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Man sieht noch nicht viel, aber bald wird hier ein wunderschöner Fleck Wald entstehen.

Bedrohter Wald

Die Vogelkirsche ist der Hoffnungsträger

Auf einem halben Hektar bei Bad Camberg werden 1850 Vogelkirschen gepflanzt, die im Frühjahr eine kahle Stelle im Wald zu einem weißen Blütenmeer verwandeln sollen.

Bad Camberg -Betrachtet man den Wald der heimischen Region, so ist für jeden Spaziergänger ersichtlich, dass es ihm derzeit nicht sonderlich gut geht. Schwere Stürme wie der Orkan 2018, extreme Trockenheit in den letzten Jahren, aber auch der Borkenkäfer führten zu großem Chaos im Wald. Viele Bäume mussten gefällt werden, wodurch Lücken innerhalb der Wälder entstanden sind. Vor allem die Fichten haben darunter sehr gelitten: Die Borkenkäfervermehrungen haben im Taunus zum Absterben beinahe aller Fichtenbestände geführt. Teilweise sieht man deshalb ganze Areale, die durch ihre Kahlheit auffallen.

Doch einem Stück Wald wird nun neues Leben eingehaucht: Ein halbes Hektar ist die Fläche im Erbacher Revier groß, auf der in den nächsten Monaten und Jahren Vogelkirschbäume gedeihen sollen. Wenn man daran vorbeiläuft, kann man natürlich noch nicht viel erkennen. Wer jedoch ganz genau hinsieht, kann die feinen Stämmchen der verpflanzten Vogelkirschen erkennen. Doch wieso wird ausgerechnet diese Baumart gesetzt? Wieso setzt man nicht direkt viele verschiedene Arten nebeneinander?

Für diese Baumart gibt es viele Vorteile. "Warum haben wir uns für die Kirsche entschieden? Das hatte viele Gründe", erklärt der Förster Frank Körver, der für das Gebiet zuständig ist. Zum einen sei die Vogelkirsche ein Baum, der im Gegensatz zu anderen Arten wie dem Ahorn weniger krankheitsanfällig ist. Zudem bietet er sich vor allem an, weil er flexibel einsetzbar ist und die Pflanzung gute Erfolgschancen verspricht.

Schon bald können die Besucher des Waldes bei einem gemütlichen Spaziergang die Fläche bewundern, die im Frühjahr von weißen Blüten gesäumt sein wird. "Somit ist die Vogelkirsche natürlich auch etwas fürs Auge, wir geben den Bürgerinnen und Bürgern durch den Anblick auch etwas zurück", versichert der Förster. Die Vogelkirsche gilt außerdem als hilfreich für die Tierwelt. "Langfristig gesehen ist jedoch geplant, dass nicht nur die gesetzten Kirschen wachsen, sondern weitere Pflanzenarten die Fläche vielseitig bereichern", so Körver weiter. Die umliegenden Bäume und Gewächse bilden Samen aus, die ihren Weg auf die noch eingezäunte Fläche finden. Durch die natürlichen Vorgänge im Wald entsteht so eine Artenvielfalt, die für das Ökosystem von essenzieller Bedeutung ist.

Bürger spenden

für den Wald

Um das Ökosystem zu unterstützen, wollen die Bürgerinnen und Bürger der Kurstadt helfen. Insgesamt haben sich 40 Spender aktiv an der Pflanzaktion beteiligt. "Die Spender sind allerdings nicht nur Einzelpersonen, es haben teilweise auch ganze Familien gespendet, ein Großvater mit seinem Enkel, aber auch Firmen haben uns bei der Aktion unterstützt", erzählt Gerd Schmidt, der sich für den Magistrat ein Bild vom Voranschreiten der Aktion macht.

Das zeigt: Dieses Projekt ist nicht nur auf die Gegenwart ausgerichtet, sondern vor allem auf Nachhaltigkeit und die Zukunft des Waldes. Die verpflanzten Vogelkirschen sind nicht nur in der heutigen Zeit wichtig, sondern werden es auch für künftige Generationen sein. Ursprünglich war geplant, dass die Spender unter der Anleitung des Försters ihren Baum selbst einpflanzen. Aufgrund der Pandemie wäre es jedoch unverantwortlich gewesen, wenn sich eine so große Menschenmenge versammeln würde. Deshalb werden die Bäume von den Forstwirten Stefan Hampel und Martin Eder fachgerecht eingepflanzt.

"Es ist wichtig, dass die Wurzel möglichst gerade in den Boden kommt, sodass sie nicht beschädigt wird. Auch die Tiefe des Lochs ist entscheidend. Vor allem muss der Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen stimmen", erklärt Stefan Hampel. Die Vogelkirschen werden im Abstand von einem Meter zueinander gesetzt. Der Abstand zwischen den Reihen beträgt 2,5 Meter. In der Zukunft, wenn die Bäume ihre neue Umgebung annehmen und beginnen zu wachsen, ist eine weitere Pflege von hoher Priorität. "Wir müssen darauf achten, die Bäume freizuschneiden. Vor allem die Brombeere fühlt sich auf diesem Stück Wald wohl und muss regelmäßig zurückgeschnitten werden.", erklärt der Förster. Die Bürger jedenfalls dürften bei ihren zukünftigen Spaziergängen den Wachstumsprozess mit etwas Geduld und einer guten Beobachtungsgabe ansehen können. Elena Steiger

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