Chorjubiläum

Eintracht Erbach beendet Jubiläumsjahr mit fantastischem Konzertabend

Besondere Gäste wurden zum Festkonzert von Eintracht Erbach eingeladen. Und das Programm zum Chorjubiläum konnte sich hören lassen.

Der Männerchor Eintracht Erbach feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Einer der Höhepunkte des Festjahres war ganz sicher der nationale Chorwettbewerb im Mai, bei dem es viel fantastische Chormusik zu hören gab. Nun hat der Chor sein Jubiläumsjahr mit einem Festkonzert in der Erlenbachhalle beendet.

Zu einem solchen Anlass holt man sich schon mal besondere Gäste. Das haben die Erbacher um ihren Vorsitzenden Michael Schlüter und Chorleiter Karl-Wilhelm Dünnes getan und zwei eher junge Gesangsensembles eingeladen. „Vocapella Limburg“ unter der Leitung von Tristan Meister ist das jüngste Männerchor-Ensemble, das aus den Limburger Domsingknaben hervorgegangen ist und wurde in seiner erst elfjährigen Geschichte mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Meister und seine Sänger haben sich zum Ziel gesetzt, anspruchsvolle Männerchorliteratur zu singen. So haben sie als erster Chor überhaupt sämtliche 54 Stücke für Männerchor des Komponisten Max Reger (1873-1916) auf CD aufgenommen.

Ebenfalls mit Preisen überhäuft wurde das noch jüngere Frauenensemble „Singsations Westerwald“. Seit 2012 singen die jungen Damen unter der Leitung von Jessica Burggraf und sorgen mit ihren Auftritten für frischen Wind in der heimischen Chorlandschaft.

Die festliche Eröffnung des Konzertes war natürlich dem Jubilar vorbehalten. Die „Eintracht“ begann stimmgewaltig und mit schönem, homogenem Männerchorklang mit „Cantate Domino“ von Hans Leo Hassler (1564 - 1612). Damit hatten sie den ältesten Komponisten des Abends direkt an den Anfang gesetzt. In der Folge zeigten sie mit dem sehr getragenen „Beati mortui“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), „Ubi caritas“ von Ola Gjeilo (*1978) und dem hymnischen „I will praise“ von Knut Nystedt (1915 - 2014), dass sie sich auch in Romantik und zeitgenössischer Chormusik wohlfühlen.

Chorleiter Dünnes erinnerte daran, dass es vor 125 Jahren Uraufführungen von Komponisten wie Rachmaninoff, Tschaikowski, Dvorák oder Humperdinck gab. Die „Eintracht“ habe mit ihrer Literaturauswahl altes und neues im Blick, sagte er. Dann zeigte „Vocapella“ die Hohe Schule ihrer Kunst. Der litauische Komponist Vytautas Miskinis beschreibt mit seinem achtstimmigen Chorsatz „And Death Shall Have No Dominion“ das Leben nach dem Tod und dass ein Verstorbener in den Herzen seiner Freunde weiterlebt. Meisters Sänger modulieren ganz wunderbar, lassen Töne auf- und abschwellen, extreme Reibungen unter großer Dynamik lösen sich in leisem Wohlklang auf. Und was für ein klarer, tiefer Bass-Schlusston. Bravo!

Fröhlich und beschwingt tragen Meisters Mannen das Barocklied „Flora Gave Me Fairest Flowers“ von John Wilbye (1574 - 1638) vor. „Geteilte Freude“ hat der flämische Komponist Maarten van Ingelgem (*1976) für ein Konzert im Limburger Dom geschrieben, erklärt Tristan Meister. Mit drei Liedern der Romantik beendet „Vocapella“ seinen ersten Gesangsblock. Dann haben die jungen Damen mit ihren charakteristischen lila Hosenträgern ihren Auftritt. Sie bewegen sich ausschließlich im 20. Jahrhundert, wobei ihre Spezialität fetzige Gospels sind. In allen Registern hört man brillante Stimmen, unglaublich dabei die glasklaren Stimmen der lediglich drei ersten Soprane im Verhältnis zu doppelt so vielen Sängerinnen im Sopran zwei. Schöne weiche Altstimmen dazu. Engelsgleicher Gesang zum niederknien. Belohnt mit reichlich Applaus hinterließen die „Singsations“ einen tollen Eindruck.

Zwei alte Volkslieder im modernen Gewand brachte die „Eintracht“ mit „Zum Tanze da geht ein Mädel“ und „Das Lieben bringt groß Freud“ zu Gehör. „Vocapella“ hatte nach zwei schwierigen Chorsätzen von Max Reger und Richard Strauss (1864-1949) ein japanisches Lied von einer Konzertreise dorthin mitgebracht und so hörte das Erbacher Publikum die deutsche Erstaufführung von „Ame“ von Takehiko Tada (1930-2017) mit einem fernöstlich klingenden Solo von Jonathan Zipfel. Für etliche Lacher sorgte der schwarze Humor von Georg Kreisler (*1959) in „Mein Weib will mich verlassen“. Mit dem Lied über die Küchenschabe „La cucaracha“ verabschiedeten sich die Sänger um Tristan Meister, aber dann folgte noch das sehr stimmungsvolle „Komm, Trost der Welt“ von Wilhelm Nagel (1871 - 1955), das beide Männerchöre gemeinsam sangen.

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