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Dieses Orchester hat es in sich

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Von: Petra Hackert

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Julia Treinies, jennier Möbus und Eva Treinies (von links) beim Querflöten-Solo.
Julia Treinies, jennier Möbus und Eva Treinies (von links) beim Querflöten-Solo. © Petra Hackert

Bad Camberg -Schostakowitsch und Tschaikowskij - das sind nur zwei russische Musiker, deren Werke so bekannt und beliebt sind, dass sie gerne in Konzertprogramme aufgenommen werden. So auch beim Solistenkonzert des Bad Camberger Kurorchesters am Sonntag im Kurhaus. Musik ist international, völkerverbindend. Und: Sie ist viel stärker, als man denkt.

So schaffte es das Orchester unter Leitung von Julia Treinies erneut, etwas Besonderes zu bieten. Sie bewiesen nicht nur, dass aus Russland mehr kommt als Krieg. Sie zeigten auch, was sein kann, wenn man der Kreativität freien Lauf lässt.

Den Menschen in der Ukraine galt an diesem Tag das ganze Mitgefühl der Gäste im Kurhaus. 120 Männer und Frauen erhoben sich von den Plätzen, dachten gemeinsam an die, die jetzt fliehen. Mehr als 300 000 Menschen, wie es gerade vorher in den Nachrichten hieß. Julia Treinies trug einen Schal mit den blau-gelben Farben des Landes. Plätze waren mit blau-gelben Fähnchen geschmückt. Elke Leichtfuß, die die Gäste begrüßte, lud ein zu einer internationalen Reise, auf die sich alle begaben.

Edelsteine, Walzer und etwas zum Lernen

Edelsteine der Musik von Schumann, Salut d'Amour von Edward Elgar, zwei Walzer von Schostakowitsch, Sönke Schmidts Tuba-Solo bei Franz Watz' Concertino - das Orchester startete vielfältig und lehrreich. Letzteres galt besonders für das zweite Stück im Programm, den Kupferschmied-Marsch von Carl Peter. Der bildet nämlich, mit neuem Text versehen, die Grundlage für die Bad Camberger Streitburg-Hymne. Gemeint sind die Karnevalisten westlich des Emsbachs. Sie saßen zahlreich im Saal und stimmten bei Herbert Schmitts Solo sofort mit ein. Ausnahmsweise nicht als Trompeter, sondern als Sänger sorge er dafür, dass der berühmte Funke gleich übersprang.

"Die Geheimnisse der Etsch" - das ist ein Beitrag aus Italien. Felice Carena hat den Fluss von der Quelle bis zur Mündung beschrieben. "Schließen Sie die Augen", lud Elke Leichtfuß ein, der Musik zu folgen, dem hell klingenden Perlen der Quelle, bei dem Querflöten und Geigen dominierten, über den warmen, vollen Klang des Orchesters und die Dynamik des schnellen Fließens bis hin zur Mündung. Das war eine Uraufführung für das Bad Camberger Kurorchester. Trotz Corona haben sie es geschafft, intensiv zu proben und etwas besonderes auf die Beine zu stellen. Herrlich.

Blitzschnelle Einlagen und muntere Beiträge

Wie vielfältig das Kurorchester ist, wird gerade beim Solistenprogramm deutlich. So entführen Renate Meffert, Stephanie Völker und Frank Zanger das Publikum mit Libor Simas Ragtime mit Klarinetten und Saxofon ins Amerika des 19. Jahrhunderts. Heftig mitgeklatscht wird bei der "Erinnerung an Zirkus Renz", mit der Altmeister Josef Ost am Xylophon zeigt, dass er nichts verlernt hat. Seine Hände fliegen nur so über die Klangstäbe. Der frühere Kapellmeister ist beliebt wie eh und je. Das beweist der herzliche und lang anhaltende Applaus zum Schluss. Musik hält eben jung - das zeigt er noch mit 91 Jahren.

Sein Sohn Gerd Ost wiederum erzeugt beim Gitarrensolo von Anton Karas Zitherballade Krimi-Stimmung - und einen Anflug von Gänsehaut. Das Harry-Lime-Thema des "Dritten Mann" wird sofort erkannt. Elena Korezka, Anne Hartmann, Katja Meßwarb (Streicher), Julia und Eva Treinies sowie Jennifer Möbus (Querflöte und Klavier) - sie alle bescheren dem Publikum eine gute Zeit und lassen es mit dem vollen Orchester beim Zigeunermarsch zum Abschluss noch einmal richtig krachen.

Sehr, sehr gut sind sie, die Männer und Frauen, die fast jeden Sonntag auf der Kurhaus-Bühne sitzen und stehen, sich immer wieder ihr Publikum erobern. Und: Es ist kein Profi-Orchester. Das kann gar nicht genug betont werden, denn die Leistung, die sie zeigen, ist professionell. Sie alle verbindet die Liebe zur Musik, mit Kopf und Herz eingebracht, immer wieder bereit, anderen eine Freude zu machen. Das klappt. Bravo! pETRA hACKERT

Ragtime: Stephanie Völker, Renate Meffert und Frank Zanger (von links) laden ein ins Amerika des 19. Jahrhunderts.
Ragtime: Stephanie Völker, Renate Meffert und Frank Zanger (von links) laden ein ins Amerika des 19. Jahrhunderts. © Petra Hackert
Josef Osts Hände flitzen noch immer über das Xylophon.
Josef Osts Hände flitzen noch immer über das Xylophon. © Petra Hackert

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