtschaftsförderung setzt die Lungenkrankheit Covid 19 neue Regeln. Fördermittel des Bundes werden, so zeigt die Statistik, nicht in dem Maße abgerufen wie erhofft - was auch am Prozedere liegt. Da gibt es bereits Kritik aus Wirtschaft und Politik. Vogel: "Es ist eine schwierige Zeit, und wir müssen daran arbeiten, dass es viele Betriebe überstehen."

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