Licht und Schatten wirken jetzt an der Fassade des historischen Gisbert-Lieber-Hauses, das nicht mehr zweifarbig eierschalen-braun, sondern rein weiß gestrichen ist.
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Licht und Schatten wirken jetzt an der Fassade des historischen Gisbert-Lieber-Hauses, das nicht mehr zweifarbig eierschalen-braun, sondern rein weiß gestrichen ist.

Modern und hell

Bad Camberg: Nach den Ferien geht's in die neue Mensa

Die Sanierung des Gisbert-Lieber-Hauses ist beendet.

Bad Camberg -Die Sanierung hat doppelt so lange gedauert wie geplant und wurde wesentlich teurer - was unter anderem an den Schadstoffen im Dach des Anbaus lag, die unerwartet zutage traten. Nach den Sommerferien ist es geschafft: Das Gisbert-Lieber-Haus ist saniert und wird der Freiherr-von-Schütz-Schule wieder Raum geben. Auch die Mensa öffnet an dieser Stelle.

Das Gebäude, in dem das Internat und Räume für Ganztagsbetreuung der Freiherr-von-Schütz-Schule untergebracht waren, musste technisch auf den neusten Stand gebracht werden. Der LWV als Träger wollte damit das Ganztagsschulkonzept weiterentwickeln. Daher auch die neue Mensa und zusätzliche Räume für die Ganztagsbetreuung.

stark erhöht

Es dauerte länger und wurde teurer, weil historische Gebäude manche Überraschungen bergen können. In diesem Fall schlug besonders die Dachsanierung unerwartet ins Kontor. Aber auch die brandschutztechnischen Maßnahmen wurden stark verändert. Achim Richter von der WRL Architekten GmbH Frankfurt erklärt an einem Beispiel: Die Baugenehmigung hatte wegen des Bestandsschutzes F 30 bewilligt. Das bedeutet, eine dieser Norm entsprechende Wand muss einem Feuer 30 Minuten Stand halten. Die internen Verwaltungsgremien des Landeswohlfahrtsverbands entschieden anders: F 90 sollte es sein, also 90 Minuten und damit nicht mehr feuerhemmend, sondern feuerbeständig. Eine Entscheidung im Sinne der Schüler.

Um die Sicherheit zu erhöhen, wurde im Nordosten eine Außentreppe angebaut, die als zweiter Rettungsweg dient. Türen und Fenster wurden erneuert. Im Inneren erhielt das Gebäude Akustikdecken und -wände, um den Schallschutz zu verbessern und die Raumsituation für die hörgeschädigten Schülerinnen und Schüler zu verbessern. Der neue Anbau im Südwesten beherbergt die Mensa. Alle Maßnahmen mussten mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden.

Im Anbau aus dem Jahr 1930 waren Lichtkuppeln vorgesehen. Deshalb musste ein Abschnitt des Daches aufgeschnitten werden. Hier folgte die unangenehme Überraschung: Eine schwarze Substanz trat zutage. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, so der Fachbegriff. Eine Schadstoffsanierung mit Einhausung war die Folge, eine neue Betondecke, eine andere Dämmung. Die Details beschäftigten die Fachleute. Am Ende stand eine neue Kostensumme: 6,8 Millionen Euro für den kompletten Um- und Anbau. Dies kommt nun der Mensa, die der ganzen Schule dient sowie den Bezugsgruppen im Ganztagsbetrieb vor- und nachmittags zugute.

zur neuen Mensa

Die Freiherr-von-Schütz-Schüler, die im Hauptgebäude an der Frankfurter Straße unterrichtet werden, gelangen durch die verkehrsberuhigte Altstadt zur Mensa. Sichere Wege für 205 Kinder und Jugendliche, die in Bad Camberg unterrichtet werden. Außerdem betreut die Schule mit dem Förderschwerpunkt Hören über 300 Schüler ambulant in Lehranstalten im weiteren Umkreis.

