Bei den Ferienspielen geht es rund: Eine Brücke zu machen ist für diese Drei kein Problem.
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Bei den Ferienspielen geht es rund: Eine Brücke zu machen ist für diese Drei kein Problem.

Am Sonntag wird präsentiert

Die große Freiheit auf dem Sportplatz

  • Petra Hackert
    VonPetra Hackert
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72 Kinder aus Oberselters, Erbach, Schwickershausen, Niederselters, Eisenbach und Hünfelden genießen auf dem Oberselterser Sportplatz eine abenteuerliche Ferienwoche

VON PETRA HACKERT

Oberselters -Marlon (8) stürmt aufs Tor. Den Ball hat er dicht am Bein. Gleich wird er schießen. Nicht nur er. Jakob (8) hat auch einen Ball, und irgendwie scheint der Torwart zu fehlen. Alle rennen, üben schießen, eine gegnerische Mannschaft gibt es nicht. Brauchen sie auch nicht. Die Jungs nutzen gerade bei den Ferienspielen in Oberselters den Kunstrasen. Ihre Schuhe haben sie ausgezogen. Fußball spielen geht auch auf Socken, wenn die Rasenfläche geschont werden muss. Eine Gruppe Mädchen hat es ähnlich gemacht. Gemeinsam mit ihren Betreuerinnen heben sie zum "Fliegerlied" die Arme, erst breit ausgestreckt, dann in die Höhe. Alle haben Socken an oder sind ganz barfuß. "Ich wusste gar nicht, dass der Rasen so warm ist", sagt Emil (7).

Wenn die Kinder dort spielen, erscheint die Rasenfläche riesig. Überall bilden sich Gruppen und Grüppchen. Trotzdem ist jede Menge Platz. Und: "Endlich dürfen sie wieder", sagt Gemeindereferentin Ulrike Mudrich. Gemeinsam mit Patricia ("Paddy") Hartmann, Karsten Ott ("der Ott"), Denise Möhn und Katharina Glaba leitet sie die Ferienspiele auf dem Oberselterser Sportplatz in Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul. 72 Kinder aus Bad Camberg, Erbach, Schwickershausen, Niederselters, Eisenbach und Hünfelden sind dabei. Letztere, weil sie gemeinsam die Schule besuchen. "Wir weisen kein Kind ab", sagt Ulrike Mudrich.

Die Kinder von der Vorschulstufe bis zur fünften Klasse haben jetzt Gelegenheit, eine unbeschwerte Zeit miteinander zu verbringen. "Und das ist nötig nach der Coronapause", sagt Ulrike Mudrich. Wenn man sie spielen sieht, glaubt man nicht, dass es Einschnitte gegeben hat. Louis (8) hat seinen Bruder Lucas (6) dabei und ihm so viel von den Ferienspielen erzählt, dass der Kleine unbedingt mitkommen wollte. Und: Louis ist sehr medienerfahren. Nils (8) auch. "Ich war schon dreimal in der Zeitung", sagt er, als er sieht, dass fotografiert wird. Und: "Meine Oma schneidet mich immer aus." Den Zeitungsartikel natürlich, nicht den Nils. "Meine Mama macht das auch", erzählt Emil (7) sofort. Das kommt alles ins Fotoalbum. Ihr jetziges Interview sicher auch.

Hüttendorf

zwischen Bäumen

Jakob erzählt: "Es gibt hier so viele Spielgeräte und man kann machen, was man erlaubt kriegt." Das ist wohl gerade das Richtige, denn er strahlt über das ganze Gesicht. Das Hüttenbauen gefällt ihm besonders gut. "Und die ganzen Spiele", sagt Mia (8) noch einmal. Die gleichaltrige Annabell kann schon Handstand und präsentiert, was sie gelernt hat. Mia, Annabell und Leonie sind Freundinnen und gerne sportlich. Das geht auf dem großen Platz problemlos.

Eine ganze Woche lang wird gehämmert, gesägt, gebaut. Das Hüttendorf entsteht auf der Lichtung zwischen den Bäumen. Das Besondere: Am Schluss dürfen die Eltern kommen und zuschauen, sehen, was die Kinder alles gelernt haben. Außerdem werden die Hütten versteigert. "Ich darf keine kaufen", sagt Annabell. Warum? "Mein Bruder Marlon hat letztes Mal schon eine gekauft. Jetzt steht sei bei uns zu Hause im Garten. Wir haben sie umgebaut, und innen drin ist jetzt sogar eine Matschküche." Eine sehr nachhaltige Angelegenheit also.

Was fällt den Mädchen noch zu den Ferienspielen ein? "Die Betreuer sind nett", sagt Leonie. Jetzt schallt ein Ruf über den Platz: "Halbzeit, alle mal 'was trinken!" In Windeseile machen sich die Kinder auf zu ihren Gruppen. Das ist gerade sehr wichtig. Bei der Hitze muss viel getrunken werden. Beim Arbeiten vergisst man das leicht. Beim Spielen auch. . .

"Anstrengend,

aber auch schön"

Während die Kinder rennen, schauen ihnen die Betreuer hinterher. Mit dabei Leoni und ihr drei Jahre älterer Cousin Robin. Er war selbst einmal ein Ferienspielkind, ist nun da siebte Jahr Betreuer und nimmt sich dafür extra eine Woche Urlaub. Leoni hilft im vierten Jahr. Beide sind gern dabei. Das Zusammensein mit den Kindern ist anstrengend, aber auch schön. "Das Hüttenbauen schweißt zusammen", weiß die 20-Jährige. "Die Aufgaben und das Schauen, dass alles funktioniert." Am kommenden Sonntag um 14 Uhr ist der große Tag für Eltern und Großeltern. Dann werden die Kinder ihnen zeigen, warum diese Ferienspiele für sie so besonders sind.

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