Tenor Gerhard Stillger ist voll und ganz in seinem Element. Die Musik der 20er und 30er Jahre macht Spaß.
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Tenor Gerhard Stillger ist voll und ganz in seinem Element. Die Musik der 20er und 30er Jahre macht Spaß.

Musik lockt in den Bad Camberger Kurpark

Die Menschen lechzen nach Freude, Spaß, Begegnung

  • Petra Hackert
    VonPetra Hackert
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"Ausgerechnet Bananen" begeisterte am Sonntag mehr als 300 Besucher im Kurpark. Das Orchester unter Leitung von Michael Steiner entführte in die 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Bad Camberg -Es waren die Goldenen Zwanziger. Der Erste Weltkrieg vorbei, die Depression vorüber. Die Menschen lechzten nach Freude, Spaß, Begegnung - und fanden das alles in Musik und Tanz. "Soziale Medien so wie heute gab es nicht. Man ist zum Tanz ausgegangen", sagt Michael Steiner. Der Musiker leitet die Kapelle "Ausgerechnet Bananen", und der Name führt direkt ins Programm. Hits der 20er und 30er Jahre, Musik von Paul Raabe und seinem Palastorchester, sehr tanzbare, eingehende Klänge erfüllten am Sonntag den Kurpark. Wo sie durften, hatten die Menschen auf den Stühlen Platz genommen - schon wieder mit etwas weniger Abstand. Dennoch machte rot-weißes Flatterband auf einigen Plätzen deutlich: Ganz geschafft ist es noch nicht, trotz derzeit niedriger Inzidenz.

So wie vor 100 Jahren ist es auch jetzt: Die Menschen hungern nach Begegnung. Das Reduzieren der sozialen Kontakte, die Enthaltsamkeit in der Begegnung hat dazu geführt, dass jeder gerne draußen ist, wenn es das Wetter zulässt. Sich - noch mit etwas Abstand, aber ohne Maske - im Freien begegnen, noch dazu bei guter Musik, die Lebensfreude vermittelt: Das hebt jede Laune.

Mehr als 300 Besucher wussten das. Deshalb sind sie zum Musikpavillon gekommen, nehmen dort auf den Stühlen oder auf der Wiese Platz, verteilen sich bis hoch zu den Wasserspielen. Ein guter Start in den Sonntagmorgen, der musikalisch auch so beginnt: "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh'n", singt der lyrische Tenor der Band, Gerhard Stillger. Viele summen leise mit. Den Text kennt nun wirklich jeder.

Diese Hits sind echte Ohrwürmer

Genau das ist es: Diese Hits sind Ohrwürmer, und wer den Text nicht weiß, hat ihn spätestens nach ein paar Minuten drauf. Slowfox, Foxtrott, Ragtime, Begine, Tango - die Rhythmen wechseln, was bleibt, ist die Begeisterung. Kaum zu glauben: Vor zwei Jahren hatten sie ihr letztes Konzert. Beim Höfefest in Bad Camberg. Letztes Jahr fiel dieses Fest am ersten Augustwochenende der Pandemie zum Opfer. Diesmal wird es eine abgespeckte Version geben, am kommenden Wochenende. Doch dass der erste Sonntag im August vor zwei Jahren die letzte Gelegenheit für einen öffentlichen Auftritt war - das hätte damals keiner gedacht.

Eine junge Formation voller Spielfreude

"Wir sind eine junge Formation und haben uns vor sechs Jahren gegründet", erzählt Steiner. Allerdings: Alle, die dort spielen, engagieren sich auch in anderen Orchestern. "Wir sind alle Profis", sagt er. Das erklärt, weshalb eine einzige Probe genügte, um das komplette Programm wieder drauf zu haben. Die Lieder ändern sich ja nicht - genauso wenig wie die Gefühle, die sie wecken. "Die Nacht ist nicht nur zum Schlafen da" - fetzig erinnert das Lied an den Film "Tanz auf dem Vulkan". Melancholisch wird es bei "O sole mio", spitzbübisch-spöttisch, als Gerhard Stillger singt: "Mein Gorilla hat 'ne Villa im Zoo." Das ist ein Paso Doble, und Fußspitzen wippen im Takt. Man kann sicher sein: Wenn sie es dürften, würden sie tanzen. Bald wieder. . .

Die unbeschwerte Zeit ist schnell vorbei. Unendlicher Applaus belohnt die fleißigen Musiker, denen die Spielfreude bei jeder Bewegung anzumerken ist, für diesen Vormittag. Und aktuelle Nachrichten gibt es auch: "Alexander Zverev hat Gold geholt", meldet Steiner um 11.39 Uhr. Dann ist doch der Vormittag gerettet.

"Ausgerechnet Bananen": Die Profi-Musiker unter Leitung von Michael Steiner (vorne Mitte am Saxofon)legen los.
Das Publikum spendet langanhaltenden Applaus. Bei der Größe des Kurparks sind über 300 Gäste kein Problem. Wer nicht auf den Stühlen vor dem Musikpavillon sitzt, bringt sich eigene mit, breitet die Decke auf der Wiese aus oder findet an den Wasserspielen ein Plätzchen.

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