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Bogenschießen und Werfen waren 1969 Disziplinen

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Von: Petra Hackert

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Die Bad Camberger Ortsvorsteherin Susanne Wenz-Erk (vorne) lädt für Dienstag, 23. August, noch einmal zum Zeitzeugen-Treffen ein. Horst Thimm, Guntram Schmitt, Helmut Biegel und Roman Pflüger (von links) haben schon einiges erzählt.
Die Bad Camberger Ortsvorsteherin Susanne Wenz-Erk (vorne) lädt für Dienstag, 23. August, noch einmal zum Zeitzeugen-Treffen ein. Horst Thimm, Guntram Schmitt, Helmut Biegel und Roman Pflüger (von links) haben schon einiges erzählt. © Petra Hackert

Das gab es schon einmal in der Kurstadt

Bad Camberg -Zeitzeugen - gegen diesen Begriff wehren sie sich etwas. Das hört sich so uralt an. Das passt gar nicht. Besonders, wenn man hört, worum es geht. Einer hat einen Drittplatzierten bei den Südwestdeutschen Meisterschaften im Bogenschießen geschlagen, ein anderer hing wie beim Messerwerfen an der Drehscheibe und wurde herumgewirbelt, der Dritte gehörte zu einem Dreier-Team, dem es gelang, an einen Marterpfahl geschnürt am schnellsten und komplett die vereinbarte Strecke zurückzulegen - samt Pfahl und immer noch festgebunden. "Der Marterpfahl stand anschließend bei jedem Lampionfest bei uns im Kurpark", erinnert sich Roman Pflüger. Irgendwann war er weg. Porös geworden nach über 40 Jahren?

1969 war das denkwürdige Datum: Die Camberger waren beim "Spiel ohne Grenzen" dabei - dem originalen mit Camillo Felgen, am Samstagnachmittag, 17. Mai, live im Fernsehen übertragen. Horst Thimm hat noch den Stift. "WDR Spiel ohne Grenzen" steht drauf. "Ich benutze ihn immer noch", sagt er. Damals wurden die Kulis verteilt, außerdem gab es freie Unterkunft, Essen, Trinken, die Fahrt für rund 400 Bad Camberger Fans in einem Sonderzug nach Kempen sowie 60 Mark für alle Teilnehmer des Wettbewerbs. Gewonnen hatten die Camberger damals nicht. "Und dabei waren wir bei den Probeläufen stets Sieger", erinnert sich Thimm. Sogar, als die Kempener und die Camberger beim letzten Training an jenem Samstagmorgen vor den dortigen Schulkindern ein letztes Mal gegeneinander angetreten waren.

"Wir haben einige Tage geübt", erinnert sich Helmut Biegel. Er war der Mann an der Scheibe, und Guntram Schmitt musste werfen. "Die Scheibe hatte vielleicht einen Durchmesser von drei Metern", erinnert sich Biegel. Seine Arme und Beine wurden mit Rohren bis an den Rand verlängert, dazwischen steckten Nägel. Guntram Schmitts Aufgabe war es, Schaumstoffbälle zu werfen, die an den Nägeln hängen bleiben sollten. Der gegnerische Spieler drehte das Rad und versuchte natürlich, das zu vermeiden. Die Bälle waren, damit man sie besser werfen konnte, durchnässt. Nur: "Ich habe so schnell wie möglich geworfen, und je tiefer ich in der Bälle-Box kam, desto nasser waren die. Das konnte man besser werfen, es hielt dann aber nicht mehr so gut an den Nägeln", erinnert sich Schmitt.

