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Pfarrer Helmut Gross hat die ersten beiden Krippen zur Ansicht in der Bad Camberger Tourist-Info aufgebaut.

Der Bad Camberger Christkindlmarkt am ersten Adventwochenende ist normalerweise aus dem städtischen Terminkalender nicht wegzudenken

Der etwas andere Krippenweg

  • vonPetra Hackert
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Um die Menschen dennoch im Stadtbild sichtbar auf die Adventszeit einzustimmen, gehen Pfarrer Helmut Gross und "Wir für Bad Camberg" neue Wege mit einer Krippenausstellung in über 30 Schaufenstern

Bad Camberg -Die geflochtene Krippe stammt vom Amazonas. Die andere mit den Pappmaché-Figuren aus Peru. Die fein bemalten, kleinen Statuen sehen aus, als wären sie aus Stein oder aus Holz geschnitzt. Auf Pappe muss man erst einmal kommen. Jede Krippe ist anders, die kleinste findet in einer Nussschale Platz, erzählt Helmut Gross. Früher war er evangelischer Pfarrer in Bad Camberg, wechselte dann als Lehrbeauftragter in die evangelische Hochschule in Darmstadt. Dort arbeitet der 72-Jährige immer noch mit, auch nach der Pensionierung. Wenn er sich nicht gerade über Krippen Gedanken macht.

Das kam so: Vor vier Jahren besuchte er gemeinsam mit seiner Frau eine solche Ausstellung in Frankfurt-Rödelheim. Die dortige Pfarrerswitwe machte ein großzügiges Angebot: Sie schenkte ihm 50 Krippen. Nach der ersten eigenen Schau in Reichenbach sah sie, wie gut das Ganze in der Region ankommt, und fügte weitere 30 Krippen hinzu, erzählt Pfarrer Gross. Jetzt füllen sie bei ihm zu Hause in Bad Camberg eine halbe Garage. 30 davon wiederum rücken nun auf ganz besondere Weise ins Licht der Öffentlichkeit: In der Adventszeit werden sie Bad Camberger Schaufenster verschönern. "Und es sind sogar einige Häuser dabei, die jetzt leer stehen. Die Besitzer haben sich bereit erklärt, bei dieser Aktion mitzumachen", erklärt Sabine Rubröder (Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung der Stadt Bad Camberg).

Anstelle des

Christkindlmarkts

Da sind die Richtigen aufeinandergetroffen: Helmut Gross und Wolfgang Erk. Der frühere Bad Camberger Bürgermeister hat nämlich in seiner Funktion als Vorsitzender von "Wir für Bad Camberg" Ausschau nach einer Alternative zum Christkindlmarkt gehalten. Es zeichnete sich ab, dass es diese Traditionsveranstaltung am ersten Adventwochenende in diesem Jahr nicht geben wird. Bedauerlich für die vielen Ehrenamtlichen, die durch ihre Arbeit dort schon Zehntausende Euro für viele gute Zwecke spenden konnten. Und natürlich für die Camberger Geschäftsleute, die hier eine wichtige Umsatzmöglichkeit verlieren.

"Die Situation ist eine Herausforderung für den Einzelhandel", sagt Pfarrer Gross. Auch deshalb stellt er die Krippen gerne in die Schaufenster. Sie sollen den Betrachtern Zeit zur Besinnung im Advent geben, zu guten Gedanken anregen und die Menschen wieder in die Stadt locken - wenn auch auf Abstand.

Ohnehin habe die Krise gezeigt, was Kirche leisten könne, wenn sie die eigenen Mauern verlasse. Vieles von dem, was jetzt gezwungenermaßen geschehe, könne positive Impulse für die Zukunft geben.

Die Krippen werden übrigens nicht ganz alleine in den Schaufenstern stehen. Hinzu kommt ein Schnittbogen und der Text der Weihnachtsgeschichte. Bei der Textversion handelt es sich um eine Vorabveröffentlichung aus der neuen Ausgabe der Bibel in einfacher Sprache, die im Januar erscheinen wird, erklärt der Pfarrer. Diese Basisbibel lieferte den Text für den Bogen. Die Bilder kann jeder selbst bemalen, ausschneiden und so seine eigene Weihnachtskrippe herstellen. "Wir werden sie auch in den Bad Camberger Kindergärten verteilen", sagt Wolfgang Erk.

"Wir für Bad Camberg" will auf diese Weise Anstöße geben in einer Zeit, in der die Gewerbetreibenden normalerweise den meisten Umsatz machen. Und auch ohne Christkindlmarkt lohnt es sich, die Stadt zu besuchen, verspricht Sabine Rubröder. Die schöne Bad Camberger Weihnachtsbeleuchtung wird wieder strahlen. Wer dann durch die Straßen der malerischen Fachwerkstadt schlendert, wird auch so in adventliche Stimmung geraten.

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