Sie geben das erste Konzert in Bad Camberg seit Beginn der Corona-Pandemie: Christopher Herrmann (Cello) und Veronika Todorova (Akkordeon) im Kurpark.
+
Sie geben das erste Konzert in Bad Camberg seit Beginn der Corona-Pandemie: Christopher Herrmann (Cello) und Veronika Todorova (Akkordeon) im Kurpark.

Erster Konzert nach langer Pause

Bad Camberg: Das alles kann die Musik

  • vonPetra Hackert
    schließen

Veronika Todorova und Christopher Herrmann bezaubern ihr Publikum am Musikpavillon.

Bad Camberg -Ein Freilicht-Konzert mit Platzbeschränkung: Das geht, wenn man es richtig macht. Die Amthof-Galerie hatte alles richtig gemacht, und so waren die vorgegebenen 80 Sitzplätze vor dem Musikpavillon restlos ausverkauft. Weitere Passanten - das hatte man sich schon gedacht - nahmen am Sonntagabend auf der angrenzenden Wiese im Kurpark Platz. Bis hoch zu den Wasserspielen bot sich so ein buntes Bild sommerlicher Entspanntheit. Andauernd bis zu dem Moment, als alle wieder ihre Masken aufsetzten und die Plätze verließen. Doch lieber so als gar nicht. Das war die einhellige Meinung.

Seit Beginn der Pandemie hatte es keine kulturelle Veranstaltung dieser Art mehr in Bad Camberg gegeben. Eine Kurstadt als Corona-Hotspot: Das wollte sich niemand vorstellen. Großes Verständnis herrschte unter den Anwesenden für die Vorsicht, die die Stadtoberen an den Tag legen. Aber auch ein kleines bisschen mehr Mut: Das wünschten sich diejenigen, die nun einen lauen Sommerabend genossen. Der letzte nach der großen Hitzewelle, und man merkte jetzt schon: Eine Jacke dabei zu haben war von Vorteil.

als nur Talent

Doch sie heizen ein: Veronika Todorova und Christopher Herrmann. Zwei künstlerische Hochkaräter starten mit "Grande Jo". Das Lied ihres ehemaligen Professors Renzo Ruggieri liegt Veronika Todorova. Sie lässt die Finger über die Tasten ihres Akkordeons fliegen, braucht nicht hinzuschauen. Ihr Blick geht zu Christopher Herrmann am Cello. Schnelle Wechsel, mal übernimmt der eine die Melodie, dann die andere. Sie können gut miteinander, menschlich und musikalisch. Das ist sofort zu sehen. Das Aufblitzen der Augen, jedes Lachen, das schöne Spiel der beiden jungen Musiker, die schon lange mehr sind als Talente. Sie haben sich im weiten Umfeld einen Namen gemacht.

Die gebürtige Bulgarin spielt seit dem sechsten Lebensjahr Akkordeon. Seit 17 Jahren in Deutschland hat die 33-jährige Wahl-Dreikirchenerin Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben errungen. Christopher Herrmann stammt aus Bad Camberg. Seit seinem 14. Lebensjahr ist das Cello sein Instrument. Die Kompositionen und Interpretationen, die er darbietet, sprengen viele Rahmen und zeigen: Seine Ideen und Schaffenskraft scheinen unermesslich. Im gemeinsamen Zusammenspiel setzen die beiden ihre Instrumente seit einigen Jahren so ein, als hätten sie ein Eigenleben.

Beispiel: Der Wind zieht durch die Kurpark-Bäume. Herrmann beginnt, leise zu spielen. Ein tiefer Seufzer entspringt - keiner menschlichen Brust. Zweimal lässt die Todorova das Akkordeon im Leerlauf "atmen". Dann geht es zur Sache. Sie können einstimmen, sich ergänzen, Soli bieten, erfreuen sich an der Kunst des anderen und schaffen gemeinsam neue Klangwelten. Bei diesem Lied hält der 36-Jährige das Cello wie eine Gitarre. Es klingt plötzlich wie ein tiefer Bass. Das Akkordeon wird stärker, entfaltet Töne, die an eine Orgel erinnern. Dann wieder ganz anders. "Violent Tango" von Astor Piazzolla entführt in die Argentinischen Weiten. Obwohl: Die gibt es in Bulgarien auch. In der Musik ohnehin. Sie überwindet alle Grenzen, und wer Chick Coreas "Spain" an diesem Abend hört, der meint, es sei von vornherein für Akkordeon und Cello geschrieben worden. Es kann nicht anders sein!

der Wunsch nach mehr

Natürlich gibt es Zugaben, und selbstverständlich beantwortet das "Applausometer" eine Frage eindeutig: "Wie finden Sie es, wieder ein Konzert im Kurpark zu haben?" Brandender Beifall, mehr noch: Rufe nach mehr geben den beiden Künstlern recht. Es ist keine einfache Zeit für Menschen, die sich Kunst und Kultur verschrieben haben. Wer davon lebt, freut sich über jeden Auftritt. Aber auch die Zuhörer, die lange verzichtet haben, können ein wenig Normalität genießen an diesem doch noch lauen Sommerabend, der Freude macht auf mehr und Mut weckt. Denn auch das kann die Musik.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare