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Der Kabarettist Peter Beck amüsiert sein Publikum.

Satire

So war Begge Peder im Bad Camberger Kurhaus

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„Ohne Härn is mer wie bleed“, sagt der „Begge Peder“. Recht hat er. Über 500 Zuschauer im prallvollen Bad Camberger Kurhaus lernten, was er meint und amüsierten sich prächtig.

Sobald er die schiefen Zähne im Mund, die Hornbrille auf der Nase und den Hut auf dem Kopf hat, ist er ein anderer Mensch: Aus Peter Beck wird der „Begge Peder“. Ein Grantler, wie er im Buche steht, und doch irgendwie liebenswert. Manchmal jedenfalls. Und immer unterhaltsam. Mehr als zwei Stunden brachte der Bad Schwalbacher Kabarettist das Publikum im prallvollen Kurhaus zum Schmunzeln, Lachen und auch zum Nachdenken. Das allerdings meistens dann, wenn er die Zähne aus dem Mund nahm.

Die Verwandlung ist perfekt: Kaum hat er sich auf offener Bühne umgezogen, erzählt der Mann im grauen Kittel von alltäglichen Begebenheiten und kleinen Malessen, die viele kennen, aber nicht unbedingt selbst erleben wollen. Also Grund genug, sich zu freuen – zum einen, weil es den Zuschauer in der sicheren Bankreihe nicht selbst trifft. Zum anderen, weil Schadenfreude manchmal eben doch die beste Freude ist. Zum dritten, weil der Mann auf der Bühne selbst darüber lachen kann. Deshalb fällt es nicht schwer, sich richtig zu amüsieren.

Aber er kann auch ernst. Besonders an zwei Stellen wird das deutlich: Wenn er von der Kreuzfahrt erzählt und einen kleinen Schwenk macht zum Thema Luftverschmutzung. „Ein einziger Ozeanriese stößt auf einer Kreuzfahrt so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw auf gleicher Strecke“, meldete der deutsche Naturschutzbund. Dies in Relation gesetzt zu den Einschränkungen, die durch Umweltzonen und Dieselfahrverbote auch in kleineren Städten in Kauf genommen werden, macht nachdenklich. Da trifft es viele direkt.

Das andere kommt nach der Show: Peter Beck ist im Vorstand einer Mainzer Stiftung, die krebskranken Kindern hilft. Am Ende seiner Programme macht er darauf aufmerksam und bittet das Publikum, das sich gut unterhalten hat, um eine Spende. 340 000 Euro seien so in zwölf Jahren zusammengekommen, nennt er die beeindruckende Zahl.

Auch das Publikum in Bad Camberg nutzte die Gelegenheit zu helfen – hatte es doch vorher selbst eine Gute-Laune-Kur hinter sich, wie sie im Buche steht. Der Zuhörer lernt, wie es ist, wenn „meine Frau silberne Hochzeit hat“, verfolgt gespannt, wie „zwei Kilo Klamotten für den Garten“ im Keller landen, immer wieder, weil die Kleidung natürlich viel zu schade zum Wegwerfen ist, und erfährt, dass nur Frauen einen Kleiderschrank brauchen. „Männer habbe en Stuhl und höchstens noch en Badewannerand.“ Viele kleine und große Vorurteile bündeln sich, die Folge der Stoßgebete strapaziert die Lachmuskeln, und es entstehen Bilder im Kopf. Wenn zum Beispiel versucht wird, die Sauna-Einzelteile aus dem Baumarkt im heimischen Keller aufzubauen. Oder wie es ist, gemeinsam mit der lieben Gattin („es Marlies“), Günter „Flatley“ und „Little Joe“ (wie sind sie nur zu diesen Spitznamen gekommen?) eine Runde zu entspannen. Dem Erzähler auf der Bühne gelingt das nicht. Den Zuschauern sehr wohl.

Am Ende stehen mehr als zwei Stunden beste Unterhaltung und die Freude am Leben, die Peter Beck gerne vermitteln möchte. Denn, so sagt er selbst: „Man hat nur ein Leben.“ Das sollte man dann auch genießen. Über 500 Zuschauer haben das an diesem Abend getan.

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