Im ersten und zweiten Obergeschoss des Gebäudes wird das Internat zu finden sein, beim Start noch nach Geschlechtern getrennt. Auf jeder Etage wurden getrennte Bäder und Duschen geschaffen. Zurzeit werden dort zwölf Internatskinder betreut. Die Mensa bietet 160 Personen in zwei Schichten Platz, also zweimal 80, erklärt Schulleiter Martin Fringes. Achim Richter (LWV Baumanagement), Bauleiter Peter Suermann, die Architekten Andreas Ruß und Reinhard Scholl, Verwaltungsleiterin Sandra Kuhnert und Elke Bockhorst (LWV-Öffentlichkeitsarbeit) standen kurz vor Fertigstellung der Arbeiten für Fragen zur Verfügung.

der Schütz-Schule

Das Gisbert-Lieber-Haus aus dem 19. Jahrhundert wird seit 1989 von der Freiherr-von-Schütz-Schule genutzt. Während der Umbauphase mussten Ganztagsangebote und Internatsbetrieb auf Container und das benachbarte Haus Brendel ausweichen.

Die jetzt entstandenen hellen Räumlichkeiten, brandschutztechnisch und akustisch auf dem neusten Stand, haben auch ein kleines Schmankerl zu bieten: Die ehemalige Kapelle mit den schönen Fenstern wird ebenfalls als Betreuungsraum genutzt. Die Architekten ergänzen die Zahlen: 1200 Kubikmeter umbauter Raum bieten eine Nutzfläche von 3150 Quadratmetern, 640 Quadratmeter Dachfläche mussten aufbereitet werden.

Interessant ist auch die neue äußere Farbgebung des historischen Gebäudes: Statt eierschalenfarben und braun ist jetzt alles mit einem warmen Weißton gestrichen. "Die Fassade lebt von Licht und Schatten", macht Architekt Reinhard Scholl deutlich.

Und es entspricht dem Denkmalschutz. Denn ursprünglich hatte das Gebäude einmal eine monochrome Farbgebung. Eine schmucke Ergänzung zum Gebäude aus dem 19. Jahrhundert ist der Neubau geworden, der sich farblich abhebt und im Grün der Umgebung einen Akzent setzt.

Leben und Arbeiten im Denkmal

Das Land Hessen hat die Freiherr-von-Schütz-Schule in Bad Camberg im vergangenen Dezember als Denkmal des Monats ausgezeichnet. Arbeiten und Leben im Denkmal und im Neubau an der Frankfurter Straße - beides ergänzt sich an den Standorten. Heute verfügt die Lehranstalt über drei Hauptgebäude, die unter Denkmalschutz stehen. Der Landeswohlfahrtsverband hatte die Schule ab 1996 ausgebaut und dabei das benachbarte Gerichtsgebäude aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gerettet. Mit Wohnungen, Gärten, Gefängnis und Gefängnishof stellte es ein eigenes Ensemble dar. In den 2000er Jahren wurde an der Frankfurter Straße der Neubau zwischen Schul- und Gerichtsareal errichtet. So ist es gelungen, Altes und Neues funktional zu verbinden, nach neusten akustischen und pädagogischen Gegebenheiten verwirklicht. Das heutige Schulensemble ist barrierefrei und verfügt über eine ausgezeichnete Akustik, die hörgeschädigten Kindern und Jugendlichen optimale Lernbedingungen bieten soll. Das Gisbert-Lieber-Haus (jetzt wieder Internat und Mensa) liegt etwas abseits an der Gisbert-Lieber-Straße. Es ist als ehemaliges Bürgerhospital bekannt und aus einer privaten Stiftung der Camberger Familie Lieber entstanden. Zunächst war es einmal eine allgemeine Kranken- und Pfründner-Anstalt. Das Hauptgebäude wurde 1858/61 nach Entwürfen des Wiesbadener Baurates Johann Lossen erstellt - ein Zweckbau des späten Rundbogenstils mit schmalen Giebelrisaliten, Lisenen und Friesen. Nach 1892 wurde eine chirurgische Klinik eingerichtet und eine Erweiterung an der Nordseite nötig. Ab 1920 folgte die Isolierstation. Die beiden großen Linden am Eingang und die Umfassungsmauern stammen noch aus der Bauzeit des ersten Gebäudes.

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