Ein frühes Mannschaftsbild des RSV Würges (von links nach rechts): Johann Müller, Herbert Schäfer, Rudi Weikert, Bernhard Hess, Ferdi Bermbach, Johann Müller, Rudolf Schmerr, Josef Meuth, Hubert Kohlhof, Josef Bender, Johann Thies und Karl Bernhard.
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Ein frühes Mannschaftsbild des RSV Würges (von links nach rechts): Johann Müller, Herbert Schäfer, Rudi Weikert, Bernhard Hess, Ferdi Bermbach, Johann Müller, Rudolf Schmerr, Josef Meuth, Hubert Kohlhof, Josef Bender, Johann Thies und Karl Bernhard.

Jubiläum des Fußballvereins

Bad Camberg: Am Anfang wurde bloß auf einer Wiese gekickt

  • vonGundula Stegemann
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Der Rasensportverein Würges feiert 100. Geburtstag: Der Auftakt einer kleinen Serie zum Jubiläum

Bad Camberg -Auf 100 Jahre zurück blickt der Rasensportverein (RSV) Würges in diesem Jahr. Alle Veranstaltungen, so wie sie für dieses Pfingsten vorgesehen waren, sollen nächstes Jahr Pfingsten vom 21. bis 24. Mai nachgeholt werden. Die Feierlichkeiten sind verschoben, nicht jedoch das Besinnen auf eine 100-jährige Tradition...

Wie alles begann: Im Jahre 1920 fanden sich einige junge Burschen zusammen, um das bis zu diesem Zeitpunkt in unserer engeren Heimat noch wenig bekannte Fußballspiel zu erlernen. Es waren alles junge Leute, welche ausnahmslos dem damaligen Turnverein angehörend, ihre Fähigkeiten in Körperertüchtigung auf einem anderen Gebiet suchten. Für die damals Unentwegten war es ein gewagtes Beginnen, war doch diese Sportart bei der breiten Masse verrufen und als ausschließlich "roher" Sport verpönt. Wer kannte damals auch schon etwas von Satzungen oder Spielregeln, selbst die als aktiv zu bezeichnenden Spieler wussten wenig damit anzufangen. Doch frisch gewagt war halb gewonnen.

Man wollte nicht im Voraus kapitulieren und machte sich auf Gegnersuche. Mit dem Sportverein Niederselters erwischte man eine Mannschaft, die sich schon längere Zeit zuvor konstituiert hatte. Das damals ausgetragene, sogenannte "Freundschaftsspiel" hätte man eher als "Gaudi" denn als einen edlen Wettkampf bezeichnen können. Doch gerade dieser Spaß war Anlass genug, dass man sich nach Spielende zusammensetzte und - da man noch nicht selbstständig war und auch keine Kasse besaß - alle zu erübrigenden Groschen zum Ankauf eines Balles zur Verfügung stellte, diesen bei Sattler Urban in Camberg erstand und mit Gesang in die heimatlichen Gefilde zog. In der Gastwirtschaft "Krone" wurde die Gründungsversammlung abgehalten und man hob den damaligen Fußballverein "Teutonia" am 1. August 1920 aus der Taufe. Den ersten Vorsitz übernahm der damals erst 19-jährige Peter Wagner.

Die kurz nach der Vereinsgründung einsetzende Rivalität zwischen Turn- und Sportverein ließ ein ersprießliches Zusammensein unter einem Dach nicht geraten erscheinen. Ein damaliger Antrag auf Zusammenschluss verfiel der Ablehnung. Durch Mitgliederzuwachs stärker geworden, zog man in das Lokal "Schwarzes Ross" zu Jean Müller, wo man endlich eine Bleibe gefunden hatte und einen Vereinswirt, der in den kommenden Jahren Unschätzbares für den Verein tat.

Josefs Möhlers Entwicklungshilfe

Zur Förderung der fußballerischen Substanz hat der später in Wiesbaden lebende Rektor Josef Möhler Hervorragendes geleistet. Er stellte zusammen mit den beiden Idsteinern Supp und Steinheimer seine sportliche Vorbildung selbstlos in den Dienst der Weiterentwicklung des Würgeser Fußballs. Seine von den Aktiven gern angenommenen Maßnahmen haben die späteren Gegner, die sich in der näheren Umgebung immer mehr etablierten, zur Genüge kennengelernt. Doch die äußeren Schwierigkeiten wollten kein Ende nehmen. Was half alles Können, wenn man es räumlich gesehen nicht nutzen konnte? Was waren es für kümmerliche Anfänge, an den Spieltagen mit Torstangen bewaffnet in irgendein Wiesengelände zu ziehen und dort nach mühseliger Montage der Torstangen, die alles andere als vorschriftsmäßig waren, dem Ball nachzujagen.

Gelände wie Au, Ried, Schleifgärten oder Rapsweide mussten damals als provisorische "Sportplätze" herhalten. Doch man ließ sich nicht verdrießen, vertraute man doch mehr und mehr auf die aufgeschlossene Haltung der Bevölkerung. Man wollte und musste zu einem Gelände kommen, das der sporttreibenden Jugend einzig und allein zugänglich war. Der inzwischen von dem Vereinsnamen "Teutonia" über "Borussia" zum Rasenspielverein 1920 umbenannte Verein erhielt mit Georg Munsch einen neuen Vorsitzenden, der sich die Platzfrage zum Lebensinhalt gemacht hatte. Wer jedoch glaubte, man wäre ihm mit offenen Armen entgegengekommen, sah sich bitter enttäuscht. Dennoch: 1926 wurde der Sportplatz eingeweiht.

Die politische Entwicklung im Jahre 1933 machte auch vor den Sportvereinen keinen Halt. Immerhin konnte der RSV trotz Gleichschaltung unter dem neuen Vorsitzenden Josef Hartmann I unbeschadet bis zum Kriegsausbruch weitergeführt werden.

Die Kriegsjahre selbst ließen das Vereinsleben bis auf kleinere jugendliche Betätigungen zum Erliegen kommen, mussten doch viele, die damals den Vereinsdress trugen, denselben mit dem Militärrock tauschen. Hierin fanden 25 Mitglieder nicht mehr die Rückkehr zum Verein. Ihre Namen bleiben allzeit unvergessen.

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