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Die Rückseite der Median-Hohenfeld-Klinik in Bad Camberg. Die Reha-Patienten nach operativen Eingriffen bleiben derzeit vielfach aus.

Gesundheit

Corona-Folgen in Bad Camberger Reha-Kliniken sind völlig unterschiedlich

Während in der Medical-Park-Klinik der Laden brummt, gibt es in der Median-Hohenfeld-Klinik Kurzarbeit.

Zahlreiche Heilbäder und Kurorte blicken derzeit sorgenvoll in die Zukunft. Mit ihrer Aufgabe als Zentren für Prävention geht eine kosten- und personalintensive Struktur einher, die besonders die bei Corona als Risikogruppe eingeschätzte Generation 60 + zu schätzen weiß. Doch das ist nicht alles, denn die Heilbäder und Kurorte beheimaten über 90 Prozent der in Hessen ansässigen Reha-Kliniken, denen in diesen Tagen eine besondere Rolle zukommt.

Für die beiden Reha-Kliniken in Bad Camberg ist die Situation, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, völlig unterschiedlich. Während die Medical-Park-Klinik mit dem Behandlungsschwerpunkt Neurologie zu 90 Prozent ausgelastet ist, bleiben in der Median-Hohenfeld-Klinik die Patienten, die nach operativen Eingriffen in die Rehabilitation gehen, aus. Dies ist eine Folge des Aufschiebens von nicht dringlichen Operationen. Das hat zur Konsequenz, dass die kaufmännische Geschäftsführerin der Klinik, Heike Baecker, für viele Mitarbeiter Kurzarbeit beantragen musste.

dringend notwendig

"Dennoch ist aus klinischer Sicht die Aufrechterhaltung des Klinikbetriebes absolut notwendig, denn Unfallpatienten werden nach wie vor in die Klinik eingewiesen und hier rehabilitiert", sagt Baecker. Ebenso könne die Behandlung von Patienten mit psychosomatischer Indikation nicht eingestellt beziehungsweise unterbrochen werden, da sich durch die Pandemie vielfach bereits vorliegende Symptome und Erkrankungen komplizieren und zuspitzen können. "Dies kann verheerende Folgen für die Patienten nach sich ziehen."

Wichtig sind in beiden Reha-Kliniken die hygienischen Sicherheitsmaßnahmen. Schon vor der Aufnahme von Patienten erfolgt ein Gespräch in Bezug auf Symptome und Risikofaktoren. Nur Patienten, die keine Covid-19-Symptome haben, werden aufgenommen. Wird ein Patient in der Klinik auf das Coronavirus getestet, bleibt er bis zum Vorliegen des Ergebnisses schutzisoliert. Weder Besucher, Lieferanten, Postboten oder andere nicht zu den Kliniken gehörende Personen dürfen hinein. Dies sollen Einlasskontrollen sicherstellen.

Mit der Aufnahme in die Reha werden die Patienten über die Anwendung hygienischer Maßnahmen informiert. Für sie werden die Kliniken für die Dauer ihres Aufenthaltes zu einem "zu Hause". Sie sollen wie eine große Familie miteinander leben. So ist es möglich, dass sie etwa in der Median-Hohenfeld Klinik in kleinen Gruppen mit Abstand auf dem Klinikgelände spazieren gehen oder die in räumliche Abschnitte eingeteilten Liegewiesen nutzen. Für die Patienten ist dies dennoch eine Herausforderung: Sie werden über die Wochenenden nicht beurlaubt, dürfen keine Besucher empfangen und die Kliniken nur verlassen, um direkt in der freien Natur Sport auszuüben.

Angehörigen-Besuche

"Wir wissen, wie schwierig der Reha-Aufenthalt für Patienten ohne die Unterstützung durch Angehörige und Freunde vor Ort ist", sagt Stefan Gröger, Geschäftsführer der Medical-Park-Klinik in Bad Camberg. "Daher organisieren wir pro-aktiv Videoanrufe etwa über Facetime und Skype. Darüber hinaus haben wir bereits zwei Outdoor-Konzerte mit dem Camberger Sänger ,Ben'tagon' organisiert, denen Patienten und auch unsere Mitarbeiter auf den Balkonen oder am offenen Fenster lauschen konnten." Aufgrund der Lieferengpässe der Industrie, hat Medical-Park das Heft selbst in die Hand genommen. Mathias Brake, Koch der Klinik, ist Besitzer eines 3-D-Druckers und entwickelt Schutzvisiere. Gleich zu Beginn der Corona-Pandemie wurde er von Gröger nach Hause geschickt, um diese Visiere zu produzieren. Sie werden mittlerweile auch den anderen Medical-Park-Kliniken zur Verfügung gestellt.

Die Median-Kliniken haben zahlreiche Corona-Reha-Konzepte entwickelt, die Menschen nach überstandener Covid-19-Erkrankung sowie indirekt von der Krise Betroffenen hilft, körperlich und seelisch wieder zu gesunden. Spezial-Konzepte gibt es unter anderem für beatmete Patienten mit schweren Verläufen sowie Menschen mit psychischen Leiden oder Suchterkrankungen, die durch die Corona-Krise ausgelöst oder verstärkt wurden. Außerdem wird eine Hotline für Menschen mit seelischen Nöten durch Corona unter 0 18 05-21 20 99 (montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr) angeboten. "Wir sehen eine starke Reha als wichtigen Teil der Lösung bei der Bewältigung der Pandemie", sagt Heike Baecker.

"Die Reha-Kliniken sind für das Kneippheilbad Bad Camberg bedeutende Partner. Die fachspezifische Kompetenz der Kliniken ergänzt die medizinische Grundversorgung in unserer Heimat und trägt überregional zur Bekanntheit Bad Cambergs bei. Neben der medizinischen Komponente profitiert unsere Stadt auch wirtschaftlich von den Kliniken. Die Patienten sind gerngesehene Gäste in Einzelhandel und Gastronomie", betont Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD). oho

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