Vor der Sport-Insel mit angeschlossener Postfiliale ist derzeit wenig los. Beide Läden sind geschlossen.
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Vor der Sport-Insel mit angeschlossener Postfiliale ist derzeit wenig los. Beide Läden sind geschlossen.

Ärger in Bad Camberg

Plötzliche Schließung wegen Corona? Postfiliale am Bahnhof ist zu

  • vonTobias Ketter
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Die plötzliche Schließung der Postfiliale in Bad Camberg sorgt für Irritationen. Betreiber Thomas Maurer kritisiert die Deutsche Post und fordert eine höhere Vergütung.

Bad Camberg – Die Postfiliale nahe des Bahnhofs in Bad Camberg ist geschlossen. Das sorgt für Verwirrung in der Kurstadt. Am gestrigen Dienstag standen Bürger mit Briefen und Paketen unter den Armen vor der Sport-Insel, in der sich die Poststelle befindet, und wunderten sich über die verschlossene Tür.

"Sehr geehrte Kunden der Postfiliale Bad Camberg, leider müssen wir aufgrund der Corona Kontakt- und Betriebsbeschränkungen unser Geschäft schließen", ist auf einem Plakat zu lesen. Betreiber Thomas Maurer hat sich für diesen Schritt entschieden. Die Postfiliale erziele nach der vorübergehenden Schließung der Sport-Insel wegen der Corona-Pandemie nicht genügend Umsatz, um die Kosten zu decken.

Corona in Bad Camberg: Postfiliale liegt an einem „hervorragenden Standort“

"Die Post ist eigentlich eine Animationsabteilung für das Sportfachgeschäft", so Maurer. Postkunden schauen sich oft auch in der Sport-Insel um, so dass dadurch eine zusätzliche Einnahmequelle entsteht. Um die Filiale auch während der Corona-Krise weiter betreiben zu können, benötige Maurer nach eigenen Angaben eine höhere Vergütung. "Der Deutschen Post muss klar gemacht werden, dass es so nicht weitergeht", sagt er. Derzeit erhalte der Betreiber eine monatliche Vergütung von 7000 Euro. Diese reiche noch nicht einmal, um die Personalkosten zu decken. "Hinzu kommen noch Miet- und Nebenkosten für die Filialbereich und den Geldautomaten, die nicht erstattet werden."

"Um die Postfiliale während der verordneten Schließung des Sportgeschäfts weiter offenzuhalten, benötigen wir zur Kostendeckung monatlich 2000 Euro mehr", sagt Maurer. Ansonsten sei an eine zügige Wiederöffnung nicht zu denken. "Eigentlich ist es schade, dass ich diesen Entschluss fassen musste. Denn die Postfiliale liegt an einem hervorragenden Standort und der Service ist sehr gut", berichtet er.

Maurer kritisiert das Vorgehen der Deutschen Post scharf. "Es werden Rekordgewinne erzielt und die kleinen Filialen bleiben auf der Strecke", sagt er. Vieles verschiebe sich in das Internet, so dass es für die Mitarbeiter an Ort und Stelle zunehmend schwieriger werde, genügend Umsatz zu erzielen. Man leiste immer mehr Arbeit, erziele aber immer weniger Einnahmen.

Schließung infolge der Corona-Krise: Post habe fristlose Kündigung angedroht

Die Deutsche Post kann die Kritik von Thomas Maurer nicht nachvollziehen. "Meist sind Postfilialen ein zweites Standbein neben einem weiteren Laden. Die Betreiber müssten doch eigentlich froh sein, dass sie im Lockdown dieses Zubrot nutzen können, während das Hauptgeschäft meist geschlossen bleiben muss", sagt Pressesprecher Heinz-Jürgen Thomeczek. Ähnliche Beschwerden seien bei der Deutsche Post in den vergangenen Wochen kaum eingegangen. Den Angaben von Thomeczek zufolge erhalte das Unternehmen während der Corona-Krise sogar viele Anfragen von Interessenten, die eine Filiale eröffnen wollen.

Laut Maurer habe die Deutsche Post ihm eine fristlose Kündigung angedroht. "Eine vorübergehende Schließung ist nicht unbedingt ein Kündigungsgrund", entgegnet Thomeczek. Dies komme beispielsweise hin und wieder auch vor, wenn Mitarbeiter erkranken. "Das bedeutet aber noch lange nicht, dass wir dann eine Kündigung ausstellen", so der Pressesprecher. Werde allerdings der bestehende Vertrag zwischen Betreiber und Deutscher Post verletzt, könne es durchaus zu einer fristlosen Kündigung kommen.

Corona-Lockdown in Bad Camberg: Keine finanzielle Hilfe für die Postfiliale

Nicht nur zwischen Thomas Maurer und der Deutschen Post gibt es derzeit Konflikte. Der Betreiber der Postfiliale und der Sport-Insel wurde vor knapp zwei Wochen von der Stadt darauf hingewiesen, dass er die Ladenfläche seines Sportgeschäfts umgehend schließen müsse. "Wir haben ihm mitgeteilt, dass die Öffnung während des Corona-Lockdowns nicht rechtens ist", sagt Jens-Peter Vogel, Bürgermeister von Bad Camberg. In den vergangenen Wochen sei es immer wieder vorgekommen, dass Kunden trotz der geltenden Corona-Maßnahmen in dem Geschäft gestöbert hätten. Nachdem die Kreisverwaltung die Stadt Bad Camberg darüber informiert hatte, wendete diese sich mit einem Brief an den Geschäftsmann. Daraufhin schloss er das Sportgeschäft vorübergehend.

"Uns sind die Hände gebunden. Wir müssen die Pandemie gemeinsam in den Griff bekommen", sagt Vogel. Eine finanzielle Unterstützung seitens der Stadt, um die Postfiliale während des Lockdowns wieder zu öffnen, schließt er aus. "Wir müssen alle Gewerbetreibenden gleich behandeln, und wir haben nicht das Geld, um jedem finanziell unter die Arme zu greifen", erklärt der Bürgermeister. (Tobias Ketter)

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