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Ein Prosit auf die gelungene Vernissage: Irmgard Murr und Ljerka Wohner (von links) stoßen vor Ljerka Wohners Bildern an.
Ein Prosit auf die gelungene Vernissage: Irmgard Murr und Ljerka Wohner (von links) stoßen vor Ljerka Wohners Bildern an. © Petra Hackert

„Wechselspiel zwischen Form und Farbe“ - der Titel der aktuellen Ausstellung in der Amthof-Galerie

Bad Camberg -Eine rote Spirale, die auf ein Zentrum führt, der Hintergrund blau: Das ist eines der Bilder, die man sich länger anschauen könnte. Der Blick des Betrachters vertieft sich in der Kunst, schweift ab zum nächsten Gemälde, und die Gedankenspiele beginnen erneut. „Jedes Kunstwerk ist eigentlich eine Skizze, die erst durch unsere Fantasie vollendet wird“, sagt Helmut Murr und zitiert den Schriftsteller Sigmund Graff. Die Aussage ist treffend: Auf zwei Etagen sind zurzeit in der Amthof-Galerie Bilder zu sehen, die nicht nur die beiden Künstlerinnen, die sie geschaffen haben, bewegten und bewegen.

Man sollte sich Zeit nehmen, um sich darin zu vertiefen. Und: Je länger man sich damit befasst, desto schöner wird es, immer wieder Neues zu entdecken. Bei Ljerka Wohner ist das so. Die ausgebildete Grafikerin stammt aus Zagreb, lebt im Idsteiner Stadtteil Heftrich und hat sich schon lange der abstrakten Malerei verschrieben. Ihre Bilder sind farbenfroh, wecken beim Betrachter Stimmungen, die gut tun. Das nicht ohne Grund. „Malerei ist für mich meditativ. So kann ich mich auf diesem Weg ausdrücken“, sagt sie. Mit Pinseln, Ölkreide, Spachtel und verschiedenen Materialien wie Wachs und Papier entstehen so Collagen und Gemälde, bei denen Farben und Formen den Strukturen folgen. Modern und abstrakt möchten sie die Fantasie beflügeln. Das Ganze in einer eindrucksvollen Farbgebung.

Intensive Farben und starke Formen

Noch gefangen von Ljerka Wohners Arbeiten kaum denkbar: Verlässt man die Etage mit ihren Bildern, wird der Farbeindruck noch stärker. Irmgard Murr fordert ein Stockwerk tiefer dazu auf, die Gedanken schweifen zu lassen und wieder neu zu konzentrieren. Dieser Wunsch verbindet beide Künstlerinnen. Der berufliche Werdegang ist unterschiedlich, und doch gibt es Gemeinsamkeiten. Irmgard Murr hat Sozialpädagogik studiert, malt ebenso wie Ljerka Wohner seit Jahrzehnten. Beide bilden sich beständig weiter, belegen Kurse. Irmgard Murr nicht erst seit ihrem Besuch der Kunstakademie in Bad Reichenhall. „Jedes Bild ist für mich ein Projekt, bei dem ich am Anfang noch nicht genau weiß, wohin die Reise geht“, sagt die 66-Jährige. „Das entwickelt sich dann. Manchmal dauert das ewig.“

Ewig - ein großes Wort. Was bedeutet das in der Kunst? Bei ihr? Jetzt muss sie schmunzeln. „Manchmal Monate“, sagt sie. Auch deshalb, weil sie öfters an mehr als einem Bild zur gleichen Zeit arbeitet. Eindrücke und Inspirationen verändern sich. Manchmal braucht es einfach seine Zeit, bis sie damit zufrieden ist. Hin und wieder verwendet sie Alltagsgegenstände neu. Ein plastisch wirkendes Bild mit geraden Linien könnte zum Beispiel Holzelemente enthalten. Man ist versucht, es mit dem Finger anzutippen, erkennt den Irrtum. „Kennen Sie die Lampen, die man selbst zusammenbaut und Einzelteile aus einer Pappe herausdrückt?“, fragt ihr Mann Helmut Murr. Ihre Tochter hat das gemacht. Die Reste, die übrig blieben, hatten diese besondere Form. Irmgard Murr setzte sie im Bild ein, und so entstand ein Gemälde, das man sich gut im Eingangsbereich eines großen Geschäftshauses vorstellen könnte - zum Beispiel.

Manche Bilder hängen auch schon daheim. Andrea Reusch-Demel geht es so. Die Bad Camberger Stadtverordnetenvorsteherin (CDU) hat bereits zwei von Ljerka Wohner erworben. Begleitet vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Daniel Rühl erkennt sie bei der Vernissage Vertrautes wieder. Rühl ergänzt: Sein guter Eindruck von der Amthof-Galerie rührt aus der Schulzeit. Mit der Kunstlehrerin machte man sich auf den Weg in die Galerie - und lernte dazu. Dritter im Bunde der Gäste bei der Vernissage, die eigene Erinnerungen beisteuern, ist Stadtrat Heinz Schaus (SPD), seit kurzem offiziell zum Ehrenbürger der Stadt Bad Camberg ernannt. Als Gründungsmitglied der Galerie hat er die längsten und engsten Verbindungen. Er fehlt bei fast keiner Vernissage, das seit Jahrzehnten.

An den Sonntagen durchgehend geöffnet

Heinz Schaus und Klausjürgen Herrmann: Der ehrenamtliche Politiker und der Vorsitzende der Amthof-Galerie wissen, wie wichtig es für die Künstler ist, Resonanz zu finden. Deshalb weisen sie auch besonders darauf hin, dass es bei dieser Ausstellung, die noch bis zum Monatsende zu sehen ist, keine Mittagspause gibt. Die Galerie ist jeden Sonntag durchgehend von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Die beiden Künstlerinnen freuen sich auf das Gespräch und laden dazu ein, die Bilder zu genießen. Der Eintritt ist - wie immer - frei.

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