Von der einstigen Pracht des Bayrischen Hofs ist nicht mehr viel übrig geblieben.
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Von der einstigen Pracht des Bayrischen Hofs ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Im Bad Camberger Parlament wurde das Thema vertagt

Bayrischer Hof: Bürger stimmen für Komplettabriss

  • Tobias Ketter
    VonTobias Ketter
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Stellungnahme der Denkmalschutzbehörde steht noch aus

Wie geht es mit dem Bayrischen Hof und dem benachbarten Kinosaal in Bad Camberg weiter? Diese Frage stellen sich derzeit viele Bürger und auch Politiker aus der Kurstadt. Dank des Städtebauförderprogramms "Lebendige Zentren" soll das Areal, das von Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD) als "Tor zur Altstadt" bezeichnet wurde, neu gestaltet werden. Ob die seit rund 30 Jahren ungenutzten und maroden Gebäude vollständig abgerissen werden, ist aber noch unklar.

Ursprünglich wollten die Stadtverordneten von Bad Camberg während ihrer Versammlung am Dienstagabend über das Förderprogramm "Lebendige Zentren" sprechen. Doch das Thema wurde kurzfristig von der Tagesordnung genommen. Stadtverordnetenvorsteherin Andrea Reusch-Demel (CDU) teilte den Mandatsträgern und Gästen lediglich mit, dass es eine "rege Teilnahme" an einer Bürgerversammlung zum Thema Bayrischer Hof gegeben habe. "Es wurde allerdings bislang nichts entschieden. Die Stellungnahme der Denkmalschutzbehörde steht noch aus und auch die Online-Umfrage läuft noch", sagte Reusch-Demel.

Abstimmung über drei Varianten

Im Internet unter www.bad-camberg-lebendigeszentrum.de/ können die Bürgerinnen und Bürger ihre Stimme für eine der folgenden drei vorgeschlagenen Varianten abgeben.

Variante 1: Abriss des ehemaligen Lichtspielhauses unter Erhalt des Stirnbaus Bayrischer Hof und anschließender Neubebauung.

Variante 2: Abriss des ehemaligen Lichtspielhauses unter Erhalt des Stirnbaus Bayrischer Hof und anschließender Gestaltung einer öffentlichen Freifläche beziehungsweise Grünanlage.

Variante 3: Komplettabriss des Lichtspielhauses und des Bayrischen Hofs sowie Schaffung einer öffentlichen Freifläche beziehungsweise Grünanlage.

Eindeutiges

Zwischenergebnis

Michael Stoll von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft präsentierte während der Bürgerversammlung zum Thema Bayrischer Hof ein vorläufiges Ergebnisse der Online-Umfrage. Laut seinen Angaben sprachen sich bis zu diesem Zeitpunkt 55 Prozent der Teilnehmer für einen Komplettabriss und eine öffentliche Freifläche aus. 34 Prozent stimmten für einen Teilabriss und die Gestaltung einer Freifläche.

Im Anschluss an die Bürgerversammlung durften auch die Anwesenden an Ort und Stelle über die Zukunft des Areals abstimmen. Jeder Teilnehmer hatte zu Beginn der Veranstaltung eine Walnuss bekommen, die nun in eine der drei Urnen geworfen wurde, welche für die Varianten aufgestellt wurden. Dabei kam es zu einem noch eindeutigeren Ergebnis als im Internet. Von insgesamt 90 abgegebenen Stimmen entfielen 75 auf den Komplettabriss mit öffentlicher Freifläche. 14 Bürger votierten für den Teilabriss und eine öffentliche Freifläche. Nur eine Person sprach sich für einen Teilabriss mit Neubau aus.

Die Verantwortlichen informierten die Teilnehmer der Bürgerversammlung darüber, dass die Varianten zunächst nur Vorschläge seien und erst nach der endgültigen Entscheidung präziser geplant werden könne. Der Stadtbauamtsleiter Jan Pieter Subat stellte den aktuellen Zustand des Bayrischen Hofs vor. Er griff dabei auf die Ergebnisse des Ingenieurbüros Artec zurück. Abrisskosten von etwa 125 000 Euro stünden Kosten von rund 1,2 Millionen Euro für die Wiederherstellung eines bautechnisch sicheren Zustandes gegenüber.

Während der Bürgerversammlung wurden auch Fragen aus dem Publikum beantwortet. Neben der Laufzeit des Förderprogrammes (bis zu zwölf Jahre) wurde auch die Frage aufgeworfen, ob denn tatsächlich Handlungsbedarf bestünde oder vielleicht doch einfach alles so bleiben könne wie es ist. Andrea Reusch-Demel verdeutlichte mit ihrer Antwort, dass es der Wunsch der Politik sei, dem Areal wieder zu einem schönen Anblick zu verhelfen.

Sicherungskosten

wegen Einsturzgefahr

Bürgermeister Jens-Peter Vogel bezog klar Stellung auf die Frage, ob die Stadt sich das Vorhaben leisten könne. Laut seiner Aussage müsse sich die Stadt dies leisten. Eine derartige Förderung sei zu einem späteren Zeitpunkt fraglich und auch die Bedeutung des "Tores zur Altstadt" sei zu groß, um den jetzigen Zustand aufrechtzuerhalten. Der Bayrische Hof präsentiere sich derzeit wenig einladend, berichtete Vogel. Zudem fielen jährlich Sicherungskosten an, damit von dem einsturzgefährdeten Objekt keine Gefahr ausgehe.

Auf die Frage nach möglichen Investoren erwiderte der Bürgermeister, dass es kein Problem sei, diese zu finden. Die Hürde stelle vielmehr die unterschiedliche Interessenlage dar. "Während der Stadt an einem schönen Erscheinungsbild gelegen ist, stehen bei einem Investor naturgemäß wirtschaftliche Interessen im Vordergrund", so der Verwaltungschef von Bad Camberg. tobias ketter

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