Sie stehen hinter dem Konzept der Bad Camberger Taunusschule als pädagogisch selbstständige Schule: hinten, von links: Schulleiter Frank Wellstein, Claudia Ickenroth (Schulelternbeirat), Dana Birk (Leiterin des Ganztagszweigs), Jörg Schouler (Oberstufenleiter), vorne, von links: Christoph Quernheim (Digitalunterricht), Benedikt Felgentreff (Berufsorientierung), Nane Nebel (Schulelternbeirat) und Patrick Hannappel (verantwortlich für den Fachbereich II (gesellschaftswissenschaftliche Fächer).
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Sie stehen hinter dem Konzept der Bad Camberger Taunusschule als pädagogisch selbstständige Schule: hinten, von links: Schulleiter Frank Wellstein, Claudia Ickenroth (Schulelternbeirat), Dana Birk (Leiterin des Ganztagszweigs), Jörg Schouler (Oberstufenleiter), vorne, von links: Christoph Quernheim (Digitalunterricht), Benedikt Felgentreff (Berufsorientierung), Nane Nebel (Schulelternbeirat) und Patrick Hannappel (verantwortlich für den Fachbereich II (gesellschaftswissenschaftliche Fächer).

Vorreiter

Bad Camberg: Neue Impulse in Sachen Digitales

  • vonPetra Hackert
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Taunusschule ist die erste pädagogisch selbstständige Schule

Bad Camberg -Schule arbeitet mit festen Strukturen, Vorgaben, Lehrplänen, gut Kalkulierbarem. Durch Corona ist alles anders. Plötzlich ist nicht mehr alles geregelt. Neue Sicherheitsvorkehrungen mussten getroffen werden, es war schwierig, die Abschlussprüfungen zu absolvieren. Vom Homeschooling ganz zu schweigen. Wie wichtig es dann ist, digital gut aufgestellt zu sein, hat sich in den letzten Monaten gezeigt. Es fehlt an vielen Dingen. Technik, Arbeitskraft, Zeit und auch hier Strukturen, die die Arbeit erleichtern können. Einen wichtigen Schritt auf diesem Weg hat die Taunusschule schon vor der Pandemie beschritten. Ein Grund, sich beim Hessischen Kultusministerium für die Arbeit als pädagogisch selbstständige Schule zu bewerben, war genau das: Man wollte das Digitale stärken. Dies und den Einstieg in eine gute Berufsausbildung. Die Taunusschule konnte mit ihrem ausgeklügelten Konzept im Staatlichen Schulamt und im Hessischen Kultusministerium überzeugen. Als pädagogisch selbstständige Schule erhält sie nach den Sommerferien erweiterte Möglichkeiten zur Ausgestaltung des Unterrichts und eine erhöhte Zuweisung an Lehrerstunden.

Zwei Stunden "TS digital" für die Fünfer

"Da gibt es ja gar keine Noten mehr." Diesen Satz höre er ganz oft, wenn von der PSES die Rede ist, sagt Schulleiter Frank Wellstein. Pädagogisch selbstständige Schule - schon bei den Hessischen Koalitionsverhandlungen habe dies eine Rolle gespielt. Die Idee: Mehr Eigenverantwortung. Das gilt auch für die Schüler. "Die Schulgemeinde will sich mehr einbringen", bestätigt Nane Nebel (Schulelternbeirat). Das mit den Noten mag auf Grundschulen zutreffen, wenn Schüler statt in Zahlen in Worten bewertet werden. Für die Taunusschule wird sich da nichts ändern. Es bleibt beim Notensystem - bis auf die Bewertung im neuen Fach Digitales, mit dem die Fünftklässler ab August in ihr weiterführendes Schülerleben starten. Sie erhalten hier zwei zusätzliche Wochenstunden in diesem speziellen Fach.

Dabei geht es um neue Techniken, Arbeitsweisen, aber auch um das Sich-Einbringen, Voneinander-Lernen. Teamwork ist wichtig, der Fortschritt, den sie alle machen, wenn gemeinsam so gearbeitet wird, wie es manche Eltern schon vom Berufsleben kennen. Meetings, Präsentationen, der Weg dorthin. Auf den begeben sich die künftigen Fünftklässler schon jetzt.

