Kristof, Oskar und Michael beim Trockenbürsten in der Kneipp-Kita "Kinderoase" in der Bad Camberger Kernstadt. Das entspannt. Angespannt ist hingegen die politische Debatte in punkto Platzangebot. Eine Erweiterung ist nötig. Daher wird eine weitere Gruppe an anderer Stelle eingerichtet. Das Stadtparlament hat sich für das Kurmittelhaus entschieden.
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Kristof, Oskar und Michael beim Trockenbürsten in der Kneipp-Kita "Kinderoase" in der Bad Camberger Kernstadt. Das entspannt. Angespannt ist hingegen die politische Debatte in punkto Platzangebot. Eine Erweiterung ist nötig. Daher wird eine weitere Gruppe an anderer Stelle eingerichtet. Das Stadtparlament hat sich für das Kurmittelhaus entschieden.

Wohin mit den Kindern?

Bad Camberg: Wirbel um neue Kita-Gruppe

Stadtverordnete stimmen für Betreuungsangebot im Kurmittelhaus

Bad Camberg -In Bad Camberg werden immer mehr Kita-Plätze benötigt. Besonders viele Eltern von Heranwachsenden unter drei Jahren suchen laut der SPD-Fraktion ein geeignetes Betreuungsangebot für ihre Sprösslinge. Auch in der städtischen Kindertagesstätte Kinderoase, die sich in der Kernstadt befindet, gebe es bereits eine lange Warteliste für die Aufnahme von Kindern zwischen null und drei Jahren. Deshalb sollen zum Kindergartenjahr 2021/22 zwölf weitere Betreuungsplätze geschaffen werden.

Darüber sind sich die Stadtverordneten und auch der Magistrat der Kurstadt einig. Doch weil es in dem Kita-Gebäude dafür nicht genügend Platz gibt, muss die neue zwölfköpfige Gruppe an einen anderen Standort ausweichen. Wo die Mädchen und Jungen nach den Sommerferien betreut werden, ist jedoch noch nicht klar. Das Thema wurde während der Stadtverordnetenversammlung in der vergangenen Woche teilweise emotional debattiert.

Die SPD-Fraktion stellte einen Antrag, der besagt, dass die neue Gruppe aufgrund der fehlenden räumlichen Ressourcen in der Kinderoase im Kurmittelhaus von Bad Camberg untergebracht werden soll. "Die hierfür nötigen baulichen Maßnahmen und die Einholung einer Betriebserlaubnis müssen unverzüglich veranlasst werden", sagte Jürgen Eufinger, Fraktionsvorsitzender der SPD. Die neue Gruppe solle nur von Kindern unter drei Jahren besucht werden, da die Stadt beim Betreuungsangebot für Drei- bis Sechsjährige derzeit recht gut aufgestellt sei. Dies liege unter anderem auch an den Investitionen in den Kitas von Erbach, Oberselters und Würges.

Die SPD verfolgt das Ziel, die Kita-Gruppe möglichst wohnortnah einzurichten. "Da es sich um eine U3-Gruppe für Kinder aus dem Wohnumfeld der Kernstadt handelt, halten wir es für zwingend notwendig, die zusätzlichen Betreuungsräumlichkeiten auch in der Kernstadt zu schaffen", so Eufinger. Deshalb sei das Kurmittelhaus geeignet und tauglich. Darüber hinaus lasse sich der Standort gut mit dem Motto "Kneippkindergarten" der Kinderoase verbinden.

Eine erste Eignungsuntersuchung des Standorts sei bereits im Herbst des vergangenen Jahres durch die zuständige Fachbehörde "Kindergartenaufsicht des Jugendhilfeträgers des Landkreises Limburg-Weilburg" durchgeführt worden. "Die Beurteilung war positiv. Lediglich im Sanitärbereich sind kleinere Umbaumaßnahmen nötig", sagte Eufinger. Das Gebäude verfüge über genügend großzügige Räumlichkeiten und auch über ein geeignetes Außengelände für die Kinder.

Bauliche Mängel und Schadstoffe

Daniel Rühl, Vorsitzender der CDU-Fraktion, befürwortete den Antrag der SPD. "Wir müssen Kita-Plätze dort schaffen, wo die Kinder auch wohnen", sagte er. Zwischen den beiden größten Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung herrschte also Einigkeit.

Doch es gibt ein Problem: "Der Magistrat hat bereits vor der Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass die zwölfköpfige Kita-Gruppe in die jetzt leerstehende Katholische Kindertagesstätte nach Erbach ziehen soll", erklärte der Vorsitzende der Christdemokraten. Darüber hinaus habe der Magistrat entschieden, eine altersgemischte Gruppe zu gründen. Es handele sich somit nicht um ein Betreuungsangebot, das ausschließlich Kinder zwischen null und drei Jahren wahrnehmen können.

"Eine Verlagerung des Angebotes in die ehemalige Erbacher Kindertagesstätte halten wir für nicht tauglich", so Eufinger. Es müssten nämlich noch verschiedene bauliche Maßnahmen umgesetzt werden, um den Standort nutzen zu können. "Außerdem ist die Kita geschlossen worden, weil erhebliche bauliche Mängel und Schadstoffbelastungen festgestellt wurden", merkte der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten an. "Ebenso sprechen erweiterte Anfahrtswege für die Eltern gegen eine Teilverlagerung des Betreuungsangebotes der Kinderoase in den Stadtteil Erbach." Darüber hinaus sei eine gemischte Gruppe nicht zielführend, da besonders Plätze für Kinder unter drei Jahren fehlen würden. Eine Auslagerung der Gruppe sei sowieso nur eine Übergangslösung, für die sich das Kurmittelhaus am besten eigne.

Peter Bermbach, Christdemokrat und Erster Stadtrat von Bad Camberg, sagte, dass es bezüglich der Nutzung des Kurmittelhauses "kontroverse Meinungen" gebe. Laut seinen Aussagen fordern einige Stimmen, dass das Gebäude nur für Kurzwecke genutzt werden sollte. Auch deshalb habe man die "Erbacher Variante" ins Auge gefasst. "Der Magistrat hat damals einstimmig für die Nutzung der ehemaligen Kindertagesstätte in dem Stadtteil votiert", berichtete Bermbach. Er appellierte an die Stadtverordneten, dem Beschluss des Magistrats zuzustimmen, da die nötigen Baumaßnahmen im Kurmittelhaus keinesfalls bis nach den Sommerferien abgeschlossen werden könnten.

Die Stadtverordneten folgten dem Aufruf des Ersten Stadtrats allerdings nicht. Mit einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen stimmten sie dem Antrag der SPD-Fraktion zu. "Unser vorgeschlagener Weg ist der geeignetste.", so Eufinger. Der Christdemokrat Daniel Rühl ergänzte: "Es hat in der Vergangenheit leider viele widersprüchliche Signale zu dem Thema gegeben. Klar ist aber, dass die meisten Eltern die Sachlage so wie wir sehen." Bürgermeister Jens-Peter Vogel, der krankheitsbedingt nicht an der Versammlung teilnehmen konnte, habe nun das Recht und die Pflicht, dem angenommen Antrag zu widersprechen, wenn dadurch das "Gemeinwohl der Bürger" gefährdet sei, also die Schaffung von einem Betreuungsangebot im Kurmittelhaus definitiv nicht umgesetzt werden könne. Ob die neue Kita-Gruppe nun in das Kurmittelhaus oder in die ehemalige Kita nach Erbach zieht, bleibt somit abzuwarten.

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