Das Bad Camberger Freibad soll in dieser Saison geschlossen bleiben.
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Das Bad Camberger Freibad soll in dieser Saison geschlossen bleiben.

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Bad Camberg: Das Freibad bleibt zu

  • vonPetra Hackert
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Über 1000 Menschen haben vergeblich die Petition zur Öffnung unterschrieben. Die Instandsetzung dauert laut Stadt zu lange.

Bad Camberg -Über 1000 Unterstützer haben die Petition für die Öffnung des Bad Camberger Freibads zum 1. Juli unterzeichnet. Die Vorgaben der Landesregierung lassen dies mittlerweile zu. Der Magistrat der Stadt hatte aber bereits im April entschieden, es nicht zu tun. Erneute Beratungen haben zum gleichen Ergebnis geführt: Das Bad soll geschlossen bleiben.

Thomas Maurer, Mit-Initiator der Petition vom Verein "Wir für Bad Camberg", sieht die Sache nach wie vor anders. "Ich denke, viele Menschen können sich aufgrund Kurzarbeit, drohender Arbeitslosigkeit und der eingeschränkten Reisemöglichkeiten überhaupt keinen Urlaub leisten", sagt Maurer. Die Initiative habe sich intensiv mit dem Thema digitale Eintrittskarten und Hygiene auseinandergesetzt, am Beispiel der rheinland-pfälzischen Regelungen eine eigene Planung entwickelt und Möglichkeiten beschrieben, das Bad für 300 bis 500 Besucher am Tag zu öffnen.

August machbar

Bauamtsleiter Jan Pieter Subat hatte den Magistrat über den zeitlichen Vorlauf für die Instandsetzungsarbeiten informiert, die unter günstigsten Bedingungen mindestens sechs, realistisch betrachtet aber eher acht Wochen, beanspruchten. Der Kostenaufwand hierfür belaufe sich nach vorliegender Ermittlung auf rund 78 000 Euro. Vor Mitte August sei eine Eröffnung und Inbetriebnahme demnach kaum realisierbar.

Gleichzeitig müssten laut Stadt vielfältige Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden. Dies ist in der Verordnung des Landes Hessen in Verbindung mit den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes sowie der Pandemieplan Bäder der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen erkennbar. Abstandsmarkierungen auf dem Boden, Kassentheken mit Plexiglasschutz, ein verstärkter Reinigungsturnus gehören dazu. Die Überwachung der Besucherzahlen ist obligatorisch, ebenso sollten Warteschlangen vermieden werden. "Praktisch bedeutet dies, dass die Zu- und Abgänge gezählt werden und nach Möglichkeit eine Voranmeldung für den gewünschten Badbesuch über Internet oder Telefon-Hotline erfolgt. Hierfür müssen technische und auch personelle Kapazitäten geschaffen werden. Selbst wenn im Bad natürlich keine lückenlose Überwachung erwartet werden kann, ist der Betreiber doch in der Pflicht, das Verhalten der Besucher zu beaufsichtigen und gegebenenfalls einzuschreiten, wenn zum Beispiel Abstands- oder Hygieneregeln nicht eingehalten werden", argumentiert die Stadt.

Abstand und Hygiene

Folgendes komme hinzu: Die Häufigkeit der Desinfektion von Sanitär- und auch Beckenumgangsflächen ist deutlich zu erhöhen, Handläufe an Beckenrändern oder Türgriffe sollen in kurzen Intervallen einer Wisch-Desinfektion unterzogen werden. Empfohlen wird zudem die Nutzung von Duschräumen und WC-Anlagen nur wenigen Personen gleichzeitig zu gestatten. Kleine Becken, wie etwa ein Warmwasserbecken oder ein Planschbecken sollten gegebenenfalls gesperrt werden, wenn eine Einhaltung der Abstandsregeln schwer möglich erscheint.

"Es ist angeraten, die Verkehrswege, insbesondere die Durchschreitebecken, so zu gestalten, dass kein Begegnungsverkehr stattfindet. So weit die Vorgaben, bevor man überhaupt das Becken zum Schwimmen erreicht hat. Aber auch dort gehen die Einschränkungen weiter. Die vom Land Hessen geforderten mindestens fünf Quadratmeter pro Besucher sowohl auf der Liegefläche als auch im Wasser sind nur ein theoretischer Wert für eine Maximalbelegung. Tatsächlich sollten Bahnleinen und vorgegebene Schwimm-Richtungen die Einhaltung des Sicherheitsabstandes unterstützen", so der Magistrat. Bahnbreiten seien dabei mit zwei bis 2,5 Metern empfohlen.

Bei einem Abstand der Schwimmer in Längsrichtung von mindestens zwei Metern (bei sportlichem Schwimmen sogar drei Meter) habe sich der tatsächliche Raumbedarf pro Schwimmer praktisch verdoppelt und die maximale Anzahl von Schwimmern halbiert. Ein entspannter und spontaner Freibadbesuch sei unter diesen Vorgaben nicht machbar. "Mit dem eingangs angeführten Vorlauf könnten wir mit etwas Glück vielleicht noch einen guten Monat das Schwimmbad bei sommerlichen Temperaturen öffnen, ein Badevergnügen wird sich aber nur sehr begrenzt einstellen", bewertet es Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD). Eine frühere Beauftragung der Instandsetzungsarbeiten ohne Gewissheit, dass eine Öffnung überhaupt zulässig ist, wäre hingegen einem Pokerspiel gleich gekommen, da die Arbeiten durch Stillstand der Anlage und Wintersaison jedes Jahr aufs Neue anfielen, also nicht im Vorgriff auf eine Öffnung in 2021 erfolgen können.

Ob Selters öffnet, wird Anfang Juli entschieden, Hünfelden bleibt zu

Der Beschluss der Südkreis-Kommunen, die Schwimmbäder in dieser Saison nicht zu öffnen, fiel bereits im April - und wird nun überdacht. In Selters beschäftigt sich zurzeit der Haupt- und Finanzausschuss mit dem Thema. Die Gemeindepolitik ist gespalten, es gibt Für und Wider. In der letzten Sitzung hat der Ausschuss eine Beschlussempfehlung vertagt. Sie könnte in der nächsten Sitzung, am 24. Juni, fallen. Dies als Empfehlung für die Gemeindevertretung, die am 1. Juli tagt. Um das Bad in Betrieb zu nehmen, sei mit einer Vorlaufzeit von etwa drei Wochen zu rechnen, erläutert Michael Urbanke, zuständiger Sachbearbeiter im Hauptamt.

In Hünfelden habe sich die Situation nicht geändert, sagt Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer (parteilos). Für das Dauborner Schwimmbad bestehe nach wie vor der Vorstandsbeschluss, das Schwimmbad aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen zu lassen, und für das Freibad in Kirberg wurde bereits im Januar - aufgrund anstehender umfangreicher Sanierungsmaßnahmen - der Beschluss gefasst, dieses zur diesjährigen Saison nicht zu öffnen.

Wenn in Rüsselsheim die Freibadsaison beginnt, werden Corona-bedingt die Abläufe in diesem Sommer anders sein als gewohnt.

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