Der "Flitzebogen"

aus dem Kaufhaus

Das Bogenschießen: "Der gegnerische Spieler hatte seinen Bogen mitgebracht. Einen langen mit Gewichten, gut austariert", erzählt Horst Thimm. Klar, er war ja Sportschütze. Nur: Die Aufgabe bestand darin, mit einem "Flitzebogen" das Ziel zu treffen, also einer Kaufhaus-Version, geeignet für die Kinderfastnacht. Das Zeitzeugen-Quartett erinnert sich: "Auf welche Bogenlänge schießen Sie denn?", habe der andere Schütze vorher noch gefragt. Dann wurden die Bogen gewechselt, und Helmut Biegels Bruder Günter traf besser ins Schwarze als der Profi. Kein Wunder bei dem "Arbeitsgerät".

Vieles war reine Glückssache, erinnern sich die Teilnehmer des Spiels mit Camillo Felgen. Zu den Voraussetzungen, mitmachen zu dürfen, gehörte, schwindelfrei zu sein und Kontakt mit Tieren zu haben. Roman Pflüger wäre fast angetreten, doch er unterlag in der Bad Camberger Auswahl beim Üben Horst Thimm. Doch dabei war er trotzdem: Als einer der 400, die an besagtem Samstagmorgen mit dem WDR-Sonderzug nach Kempen reisten. "Das war eine unglaubliche Atmosphäre" erzählt er. Harald Marx ergänzt: "Ich habe damals im Auftrag meines Vaters im Zug Cowboyhüte verkauft."

Laufen mit dem Marterpfahl

"Western" war nämlich das Thema damals, und die Aufgaben rechtzeitig bekannt, so dass zum Beispiel das Laufen mit dem Marterpfahl vorher geübt werden konnte. "Wir waren alle recht klein, hatten in etwa die gleiche Beinlänge", berichtet Guntram Schmitt. Das gegnerische Team schaffte es etliche Male noch nicht mal ins Ziel, sie kugelten schon vorher auf den Boden.

Die Bad Camberger Ortsvorsteherin Susanne Wenz-Erk hat sich diese Erfahrungen alle gut angehört. Sie weiß aber genauso wenig wie alle anderen, welche Aufgaben es in Bad Camberg beim "Ab-in-die-Mitte-Spiel-ohne-Grenzen" geben wird. Nur die drei Orte stehen fest: Auf dem Marktplatz, dem Kirchplatz und auf der Obertorstraße werden die Teams aus den sechs Stadtteilen gegeneinander antreten. Und: Spaß soll es machen.

Den wollen sie haben - und das Zwölferteam aus der Kernstadt hat sich selbst auch schon gehörig motiviert. Dabei hilft ein Song: Team-Mitglied Ben'tagon, als Musiker in der Region bekannt, hat ihn geschrieben. Eine Version seines Camberg-Liedes können sich alle Interessierten über Youtube anhören. Einfach in die Suche eingeben: "Bad Camberg Song Ben'tagon". Das reißt mit und bringt sicher nicht nur die Kernstädter in Schwung.

Die Bad Camberger Mannschaft ist bunt zusammengewürfelt: Gregor Brendel-Storch, Sylke Kamrath-Schmidt, Sabine Flecks, Eva Krekel, Ben (Ben'tagon) Schmitt, Renate Brück, Thomas Kern, Ilka Frenzel, Christiane Walter, Lena Peuser, Florian Thuy und Maria Gruber. "Sie ist sehr motiviert und freut sich auf lustige Spiele. Die ,Äbbelkrautskrämer' wünschen sich faire und spannende Wettkämpfe", sagt Ortsvorsteherin Susanne Wenz-Erk mit einem Augenzwinkern. Denn der Erbacher Chronik zur 1250-Jahrfeier zufolge hat die dortige Mundart diese Bezeichnung für die Camberger gefunden.

Übrigens: Wer sich den Film vom "Spiel ohne Grenzen 1969" noch einmal anschauen möchte: Susanne Wenz-Erk lädt alle Interessierten dazu ein, dies am Montag, 23. August, um 19 Uhr im kleinen Saal des Kurhauses zu tun. Die Aufzeichnung wird im Rahmen eines weiteren Erzählabends der Zeitzeugen präsentiert.

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