Die Vorarbeiten für den ersten Schritt, mehr Digitalunterricht, sind getroffen, das Berufsorientierungszentrum folgt.
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Die Vorarbeiten für den ersten Schritt, mehr Digitalunterricht, sind getroffen, das Berufsorientierungszentrum folgt.

Die Zukunft der Bildung

Bad Camberg: Fit für den Beruf mit mehr Unterstützung

  • vonPetra Hackert
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Taunusschule bietet nach den Ferien den Schwerpunkt Digitales an

Bad Camberg -Wer erinnert sich noch an sein eigenes Praktikum zur Berufswahl? Hat es geholfen? Und wenn es nur die Erkenntnis ist, vielleicht doch lieber etwas anderes zu machen? "Wir haben aktuell über 600 verschiedene Ausbildungsberufe", sagt Benedikt Felgentreff. Keine leichte Entscheidung für Schüler, die sich die Frage stellen, was denn einmal aus ihnen werden soll/kann/darf.

Bisherige Verfahren

verbessern

In der Bad Camberger Taunusschule gibt es - wie überall im Kreis - strukturierte Verfahren. Dazu gehören die Praktika, die berufliche Orientierung. Berufswahlpass und Kompetenzfeststellungsverfahren sind nur zwei Schlagworte, die in diesem Zusammenhang fallen. Im Mittelstufenbereich geschieht hier schon einiges. "Und das ist uns nicht genug", sagt Benedikt Felgentreff. Er hat federführend am Konzept der Taunusschule als pädagogisch selbstständige Schule gearbeitet. Sein Schwerpunkt, die Berufsorientierung, soll zum Schuljahr 2021/22 umgesetzt werden. "TS digital" ist als erstes, gleich jetzt nach den Sommerferien am Start. Hier bekommen die künftigen Fünftklässler zwei Stunden zusätzlichen Digitalunterricht in der Woche. Wie das genau gedacht ist, darüber hat diese Zeitung bereits berichtet. Der heutige Schwerpunkt gilt der Berufsorientierung. Denn obwohl es noch ein Jahr dauert, bis diese Vorstellungen umgesetzt sind: Die Vorbereitungen laufen schon jetzt.

Kernstück ist das künftige Berufsorientierungszentrum (BOZ) der Taunusschule. "Das wird ein spezieller Raum sein, den unter anderem die Bundesagentur für Arbeit zu Beratungszwecken nutzen kann", sagt Felgentreff. Jeder einzelne Schüler könne hier individuell unterstützt werden. Angedacht ist ein Brückenschlag zwischen den bereits existierenden Angeboten und dem Neuen. Dazu gehört das Praxiskarussell in den Klassen 5 und 6 sowie das Kompetenzfeststellungsverfahren in der 7. Klasse, das durch den Gymnasialzweig erweitert wird. Denn nicht nur Haupt- und Realschülern fehle es häufig an beruflicher Orientierung. "Es sollte auch den Oberstufenschülern klar sein, dass ich nach dem Abi nicht nur zur Uni gehen kann", sagt Felgentreff. Und: "Wir müssen auf gesellschaftliche Entwicklungen im schulischen Leben reagieren." Für die Schüler sei wichtig, frühzeitig zu erkennen, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. "Wir unterstützen sie bei der Entscheidung, wohin die Reise gehen könnte."

Elterngespräche und

Wirtschaftsbetriebe

Flankierend solle es regelmäßige Elterngespräche geben. Auch sollten Wirtschaftsbetriebe mehr an die Schule gebunden werden. "Wir sind mit Blick auf das Rhein-Main-Gebiet eine der wirtschaftsstärksten Regionen in Hessen, und wir wiederum liegen im Kreisgebiet weit vorne", sagt Felgentreff. Für die Schüler sei wichtig, dass sie ab der achten Klasse regelmäßig mit Menschen zusammenkämen, "die sich beruflich für Euch interessieren". Das Ganze solle auch den Hauptschulzweig fördern: "Manche Schüler finden nur schwer Praktikumsbetriebe. Mit der verstärkten Zusammenarbeit wollen wir diese Hürde bei den Betrieben aufbrechen, weil wir bereits in engem Kontakt stehen und betreuen können." Lernen über Erfahren: So sei bei den Hauptschülern vorgesehen, im neunten Schuljahr einen Tag in der Woche betriebliche Abläufe und Prozesse kennenzulernen. "Auch den Schülern wird es leichter fallen, eine gute Entscheidung zu treffen, wenn sie sagen können, ,Ich habe so etwas schon einmal gemacht.'"

Über den Tellerrand schauen - dies gelte für Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten gleichermaßen. "Manche sind sehr weit weg von der beruflichen Orientierung", sagt Felgentreff. "Wir hätten den diesjährigen Berufsinformationstag gerne genutzt, um den Betrieben unser Konzept bereits vorzustellen", erklärt Patrick Hannappel, an der Taunusschule verantwortlich für den Fachbereicht II (Gesellschaftswissenschaften). Diese Veranstaltung fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Doch die weiteren Vorbereitungen sind nicht aus den Augen verloren. Hier arbeitet Hannappel mit den Kollegen aus der Arbeitslehre zusammen.

Sprechstunden

und Vorträge

Vorgesehen sind wöchentliche Sprechstunden der Arbeitsagentur und Nachmittags-Veranstaltungen, die auch in den Unterricht eingebunden werden können. "Der Raum, das BOZ, soll die Möglichkeit bieten, sich mit 25 Leuten einen Vortrag anzuhören, aber auch vertrauliche Gespräche zu führen",sagt Hannappel. Dabei spiele auch das Engagement der Eltern eine Rolle. "Die Entwicklung soll auf die Stärken des Kindes, nicht auf den Willen der Eltern gemünzt werden." Die stellvertretende Schulelternbeiratsvorsitzende Nane Nebel ist sicher: "Mehr Elterneinsatz und -gespräche können wir einfordern."

In der Anfangsphase erfordere dieser Entwicklungsprozess viel Zusatz-Arbeit, weiß Schulleiter Frank Wellstein. Diese werde sich lohnen. Außerdem könne vieles, wenn es erst einmal angelaufen sei, in den Unterricht eingebunden werden. Ein zusätzlicher Synergie-Effekt.

Berufsorientierungszentrum kommt nächstes Jahr

Nach den Ferien ist die Taunusschule, eine kooperative Gesamtschule mit rund 1000 Schülern, die erste pädagogisch selbstständige Schule im Landkreis und eine der ersten dieser Art in Hessen. Im Kreis Limburg-Weilburg ist sie der Vorreiter. Die Schule hat für diese Arbeit zwei Schwerpunkte gesetzt: Digitales und Berufsorientierung. Der Schwerpunkt Digitales wird sofort umgesetzt. Nach den Sommerferien startet im August das neue Fach "TS Digital" mit zwei Wochenstunden für die Fünftklässler. Die neuen Ideen zur Berufsorientierung und das Berufsorientierungszentrum (BOZ) sollen im übernächsten Schuljahr 2021/22 umgesetzt werden.

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