Julia Frühauf und Thomas Brück sehen sich die Stelle an. Auf dem kleinen städtischen Grasstreifen nahe der Kreuzung könnten Familie und Freunde Kerzen und Bilder aufstellen, um ihrer Trauer Ausdruck zu geben.
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Julia Frühauf und Thomas Brück sehen sich die Stelle an. Auf dem kleinen städtischen Grasstreifen nahe der Kreuzung könnten Familie und Freunde Kerzen und Bilder aufstellen, um ihrer Trauer Ausdruck zu geben.

Gefährliche Kreuzung

Nach tödlichem Unfall an der Ampel: Anwohner setzt alle Hebel in Bewegung

  • vonPetra Hackert
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Angehörige und Freunde trauern nach dem Tod des 29-jährigen Motorradfahrers, der auf der Pommernstraße in Bad Camberg verunglückt ist. Ein kleiner Gedenkplatz ist entstanden. Gleichzeitig laufen die Gespräche in Sachen Ampel weiter.

Bad Camberg - Er war 29 Jahre alt, Polizist, Handballer, glücklich verheiratet, mit großem Freundeskreis. Der tragische Unfall an der Kreuzung Pommernstraße in Bad Camberg setzte seinem Leben ein Ende. Eine gleichaltrige Autofahrerin kollidierte mit dem Motorrad, hatte möglicherweise nicht realisiert, dass auch er an der Ampel "Grün" hatte, als sie fahren durfte und nach links abbog. Er fuhr geradeaus. 

Es gibt Lichtzeichenanlagen, die so geschaltet sind, dass nur einer von beiden das grüne Signal erhält. Dennoch: Die Bad Camberger Ampel ist nicht die einzige, bei der es anders ist. Tragisch für beide Seiten: Für die junge Frau, die einen schrecklichen Unfall verarbeiten muss und die Freunde und Angehörigen des tödlich Verunglückten.

Tödlicher Unfall in Bad Camberg: Gedenkplatz entsteht an Ampel

Bilder, Kerzen, kleine Steine erinnern jetzt an André. Sie stehen seitlich am Rand eines Grundstücks zur Straße hin. Sein Bild hängt an der Ampel. "Der Unfall ist nicht genau an dieser Stelle passiert, wo jetzt die Bilder stehen. Aber plötzlich stand dort eine Kerze", erinnert sich Thomas Brück. Der Bad Camberger wohnt nicht weit davon. Ihm ist die Sache an die Nieren gegangen. So sehr, dass er alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um die Ampelschaltung zu verbessern. Er hat Hessen Mobil angeschrieben und seine Anregungen weitergegeben, die Stadt, den Landrat. Überall habe er Unterstützung gefunden, sagt Brück und hofft, dass es eine bessere Lösung gibt, hier künftig gefährliche Situationen zu vermeiden. Auch der Bad Camberger Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) hatte sich deshalb mit Hessen Mobil in Verbindung gesetzt, ebenso Landrat Michael Koeberle (CDU). "Wir setzen uns gemeinsam mit Hessen Mobil für eine Verbesserung der Verkehrssicherheit im Kreuzungsbereich ein. Aktuell laufen entsprechende Gespräche", bestätigte der Landrat gestern.

Der Grund für das Treffen am Dienstagabend (16.06.2020) an Ort und Stelle mit Julia Frühauf, die zum Freundeskreis des Unfallopfers gehört, zwei weiteren Freunden und Heike Niehörster, Ordnungsamtsleiterin der Stadt Bad Camberg, war nun ein Standortwechsel. Das Grundstück, an dessen Rand jetzt Kerzen und Bilder stehen, ist in Privatbesitz. Die Witwe wurde gebeten, einen anderen Platz dafür zu finden. Die Stadt Bad Camberg hat reagiert und einen Grünstreifen gleich neben der Straße zur Verfügung gestellt. Freitagfrüh (19.06.2020) will Thomas Brück dort mähen, dann können die Erinnerungsstücke umziehen.

Bad Camberg: Schaltung der Ampel soll nach Unfall überprüft werden

Jeder verarbeitet seine Trauer anders. Diejenigen, die die erste Kerze aufgestellt haben, die Freunde, die Angehörigen, werden an dieser Stelle einen Anlaufpunkt finden, um nicht zu vergessen.

Thomas Brück wiederum will weiter am Ball bleiben. Hessen Mobil hat zugesagt, die Ampelschaltung zu überprüfen - das stehe turnusgemäß ohnehin an. Seine Ideen hat er an die Behörde weitergeleitet.

Bad Camberg: Es gibt Alternativen für die Ampel

"Bei einer anderen Ampelschaltung - erst B8 beidseitig durchgehen, dann erst die Linksabbieger - hätte der Motorradfahrer überlebt", meint Brück. Allein die Tatsache eventuell in Zukunft ein Menschenleben zu retten, sollte seiner Meinung nach Anlass geben, schnellsten diese Schaltung zu ändern und eine Ampel für Linksabbieger dazu zu bauen. Eine weitere Gefahrenquelle sieht er noch: "Wenn man von der Stadtmitte kommend nach rechts in die Pommernstraße abbiegt, haben die dort kreuzenden Fußgänger auch Grün. Ich halte gerade diese Situation für massiv gefährlich, da hier nicht nur Kinder oder Fahrräder die Kreuzung queren, sondern auch viele ältere Menschen." Die Fußgängerampeln sollten alle gleichzeitig auf Grün gehen. Somit wäre sichergestellt, dass kein Fahrzeug mehr kommen wird", meint Brück.

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