Das eigene Stromnetz

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Die Kommunen sind ins Stromgeschäft eingestiegen: Seit 1. Januar ist eine neue Gesellschaft mit Sitz in Bad Camberg für die Stromversorgung von 86 000 Bürgern zuständig. Neun Städte und Gemeinden sind beteiligt. Der Wert des Stromnetzes: 33 Millionen Euro. Das Land Hessen fördert die interkommunale Zusammenarbeit mit 100 000 Euro.

Technisch spürbar ist es nicht, doch seit 1. Januar erhalten 86 000 Bürger ihren Strom von einer neuen Gesellschaft. Bad Camberg, Bad Schwalbach, Aarbergen, Hünfelden, Hünstetten, Heidenrod, Hohenstein, Niedernhausen und Weilrod halten daran zusammen 51 Prozent, die Süwag 49 Prozent. Im vergangenen Jahr hatten die kommunalen Parlamente die Weichen gestellt. Zum 1. Januar ist die neue Netzgesellschaft mit Sitz in Bad Camberg operativ gestartet. Das Stromnetz mit einem Gesamtwert von 33 Millionen Euro ist damit in den Besitz der neuen Gesellschaft übergegangen. Die Kommunen tragen hier gemeinsam 16,5 Millionen Euro der Kosten.

Das Land Hessen fördert dieses beispielhafte Projekt kommunaler Zusammenarbeit. Staatssekretär Werner Koch überreichte daher gestern in Niedernhausen einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 100 000 Euro. Damit unterstützt das Land die Kooperation der Gemeinden im Bereich der Verwaltung. „Diese Zusammenarbeit ist ein Novum im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit und ein Pilotprojekt des Landes“, sagte Koch und lobte die beteiligten Kommunen für ihren Mut und ihren Pioniergeist.

Ziel ist die Bildung eines möglichst geschlossenen Stromnetzgebietes, welches deutlich effizienter und wirtschaftlicher betrieben werden kann, als neun einzelne kleine Stromnetze. „Die Interkommunale Zusammenarbeit und die Zusammenarbeit der Städte und Gemeinden stellt eine wichtige Möglichkeit dar, die Aufgaben effizienter und kostengünstiger zu organisieren“, so der Staatssekretär gestern bei der Übergabe. „Wir freuen uns, dass unsere Bemühungen die Anerkennung des Landes gefunden haben“, so der Bad Camberger Bürgermeister Wolfgang Erk (SPD). Dies sei zum einen eine besondere Auszeichnung der interkommunalen Zusammenarbeit der neun Kommunen und drei Landkreise. Außerdem sei hier die größte Stromnetzgesellschaft innerhalb des Süwag-Gebietes entstanden. „Wir haben hier die Grundlage für mehr Mitsprache gelegt“, sagte Erk und dankte allen, die an den Vorbereitungen dieses Großprojektes beteiligt waren.

Die Vorlaufzeit reicht drei Jahre zurück. Zwei wesentliche Argumente für die Übernahme waren: Der Eigentümer des Netzes kann durch die Integration der Erneuerbaren Energien zur Gestaltung der Energiewende beitragen. Die Kommunen können ihren neuen Einfluss dafür nutzen, Gewinne aus der Energieversorgung wieder in die Region zu investieren und Aufträge regional zu vergeben. Vorgesehen ist außerdem, dass die Kommunen weiterhin die Konzessionsabgabe und daneben eine Pachtzahlung erhalten. Denn das bisherige Stromnetz der Süwag wurde in die eigene Netzgesellschaft eingebracht und dann wieder an die Süwag verpachtet. Den Netzbetrieb hat die Syna GmbH übernommen, eine Netztochter der Süwag. Die Konzessionsabgabe fließt direkt in die kommunalen Haushalte, die Pacht, die von der Bundesnetzagentur verbindlich vorgegeben ist, in die Gesellschaft. Somit können die kommunalen Haushalte mit den Einnahmen rechnen. Die Vertragslaufzeit liegt bei 20 Jahren. Danach bleibt die Option, das Netz weiter zu verpachten oder gegebenenfalls wieder zu verkaufen.

Jetzt versorgt die neue Gesellschaft 86 000 Einwohner auf einer geographischen Fläche von etwa 508 Quadratkilometern in den Kreisen Rheingau-Taunus, Limburg-Weilburg und Hochtaunus.

Zu den Versorgungseinrichtungen gehören laut Süwag insgesamt 561 Ortsnetztransformatoren, 27 500 Netzanschlüsse sowie eine Stromkreislänge Mittelspannung von etwa 530 Kilometern, eine Stromkreislänge Niederspannung von etwa 1200 Kilometern. Das Land Hessen fördert ganz bewusst die Zusammenarbeit der Kommunen. Seit Unterzeichnung der geltenden Förderrichtlinie vom Dezember 2011 wurden beteiligten Städten und Gemeinden nach Angaben des Innenministeriums 127 Bewilligungen mit einer Gesamtsumme von rund 8,9 Millionen Euro zugesprochen.

(pp)

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