Kita-Leiterin Irina Kitt und Michael (3) zeigen, wie das Armbad richtig funktioniert.
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Kita-Leiterin Irina Kitt und Michael (3) zeigen, wie das Armbad richtig funktioniert.

Tipps aus der Kneipp-Kurstadt Bad Camberg

Besser als Kaffee: Ein Armbad macht hellwach

  • vonPetra Hackert
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Eine kleine Serie rund um das Thema KneippWer etwas müde ist, Kopfschmerzen hat oder einfach mal zwischendurch Energie tanken möchte, dem empfehlen die Kneippianer ein Armbad. Das geht ganz einfach, erfrischt schnell und wird deshalb gerne auch "der Kneipp'sche Bohnenkaffee" genannt.

Der ausgehöhlte Baumstamm sieht aus wie ein kleines Boot. Nur auf dem Wasser schwimmen kann man damit nicht. Dafür aber die Arme tief hineintauchen. Michael macht das gerade. Gemeinsam mit Kita-Leiterin Irina Kitt nutzt der Dreijährige diese Möglichkeit auf dem Außengelände der Kneipp-Tagesstätte "Kinderoase", um sich zu erfrischen. Jetzt ist es gerade etwas kühler draußen. Aber das spielt keine Rolle. Wer drinnen müde wird und meint, er bräuchte ein Schläfchen, kann sich hinlegen. Wenn dafür die Zeit zu kurz ist oder ein Vorhaben ansteht, für das man hellwach sein muss, dann hilft ein erfrischendes Armbad.

Abschiedsgeschenk der Schulzwerge

Das haben die Jungen und Mädchen der Kneipp-Kita schon früh gelernt. Sie können Tautreten, Blumen und Pflanzen unterscheiden, lieben ihren Kräutergarten und wissen, wo es im Kurpark besonders schöne Kneipp-Angebote gibt. Einen Teil davon haben sie in den Ferien genossen. Die Kneipp-Tretbecken gehören unbedingt dazu. Und "zu Hause", denn ein Zuhause ist das für sie in der "Kinderoase", der bearbeitete Baumstamm, der so natürlich aussieht und sie anlockt. Besonders, wenn er mit frischem Wasser gefüllt ist. Er erinnert an eine glückliche Kindergartenzeit, denn er war das Abschiedsgeschenk der Schulzwerge Jahrgang 2018/2019 an ihre Kita.

Antje Martin arbeitet als Kneipp-Hydrotherapeutin in der "Kinderoase". Sie rät: "Das kalte Armbad ist hervorragend für den Start in den Tag oder für einen Energieschub für zwischendurch geeignet." Sie weiß: "Manchmal fühlt man sich morgens etwas müde und kann seine Gedanken noch nicht richtig ordnen." Da hilft diese Kneipp'sche Anwendung sehr. Hier könne man gerne auch mit Kräutern arbeiten, wie zum Beispiel Rosmarin oder mit sonnengelben Ringelblüten. "Die beiden Heilpflanzen enthalten wertvolle ätherische Öle und unterstützen die Wirkung der Wasseranwendung", erklärt die Therapeutin. Gerade für Menschen, die den Kopf anstrengen, ob groß oder klein, sei das Armbad hilfreich und stärkend, um zwischendurch etwas geistige Energie zu beschaffen.

"Wasseranwendungen wirken ganzheitlich und regen die Durchblutung und den Stoffwechsel an. Die Senkung der Pulsfrequenz, Anregung und Vitalisierung des gesamten Körpers sind die positiven Effekte einer Anwendung nach Pfarrer Kneipp", weiß die Expertin. Deshalb eignet es sich auch hervorragend bei Kopfschmerzen. Die kühlende Wirkung des Wassers lässt den Kopf frei werden. Nicht anwenden sollte man das Armbad bei allgemeinem Unwohlsein, Kältegefühl, kalten Händen, organischen Herzkrankheiten oder Angina Pectoris.

In der "Kinderoase" ist das Armbad bereits bei den Kleinsten ein festes Ritual im Tagesablauf. Wichtig sind die Temperatur und die Dauer der Anwendung.

Jetzt bekommt Antje Martin Unterstützung. Luca (5) und Finn (3) können nämlich etwas dazu erzählen. Beide wissen genau, wie ein richtiges Armbad funktioniert. Sie passen sehr genau auf und berichtigen sofort.

"Was ist wichtig, wenn ich ein Kneipp-Armbad machen möchte?", fragt sie die Kinder. Luca weiß es: "Hände und Arme durchklopfen und reiben, warm machen." Sie achten darauf, dass die Hände und Arme vor einer Kalt-Anwendung warm sind. Wie soll das Wasser sein? "Kalt", beantwortet Finn sofort diese Frage. Antje Martin erklärt es noch ein wenig genauer: Die Wassertemperatur sollte bei Erwachsenen 16 bis 18 Grad und bei Kindern 19 bis 22 Grad betragen. Wer mag, gerne auch kälter. Je nach Abhärtungszustand.

Sich abhärten, um stärker zu werden

Abhärten. Das ist in Corona-Zeiten ein großes Thema. Doch von dem Virus und der damit verbundenen Lungenkrankheit Covid 19 sprechen die Kinder jetzt nicht. Sie kümmern sich um das für sie Wesentliche: Wie funktioniert das Armbad in der Kita? Luca erklärt: "Der Erzieher holt eine Armbadewanne und macht kaltes Wasser rein. Es ist ein Fischthermometer drin. So kann man die Temperatur gut sehen. Jeder, der mag, ist dran. Ich muss meine Arme bis über den Ellenbogen (Mitte Oberarm) eintauchen und alle Kinder zählen bis zehn mit."

Bei Kindern erleichtert das Zählen, die Länge und Dauer der Anwendung besser einschätzen zu können, sagt die Kneipp-Hydrotherapeutin. Denn Kinder haben ein anderes Kältegefühl als Erwachsene. Dies sollten Anwender unbedingt berücksichtigen. Luca fährt fort: "Bei zehn kommen die Arme raus und das Wasser wird abgestreift." Finn: "Jetzt müssen wir rennen und die Arme wieder warm machen."

"Wie oft kann man das Armbad machen?", möchte Antje Martin noch wissen. Auch das ist klar, sagt Luca: "Einmal und dann Pause." Sie denken daran, nach einer Wasseranwendung zwei Stunden Zeit bis zur nächsten vergehen zu lassen. "Auch nach und vor dem Essen ist es wichtig, etwa eine halbe Stunde Pause einzulegen. Der Körper soll sich auf die Wiedererwärmung konzentrieren können", erläutert die Erzieherin. "Wie fühlen sich jetzt eure Arme an?", möchte sie zum Schluss der Anwendung noch wissen. "Es kitzelt, und sie werden warm", beschreibt Luca. Finn ergänzt: "Das geht ganz schnell und macht Spaß."

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