Insgesamt rund 80 Gegendemonstranten hatten sich am Samstag vor dem Kurhaus versammelt.
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Insgesamt rund 80 Gegendemonstranten hatten sich am Samstag vor dem Kurhaus versammelt.

Laut aber friedlich

Bad Camberg: Auftakt der AfD-Hessentour mit Gegendemo

  • vonRobin Klöppel
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35 Gäste verfolgen Reden von Spitzenpolitikern der Partei im Kurhaus. Draußen protestieren 80 Menschen lautstark.

Bad Camberg -Der Auftakt der Hessentour der Alternative für Deutschland (AfD) Hessen mit dem Landesvorsitzenden Jan Nolte und der hessischen Spitzenkandidatin bei der Bundestagswahl, Mariana Harder-Kühnel, hat Samstagabend 35 Gäste ins Bad Camberger Kurhaus gelockt. Aber es kamen auch an die 80 Gegendemonstranten vor die Halle, die einem Aufruf von Bündnis Courage gegen Rechts Diez/Limburg, Grünen Bad Camberg, Linke Limburg-Weilburg, Jusos Limburg-Weilburg, SPD Bad Camberg, Vereinigung der Verfolgten/Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Taunus und dem Verein "Wir sind mehr" gefolgt waren, um der AfD zu zeigen, dass sie in der Region unerwünscht ist.

Die Demo stand unter dem Motto "Wir lassen die Atzeln schackern". Im Jahre 1357 wollten laut Legende Walsdorfer Raubritter die betrunkene und schlafende Einwohnerschaft Cambergs überfallen. Nur dank des lauten Schackerns der Atzeln wachten diese rechtzeitig auf und setzten sich erfolgreich zur Wehr. Daran angelehnt ließen die Demonstranten überlaut "Atzel"-Stimmen vom Tonband erklingen, um das AfD-Gedankengut aus den Köpfen der Menschen zu vertreiben. Sie stimmten Schlachtrufe wie "Nationalismus raus aus den Köpfen" und "Wer nichts kennt, wer nichts weiß, glaubte den ganzen Nazischeiß" an.

Bad Camberg: Ein Dutzend Polizisten sorgt für Sicherheit

Vor der Halle, wo ein Dutzend Polizisten für Sicherheit sorgte und die Stadt mit einem Bauzaun AfD-Leute von Demonstranten trennte, blieb alles friedlich. Nur verbal gab es zwischendurch das eine oder andere kleine Wortgefecht. "War schwach", meinte eine AfD-Aktive zu den Demonstranten. Antwort: "Für euch drei Hanseln lohnt es sich nicht." Ein Bürger meinte, dass er die Gegendemo kontraproduktiv finde. Denn dadurch werde nur groß über die AfD berichtet und sie viel wichtiger gemacht, als sie sei.

Paul Arthen von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung Villmar sieht es anders: "Es ist wichtig, her zu kommen und zu zeigen, dass viele Menschen andere Positionen als die AfD haben." Marita Salm, die die Demo angemeldet hatte, sagte, dass "unser Weg in die Zukunft keine Rechtsabbiegung ist, denn rechts geht es nur bergab". Eingeladen habe die AfD nach Bad Camberg ausgerechnet zwei Vertreter des rechten Flügels um Björn Höcke. Und deren Hetze zeige, wie Salm denkt, Wirkung: Politiker und engagierte Menschen würden bedroht.

Salm erinnerte an den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sowie die Anschläge von Hanau und Halle. "Es ist ein Klima in unserem Land entstanden, das rechtes Gedankengut, Rassismus und Antisemitismus an die Oberfläche bringt. Dazu trägt auch die AfD bei - und darum stehen wir heute hier", sagte sie Aktive von "Wir sind mehr". Wolfgang Althen vom (VVN-BdA) Taunus, rief den AfD-Vertretern zu, dass sie frauenfeindlich seien, weil sie Angst vor starken Frauen hätten. Sie seien gegen Migranten, weil sie Angst vor allem hätten, das anders als sie selbst sei. "Ihr seid die Wölfe im Schafspelz, Ewiggestrige", so Althen.

"Normale Menschen zum Anfassen"

Egon Maurer, Kreis-Sprecher der AfD, stellte seiner Partei ganz anders da: "Wir sind ganz normale Menschen zum Anfassen." Wenn er die Leute vom Bündnis Courage sehe, dann komme ihm alles hoch. Maurer sagte, dass die Demonstranten alles "Biodeutsche" seien, die der AfD mit zwei Leuten mit Migrationshintergrund im Kreisvorstand etwas von Integration erzählen wollten. Er möge türkische Fußballkollegen, farbige US-Soldaten und Black Music. Doch am Ende seiner Rede rief er dann plötzlich laut ins Mikro: "Wir holen uns unser Land zurück. Seid ihr auch dieser Meinung?" Es folgte lautes Klatschen in den Reihen der Anhängerschaft.

Mariana Harder-Kühnel wurde noch deutlicher. Die frauenpolitische Sprecherin der AfD-Bundestagsfraktion erklärte, dass Deutschland auf eine Katastrophe zusteuere. Während deutsche Frauen im Schnitt nur 1,5 Kinder hätten, würden die Migranten, die vielfach deutsche Werte mit Füßen treten würden, immer mehr. Viele der Flüchtlinge seien ohne Ausbildung, brächten Parallelgesellschaften und Gewalt ins Land. Die Bundestagsabgeordnete sagte, dass es gerade in Großstädten "immer weniger unser Land" sei, immer mehr Frauen mit Kopftüchern herumliefen.

Für Harder-Kühnel wäre es wichtig, dass nicht mehr überwiegend Kindertagesstätten, sondern wieder die Eltern die Kinder erziehen, also Kinder von politisch Mächtigen nicht länger wie in der DDR in eine gewisse Meinungsrichtung gedrängt würden.

Der verteidigungspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Nolte, denkt nicht, dass es bei der Polizei und der Bundeswehr ein Problem mit zunehmendem Rechtsextremismus gebe. Seiner Meinung nach werde einfach nur viel mehr als früher von den Entscheidungsträgern als rechts angesehen. "Soldaten und Polizisten müssen in einem freien Land auch weiter offen ihre politische Meinung sagen dürfen."

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