"Wir haben viel zu detaillierte Ausarbeitungen eingereicht", sagt Benedikt Felgentreff, zuständig für die Berufsorientierung. Christoph Quernheim (Digitales) ergänzt: "Vieles, was wir jetzt neu machen, ist in drei Jahren schon kein Thema mehr." Er nennt als Beispiel das Arbeitsmodul "Sicherheit im Netz". Jetzt mag es um sichere Passwörter gehen. Später spielen hundertprozentig ganz andere Themen eine Rolle. "Dieses Arbeiten setzt ein hohes Maß an geistiger Mobilität voraus", sagt Quernheim. Das gilt für die Lehrer ebenso wie die Schüler. "Mit Lehrplänen aus dem vorletzten Jahr zu arbeiten geht dann nicht mehr."

Manches mag festen Bestand behalten, wie zum Beispiel Cybdermobbing: Wie gehe ich damit um? Was gebe ich im Netz preis, wie kann ich Probleme lösen, die sich daraus ergeben? "Das Warum wird ein wesentlicher Bestandteil der Unterrichts sein. Was betrifft mich als Schüler und ist gerade jetzt wichtig." Wurde der Instagram-Account gehackt? Habe ich etwas bei E-Bay-Kleinanzeigen gekauft und nicht bekommen? "Die Fünftklässler haben zu Hause alle schon Erfahrungen in diesem Bereich gemacht. Daraus ergeben sich viele Anknüpfungspunkte für den Unterricht", sagt Quernheim.

Gravierende Veränderungen

Wie wichtig der Taunusschule dieses neue Fach ist, mit der sie als pädagogisch selbstständige Schule startet, zeige sich auch daran, dass Schulleiter Wellstein ebenfalls zu denen gehört, die es unterrichten werden. Das hebt Jörg Schouler vom Leitungsteam hervor. "Wir messen dem große Bedeutung bei."

Noch einmal zurück zu den sehr detaillierten Ausarbeitungen, die das Hessische Kultusministerium schon bei der Bewerbung von der Taunusschule erhalten hat: Das HKM hatte bereits etliche Nachfragen, die im Dialog geklärt wurden. "Das können größere Einrichtungen gar nicht so schnell leisten", sagt Schulleiter Wellstein. Im Oktober sei klar gewesen, dass es die Möglichkeit gibt, pädagogisch selbstständige Schule zu werden. Im März mussten die fertigen Bewerbungsunterlagen abgegeben sein. Für gravierende Veränderungen ein kurzer Zeitraum.

Die Taunusschule hat sich vorgenommen, mit dem Bereich Digitales zu starten. Der zweite Schwerpunkt, der Brückenschlag zu den Firmen, um die Berufswahl zu erleichtern, soll darauf folgen.

Erst das Digitale, dann das Berufsorientierungszentrum (BOZ) an der Schule

In ihrem Koalitionsvertrag hat die hessische Landesregierung aus CDU und Grünen die Möglichkeit zur Umwandlung in eine pädagogisch selbstständige Schule (PSES) geschaffen. Gewünscht ist die Umwandlung von 150 Schulen in den fünf Jahren der Legislaturperiode. Die Taunusschule ist direkt im ersten Antragsjahr erfolgreich und kann nun pädagogisch neue Wege zur Erreichung der Bildungsziele gehen.

Die Umwandlung in eine PSES basiert in Bad Camberg auf zwei Unterrichts-Entwicklungsvorhaben. Bereits ab dem kommenden Schuljahr werden alle Fünftklässler im Fach "TS digital" zwei Stunden in der Woche in Digital- und Medienkunde unterrichtet. Der Medienkundeunterricht wird anschließend in der Jahrgangsstufe 6 fortgeführt. Ab der 7. Jahrgangsstufe finden einzelne thematische Projekte im Bereich der Medienkunde und Digitalisierung statt. Eine stärkere Nutzung des kooperativen und kollaborativen Arbeitens soll aufgrund der erlernten Fertigkeiten im weiteren Unterricht in den einzelnen Fächern erfolgen. So sollen neue medienpädagogische Bildungschancen und -Anreize geschaffen werden.

Das zweite Vorhaben, das in den nächsten Jahren an der Taunusschule Bad Camberg vorangetrieben wird, ist der verstärkte Ausbau der beruflichen Orientierung, unter anderem durch den Aufbau eines Berufsorientierungszentrums (BOZ), das in seiner Ausgestaltung hessenweit einzigartig werden soll. Der Ausbau der beruflichen Orientierung ist ab dem übernächsten Schuljahr 2021/22 angedacht. pp

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